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Der letzte Vorhang

„Auf dem Seil“: Im Literaturhaus Hannover ist heute Terézia Mora mit dem Abschluss ihrer Trilogie um den aus der Bahn geworfenen IT-Spezialisten Darius Kopp zu Gast

Schriftstellerin, Übersetzerin und Drehbuchautorin: Terézia Mora überrascht auf allen Ebenen und bleibt dabei bodenständig

Die Lobeshymne über „Auf dem Seil“ [1] haben vielleicht einige bereits gelesen. Ein Roman, der nicht nur zeigt, wie schwierig Trauer sein kann, sondern wie beschwerlich auch der Weg zurück ins vermeintlich normale Leben ist. Das Literaturhaus Hannover hat heute die große Ehre, die deutschsprachige ungarische Schriftstellerin Terézia Mora persönlich begrüßen zu dürfen. Im Gepäck hat sie selbstverständlich ihren Trilogie-Abschluss, den letzten Vorhang für den allzu menschlichen Darius Kopp. Damit schließt Mora übrigens nicht nur ihre Darius Kopp-Reihe ab, sondern folgt auch weiter ihrem ganz persönlichen schriftstellerischen Weg.

Wenn es um die Menschen geht, die man in den Romanen von Mora findet, dann wird schnell klar, dass es sich stets um Außenseiter handelt, um Suchende. Wie eben auch bei Darius Kopp, der irgendwie das schwarze Schaf der Familie darstellt. Eine weitere Eigenart von Mora ist, dass sie ihrer Leserschaft oft einen tiefen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer Protagonistinnen und Protagonisten gewährt. Für den einen oder die andere mögen die Dialoge bei Zeiten etwas fad erscheinen, aber wer auf der Suche nach mehr Authentizität und Menschlichkeit in der Literatur ist, der wird bei Mora sicher fündig. Terézia Mora persönlich ist zwar eine preistragende Schriftstellerin, aber dennoch nicht mit einem umwerfenden Selbstwertgefühl ausgestattet. Das zeichnet sie insofern aus, als dass sie äußerst bodenständig geblieben ist. Als sie sich mit „Auf dem Seil“ gerade auf der Zielgerade ihrer Kopp-Trilogie befand, bekam sie den Georg-Büchner-Preis zugesprochen. In einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur [2] merkte sie an, dass der Preis genau zur richtigen Zeit kam, weil sie dann das Ende ihrer Trilogie mit dem Gefühl beschreiten konnte, dass sie eine gute Schriftstellerin sei. Nun wäre auch die Frage geklärt, ob Literaturpreise überhaupt einen Sinn haben.

Heute besucht die ungarisch-deutsche Autorin mit dem Faible für Außenseiter die niedersächsische Landeshauptstadt. Dabei ist sie nicht nur Romanschreiberin, sondern auch Übersetzerin und studierte Drehbuchautorin. Sowieso erscheint die 1971 geborene Mora wie ein Überraschungspaket, das sich selbst nicht zu ernst nimmt, aber gleichzeitig wahnsinnig vielseitig, belesen und klug ist. Eine Schriftstellerin, die so nah am echten Leben ist, weil sie die Fiktion der Realität vorzieht. Das versteht man erst, wenn man sich mit ihren Werken beschäftigt. Der erste Schritt in die richtige Richtung könnte deswegen ein Besuch ihrer heutigen Lesung im Literaturhaus Hannover sein.

Donnerstag, 13. Februar 2020:
„Auf dem Seil“, Lesung mit Terézia Mora, Literaturhaus Hannover, Sophienstraße 2, 30159 Hannover, Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: 12 Euro, ermäßigt: 6 Euro

(Foto: Pressefoto/Literaturhaus Hannover/Antje Berghauser)

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