Susanne Viktoria Haupt
23. Februar 2020

Neue Wege der Narration

Jetzt ist Schnelligkeit gefragt: Die Ausstellung „Bild-Con-Text – Die besten deutschen Comics 2018 und Strategien des Narrativen in der zeitgenössischen Kunst“ hat heute in der Kunsthalle Faust ihren letzten Tag

Ulli Lust ist mit seiner Graphic Novel „How I Tried to Be a Good Person“ einer der teilnehmenden Künstler der Ausstellung „Bild-con-Text“

Was ist Kunst? In den Kunst- und Kulturwissenschaften versucht man händeringend und Tag für Tag diese Frage zu beantworten. Vergeblich versucht man auch seit einigen Dekaden, die Unterteilung in Unterhaltungs- und Hochkultur auszuhebeln. Spricht man mit Fans der sogenannten Hochkultur, dann darf Kultur nicht unterhalten. Sie muss nachdenklich stimmen, komplexe Empfindungen und Sachverhalte auffangen und die gesellschaftlichen Entwicklungen widerspiegeln. Aber lachen sollte man nicht. Auch sollte man sich nicht gedankenlos in einen Strudel der Unterhaltung fallen lassen dürfen. Unterhaltung widerspricht Niveau, so wird das oft gedacht. Folgt man diesem Denkmuster, dann fallen Blockbuster-Filme genauso heraus wie Terry Pratchett-Romane, Karikatur und auch Comics.

In den vergangenen Jahren haben sich Liebhaberinnen und Liebhaber der Comics, Fans und auch die Kulturwissenschaften darum bemüht, Comics immer mehr aus der trivialen Versenkung zu holen. Das wurde zum einen durch echte Kassen-Schlager wie beispielsweise „Maus“ von Art Spiegelman oder auch die „Sandman“-Reihe von Neil Gaiman begünstigt. Spiegelman konnte mit „Maus“ immerhin sogar den Pulitzer Preis nach Hause tragen. Der wurde zuvor noch keinem Comic gegönnt. Zum anderen begann man damals bei „Maus“, das Ganze nicht mehr unbedingt Comic zu nennen, sondern Graphic Novel. Alles, was also länger als ein paar Seiten war, und zusätzlich eine komplexere Narration aufwies, war fortan eine Graphic Novel. Das klang nun natürlich anspruchsvoller als Comic, den man allgemein eher mit Superhelden und viel Krawumm in Verbindung brachte.

Im englischsprachigen Bereich ist man in den Kulturwissenschaften schon deutlich weiter, wenn es um die Analyse und Gleichberechtigung von Comics und Graphic Novel geht. Im deutschsprachigen Bereich rückt man immer weiter nach und forscht beispielsweise im Rahmen der Gesellschaft für Comicforschung e.V. Gerade für Literaturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ist graphische Literatur wahnsinnig faszinierend, beschreitet doch diese Symbiose aus Text und Bild neue Wege der Narration und fordert die Kulturwissenschaften allgemein wieder zu mehr interdisziplinärer Leistung auf.

Der Kunstverein Kunsthalle Hannover e.V. hat diesen Monat in der Kunsthalle Faust die Ausstellung „Bild-Con-Text – Die besten deutschen Comics 2018 und Strategien des Narrativen in der zeitgenössischen Kunst“ eröffnet. Und man muss schnell sein, denn diese Ausstellung hat genau heute auch schon wieder ihren letzten Tag. Mit „Bild-con-Text“ sollten nicht nur prämierte Comics aus dem deutschsprachigen Raum gezeigt werden, sondern auch in Form von Workshops und Working Spaces mit Künstlerinnen und Künstlern Hintergrundwissen über das Genre, die Arbeit und die Narration vermittelt werden. Das ist insofern begrüßenswert, da es sich eben nicht nur um eine Ausstellung handelt, sondern die Kunsthalle Faust ihre Energie auch ganz besonders in die Vermittlung und ein Rahmenprogramm gesteckt hat. An der Ausstellung beteiligt sind unter anderem die Künstlerinnen und Künstler Sarah Burrini, Reinhard Kleist, Ulli Lust, Oliver Mielke & Hannes Radtke, Stricher Kollektiv und Christopher Tauber, sowie Jens Besser, Motoko Dobashi, Olga Guse, Jens Hoff, Pepa Salas Vilar und Markus Willeke. Mehr Informationen lassen sich auf der Website des Kulturzentrums Faust finden. Also schnell noch in die Kunsthalle, bevor dieses Schmuckstück wieder durch eine neue Ausstellung ersetzt wird.

Sonntag, 23. Februar 2020:
„Bild-Con-Text – Die besten deutschen Comics 2018 und Strategien des Narrativen in der zeitgenössischen Kunst“, Ausstellung, Kunsthalle Faust, Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover, geöffnet von 14 bis 18 Uhr, Eintritt: 3 Euro, ermäßigt: 2 Euro

  • Die Ausstellung läuft noch bis Sonntag, den 23. Februar 2020
  • Öffnungszeiten: Do und Fr 16-20 Uhr, Sa und So 14-18 Uhr
  • Eintritt: 3 Euro, ermäßigt: 2 Euro

(Foto: Pressefoto/Kunsthalle Faust/Buchcover)

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Kategorien: Kunst, Literatur, Tagestipps

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