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Ein Sieg für die fragile Seele

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen SV Wehen Wiesbaden

Marvin Duksch

Traf im Hinspiel in Wiesbaden doppelt: 96-Stürmer Marvin Duksch

Da war viel Hoffnung vor dem Start in die zweite Saisonhälfte, doch es war ernüchternd, was Hannover 96 im Auswärtsspiel beim SSV Jahn Regensburg auf den Platz brachte. Die Roten zeigten gegen die Bayern mal wieder zwei Gesichter, wie schon so oft in dieser Spielzeit. Im ersten Durchgang präsentierte sich die Elf von Kenan Kocak mit einer Dreierkette eigentlich ziemlich ansprechend, es wurden Chancen herausgespielt, der Gegner wurde recht passabel vom eigenen Kasten ferngehalten, mit zwei kleinen Ausnahmen. Problematisch war nur, dass 96 aus den teilweise guten Chancen nichts Zählbares machte. Und kurz vor dem Halbzeitpfiff beging Waldemar Anton ein unnötiges Foul im Strafrraum – der anschließende Elfmeter saß. Mit dem Wiederanpfiff stellte Trainer Kenan Kocak sein System um – und von da an lief gar nichts mehr bei 96. Regensburg verdiente sich im zweiten Abschnitt den Sieg, war die griffigere und torgefährlichere Mannschaft.

Späte Transfer-Offensive

Hannover 96 reagierte auf die Niederlage. Es sollten weitere Transfer getätigt werden. Ein schneller Außenspieler und ein Verteidiger sollten eigentlich noch kommen. Und am letzten Tag der Transferperiode präsentierte 96 mit Philipp Ochs einen 22-jährigen Offensivspieler, der alle Junioren-Nationalmannschaften spielte, mit 18 in der Bundesliga debütierte und nun ablösefrei aus Hoffenheim an den Maschsee wechselt. Da 96 seinen Torhüter Michael Esser ebenfalls abslösefei in dieser Winterpause in den Kraichgau schickte, kann man hier eventuell von einer Art Gentlemens Agreement sprechen.

Lauter einwandfreie Charaktere

Doch das war es dann auch schon wieder an Verstärkungen. Obwohl Marcel Franke in Regensburg nicht spielte und Felipe nicht gerade die beste Figur abgab, als er beinahe durch einen Stellungsfehler die Führung für den Jahn zuließ, wurde trotz des einen oder anderen gehandelten Namens kein neuer Verteidiger verpflichtet. Damit bleibt es bei fünf Neuzugängen, von denen zwei Ersatztorhüter sind. Neben Ochs wechselten Stürmer John Guidetti, Mittelfeldstratege Dominik Kaiser sowie die beiden Torhüter Martin Hansen und Michael Ratjczak zu 96. Alle sollen einwandfreie Charaktere sein, die die Mannschaft weiterbringen. Die Statements von Gerhard Zuber nach den Neuverpflichtungen wirkten teilweise schon hart nach copy und paste.

Die Neuen brauchen noch Zeit

Ob das für Hannover 96 nun reicht, um eine vernünftige Saison zu spielen, bleibt abzuwarten. Guidetti wirkte in seinem ersten Spiel für Hannover 96 von der ersten Minute an motiviert, lief aber teilweise völlig allein die gegnerische Abwehr an – und war dadurch ziemlich leicht zu überspielen. Entweder er hebt sich seine PS für andere Situationen auf, oder seine Teamkollegen ziehen mit ihm zusammen ein Angriffs-Pressing auf. Mal sehen, was die kommenden Spiele da bereithalten. Dominik Kaiser war gegen Regensburg wie Guidetti noch kein Faktor im Spiel, was aber auch daran lag, das Kaiser erst nach der 60. Minute eingewechselt wurde, zu einem Zeitpunkt, als Regensburg Hannover gerade komplett den Schneid abkaufte. Kaiser könnte eine Option für die Startelf gegen Wehen Wiesbaden sein, von ihm könnte einiges abhängen.

Gute Erinnerungen an das Hinspiel

Eine Trennung gab es unter der Woche auch noch zu vermelden. Hannover 96 und Ex-Nationalspieler Dennis Aogo gehen nach einem halben Jahr schon wieder getrennte Wege. Der Vertrag wurde einvernehmlich aufgelöst. Aogo bestritt gerade einmal vier Partien für 96. Doch kommen wir nun zum SV Wehen Wiesbaden. In der Hinrunde gelang Hannover 96 am dritten Spieltag nach einer Niederlage und einem Remis in Wiesbaden der erste Saisonsieg. Marvin Ducksch knipste doppelt, Florent Muslija steuerte ebenfalls einen Treffer zum 3:0-Erfolg bei.

Angst im Strafraum

Gegen den Aufsteiger, der aktuell auf Platz 16 steht, muss nun ein Sieg im Heimspiel her. Bei einer Niederlage würde Wiesbaden, dass einen Punkt weniger als 96 vorzuweisen hat, an Hannover vorbeiziehen – das würde Alarmstufe Rot bedeuten. Und da Wiesbaden erst am Dienstag gegen das Überraschungsteam aus Aue mit 1:0 gewann, dürfte die Brust breiter sein als bei den Hausherren. Eine frühe 96-Führung wäre also Balsam für die geschundenen Spieler- und Fan-Seelen. Doch irgendwie schwebt immer die Angst im Strafraum, das irgendein Verteidiger wieder eine völlig sinnlose Sense ansetzt und Hannover wieder einem unnötigen Rückstand hinterherlaufen muss. Und geht 96 gegen Wehen Wiesbaden in Rückstand, sehe ich schwarz für einen positiven Ausgang der Partie. Zu fragil wirkt die Mannschaft, das zeigte der Pausenrückstand in Regensburg dann doch recht deutlich. Mein Tipp lautet aber trotzdem: Hannover 96 gelingt ein kleiner Befreiungsschlag und das Team zittert sich zu einem 2:1-Erfolg.

Samstag, 1. Februar 2020, 13 Uhr:
Hannover 96 – SV Wehen Wiesbaden

(Foto: Eastfrisian/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0 [1])

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