Henning Chadde
2. Juni 2010

„Es können auch Sesamstraßen-Songs sein…“

Vorsicht Tanzgefahr! Die Mariachi-Garage-Punker Guacamole Aqui laden beim Kulturkiosk von langeleine.de am Freitag mit jeder Menge Feuer zum Sommer-Schwoof. Ein Interview

Guacamole Aqui, schwarzweiß

Heiß, heißer – Guacamole Aqui

langeleine.de: ¡Hola Señores! Der extra-scharfen musikalischen Gewürzmischung seid Ihr ja nun schon seit Jahren zugetan und mit ihr weit über die landeshauptstädtischen Grenzen bekannt. Seit wann genau gibt es Euch und wie kam es zu diesem feurigen Zusammenschluss?

Guacamole Aqui: Alles begann auf einer Party einer Lindener 9er-WG anno 1999. Wir machten als Duo Latino-Musik mit Gitarre, Percussion und Gesang. Aber statt des sonst üblichen Rumstehens und anerkennenden Kopfnickens machten wir die Feststellung, dass keiner mehr kopfnickte, sondern alle wie verrückt tanzten. Die im Keller probende Band wurde kurzerhand von Hardcore-Ostpolka auf afrokubanische Polyrhythmik umgepolt, dann wurden ein paar Blechbläser verhaftet, und binnen zwei Monaten gab eine norddeutsche Salsa-Band ihr Konzert-Debüt. Lange Zeit später hatte ein Typ names Ry Cooder seine Urlaubserlebnisse vollständig ausgewertet und sorgte dafür, dass kubanischer Salsa, Son und Mambo in den hiesigen Clubs ihren Siegeszug antraten.

ll: Welche schmackhaften Zutaten finden sich in Eurem explosiven Tanzgemisch und wie würdet Ihr Euren Stil beschreiben?

Guacamole Aqui: „A little bit of everything“! Der Boston Globe nannte auf seiner Kulturseite unsere Musik „an amalgam of Salsa, Mariachi, Jazz and a bit of Punk Mambo … think Tito Puente meets the Sex Pistols“. Wir selbst nennen unsere Musikrichtung aufgrund des Sounds und der Probenraum-Umgebung Mariachi Garage.

Guacamole Aqui

Mensch gewordene musikalische Chilli-Schoten: Guacamole Aqui

ll: Ihr seid ja auch dem Covern fremder Songs recht zugeneigt. Was muss ein potentieller Kandidat mitbringen, um den Sprung in Eure Mex-Tex-Bouillabaisse zu schaffen?

Guacamole Aqui: Da wir grundsätzlich aus allem eine „guacamolized version“ machen, spielt das überhaupt keine Rolle – es können auch Sesamstraßen-Songs sein. Das Original hat einfach keine Chance und wird kurzerhand zu grüner Lindener Avocado-Soße veredelt. Inzwischen gibt es aber auch einen Trend, mehr von den eigenen Songs in unsere Show zu mogeln.

ll: Wie darf man sich eine Guacamole-Probe vorstellen? Erstmal drei Flaschen Mescal mit Wurm zum Warmwerden und dann kollektives Dosenschießen mit Revolver und Flinte, um die Rhythmus-Synapsen scharf zu stellen? Oder seid Ihr doch eher bodenständig der calenbergischen Strebsamkeit mit Wasser und Knute verpflichtet?

Guacamole Aqui: Garage aufschließen, ein paar Ratten erschießen, Herri-Vorräte auffrischen, und dann füllt sich der kleine Raum mit Rauch und elektrisierenden Latin Grooves. Das Preußische wird dann doch eher bei ganz besonderen Gelegenheiten durchgezogen…

ll: Ihr bezeichnet Euch selbst augenzwinkernd als die „Toten Hosen der Latino-Szene“. Wollt Ihr genauso lange auf der Bühne stehen wie Campino und seine Buddies?

Guacamole Aqui: Campino wer? Ach so – das bezieht sich wohl aufs Durchhaltevermögen. Wir haben auf jeden Fall vor, auch mit 105 Jahren noch Konzerte für unsere Enkel im Park zu geben.

Guacamole Aqui

Schon mindestens seit den frühen Fünfzigern unterwegs: Guacamole Aqui, historisches Bandfoto

ll: Ihr habt bisher vom Punk-Club bis zum Stadt- und Schützenfest, von der Hacienda bis zum Landgasthof und von der ausschweifenden Betriebsfestfeier bis zur umjubelten Club-Tour in Amerika alles erlebt. Welches war Euer bisher beeindruckendstes Bühnen-Erlebnis?

Guacamole Aqui: Einer unserer Favoriten war der Gig in der Bosch Bar in Zürich: Tagsüber ein Architekturbüro in der Züricher Innenstadt, wurden abends die Zeichentische zur Seite geräumt und kleine Holzwürfel zu einer Minibühne geformt. Die Teeküche wurde plötzlich zur kubanischen Mojito-Bar und dann war der kleine Raum randvoll mit tanzwütigem eidgenössischem Party-Volk.

ll: Last but not least: Was können die interessierten Chickas und Chickos beim Kulturkiosk von Euch erwarten?

Guacamole Aqui: ’ne fette Sommertanzparty mit acht schicken Herren in Anzügen!

Nicht verpassen:

Guacamole Aqui sind am Freitag, dem 4. Juni, mit ihrem wahnwitzigen Mariachi Garage Clash beim Kulturkiosk von langeleine.de zu Gast. Bitte antanzen!

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Menschen, Musik

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