Sebastian Albrecht
10. Februar 2020

Selbst-Revue eines filmischen Lebenswerkes

Im Kommunalen Kino läuft heute Abend „Varda par Agnès“, eine Art cineastischer Rückblick auf das Werk der französischen Filmemacherin Agnès Varda und gleichzeitig ihr letzter Film

Varda par Agnès, Filmplakat

Fand überall ein begeistertes Publikum für ihre interessante Betrachtung des eigenen Werkes, ob in einem Hörsaal oder doch am Strand: die Filmemacherin Agnès Varda, Filmplakat

Im März letzten Jahres starb Agnès Varda im Alter von neunzig Jahren in Paris. Liebhaberinnen und Liebhabern des französischen Films dürfte ihr Name nicht unbekannt sein, aber auch Film-Interessierte aus aller Welt könnten aufhorchen, schließlich wurde Varda in den letzten Jahren bereits mehrmals für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, ob nun beim Europäischen Filmpreis, in Cannes oder beim Oscar. Auch auf der Berlinale, nur wenige Wochen vor ihrem Tod, wurde ihr mit der Berlinale-Kamera ein Ehrenpreis überreicht. Ein hohes Alter garantiert zwar nicht zwangsläufig ein umfangreiches Werk, doch das von Agnès Varda kann sich nicht nur quantitativ und qualitativ sehen lassen, es ist nebenbei auch noch vielschichtig. Ihren Weg zum Film fand Varda über die Fotografie: Nachdem sie Literatur, Kunst und Philosophie studiert hatte, machte sie eine Lehre zur Fotografin und reiste für verschiedene Magazine um die Welt.

Ihren ersten Streifen in Spielfilm-Länge drehte Agnes Varda dann 1954: „La Pointe-Courte“. Weitere Spielfilme sollten folgen, aber auch Dokumentationen, in denen sich ihr politisches Interesse und ihr Aktivismus widerspiegelten. Schon 1967 drehte sie mit anderen französischen Filmemachern die Gemeinschaftsarbeit „Fern von Vietnam“, die sich kritisch mit dem Vietnam-Krieg auseinandersetzte, „Black Panthers“ wiederum dokumentiert die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung. Auch eine feministische Sichtweise zieht sich ein wenig durch ihr Werk. Über das es weitaus mehr zu sagen gäbe als eine kurze, fast schon stichpunktartige Abhandlung einiger weniger Filme. Nicht immer, aber manchmal kann das jedoch der Künstler beziehungsweise die Künstlerin besser selbst ausdrücken als die Kulturwissenschaft und das Feuilleton – so auch Agnès Varda. Bereits 2008 beschäftigte sie sich in dem filmischen Essay „Die Strände von Agnès“ mit ihrem Schaffen, circa zehn Jahre später erschien „Varda par Agnès“, eine Art Masterclass, in der sie sich ausführlich mit ihren Filmen, ihrem Schaffensprozess und ihrem Leben als Filmemacherin auseinandersetzt.

Natürlich könnte ein Film über das eigene Schaffen schnell in eine Selbst-Beweihräucherungsarie ausarten, doch Varda tappt nicht in diese Falle, lediglich Selbstbewusstsein zeigt sie völlig zu Recht angesichts ihres beeindruckenden Œuvres. 116 Minuten lang dauert ihr Streifzug durch ihr eigenes Werk, das sie ausgiebig bespricht – nicht nur der Umfang ihres gesamten Schaffens, besonders auch die Art ihres Kommentierens führen aber auch dazu, den größten Makel ihres letzten Films lautstark herausschreien zu wollen: zu kurz! Wie soll in so kurzer Zeit ein ganzes Lebenswerk angemessen gewürdigt werden? Und doch, es gelingt. Als berge die Tatsache, dass eben dieser Film nun am Ende ihres Schaffens steht, nicht schon etwas Kitsch, spielt die letzte Szene von „Varda par Agnès“ am Strand. Strände, die schon immer eine wichtige Rolle für Varda gespielt haben, im privaten wie im künstlerischen Leben. Doch eigentlich ist dieses Ende, bei genauerer Betrachtung, eigentlich weniger kitschig als folgerichtig. Das Kommunale Kino im Künstlerhaus zeigt den Film von und über die große Filme-Macherin Agnès Varda heute Abend im Original mit deutschen Untertiteln.

Montag, 10. Februar 2020:
„Varda par Agnès“, Dokumentarfilm, F 2019, 116 min., Kommunales Kino im Künstlerhaus, Sophienstraße 2, 30159 Hannover, Beginn: 20.15 Uhr, Eintritt: 6,50 Euro, ermäßigt: 4,50 Euro

(Foto: Pressefoto/Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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