Sebastian Albrecht
15. Februar 2020

The stars look very different today

Eine Institution der deutschen Indie-Szene ist heute im Béi Chéz Heinz zu Gast: Die Sterne

Die Sterne, Albumcover des neuen selbstbetitelten Albums

Ist inzwischen der einzige Fixstern der Band: Frank Spilker von den Sternen auf dem selbstbetitelten Album-Cover

Pop-Musik mit deutschen Texten? Lange Zeit eine schwierige Sache. Bands wie Ton Steine Scherben, Fehlfarben oder auch Die Ärzte fanden zwar einen eigenen, interessanten Zugang zu ihrer Muttersprache, aber dennoch: Wer an Musik auf Deutsch dachte, dem kam vermutlich eher schleimig-unangenehmer Schlager in den Sinn. Sollte neben „Rote Lippen soll man küssen“ und „Fiesta Mexicana“ wirklich nichts anderes möglich sein? Dass das Singen auf Deutsch eine schwierige Sache sei, damit beschäftigte man sich Mitte der Neunziger auch in Hamburg – auf Deutsch. Auf ihrem 1995er-Debüt-Album „Digital ist besser“ setzten sich Tocotronic mit der Problematik, Sehnsucht und Liebe in der deutschen Sprache zu besingen, auseinander: „Über Sex kann man nur auf Englisch singen/Allzu leicht kann’s im Deutschen peinlich klingen.“ Ein Jahr später setzten Die Sterne noch einen drauf: „Scheiß auf deutsche Texte“. Beide Bands wurden gemeinsam mit Blumfeld zu den bekanntesten Vertreter der Hamburger Schule, die weniger similäre Musik als die anspruchsvollen deutschsprachigen Texte einte. Was den Bands auch die Bezeichnung „Diskursrock“ einbrachte.

Die musikalischen Einflüsse hingegen waren unterschiedlich. Während sich beispielsweise bei Tocotronic speziell in der Anfangszeit stark die Begeisterung für US-amerikanischen Schrammel-Alternative-Rock raushören ließ, schimmerte bei Die Sterne neben Funk-Elementen, die sich in ihren Indie-Rock mischten, auch die Vorliebe für HipHop durch. Auf ihrem fünften Album „Wo ist hier“, das 1999 erschien, flirtete die Band dann auch ausgiebig mit elektronischen Anleihen. Vielleicht noch eine Ähnlichkeit zu den anderen beiden großen Schlachtschiffen der Hamburger Schule: Eine musikalische Veränderung, die bei allen drei Bands, mal dezenter, mal absoluter, 1999 einsetzte. Doch während man bei Blumfeld und Tocotronic durchaus von einem Bruch reden konnte, war es bei Die Sterne mehr eine fließende Veränderung. Die größte musikalische Richtungsänderung kam erst elf Jahre später mit dem stark disko-beeinflussten „24/7“, einem fast schon untypischen Album der Band um Frank Spilker, ohne dabei jedoch dem Die-Sterne-Feeling gänzlich abzuschwören. Als hätte sie auf ihrem unerwarteten Disko-Ausflug Blut geleckt, folgte auf dem nächsten Album „Flucht in die Flucht“ vier Jahre später die nächste abrupte Richtungsänderung: Disko war passé, stattdessen überwogen die psychedelischen Klänge.

Zwar tourten Die Sterne in den folgenden Jahren regelmäßig, doch ein neues Album schien vorerst nicht in Sicht. Bis im Oktober 2019 die Single „Hey Dealer“ erschien, die die Auskopplung eines neuen, selbstbetitelten Albums ist, das nun Ende Februar 2020 veröffentlicht wird. Fast schon nebenbei erwähnt sei der Ausstieg der beiden Gründungsmitglieder Thomas Wenzel und Christoph Leich, die nach sechzehn Jahren bei den Sternen 2018 ausgestiegen sind. Die Sterne, das ist nun weniger eine Band als Frank Spilker, der nun mit unterschiedlichen Gast-Musikern kollaboriert. Umso selbstbewusster, das neue Werk auf den Band-Namen zu taufen. Doch die ersten Vorboten „Hey Dealer“, „Der Palast ist leer“ und „Der Sommer in die Stadt wird fahren“ lassen den Schluss zu, dass trotz musikalischer Weiterentwicklung und Bandverschlankung auch diesmal der typische Die-Sterne-Sound nicht fehlen wird. Wer nicht erst bis Ende des Monats warten möchte, hat heute im Béi Chéz Heinz die Möglichkeit, bereits erste Eindrücke vom nun bereits elften Album zu bekommen.

Samstag, 15. Februar 2020:
Die Sterne, Support: Die Realität, Béi Chéz Heinz, Liepmannstraße 7b, 30453 Hannover, Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 26 Euro

(Foto: Pressefoto/Album-Cover)

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Kategorien: Musik, Tagestipps

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