Jörg Smotlacha
14. Februar 2020

Falsch verbunden

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den Hamburger SV

Linton Maina

Ein Lichtblick in dunklen Zeiten: Linton Maina gehört Hannovers Zukunft

Alte Erinnerungen kommmen auf, seit mir klar wurde, dass der HSV morgen wieder gegen den HSV spielt. Also so ein bisschen gegen sich selbst. Dieses Duell war eigentlich immer schon eine tolle Paarung, wenn nicht die beste, die der deutsche Fußball zu bieten hat. Mindestens. Was wollen Bayern München, Red Bull Leipzig und Manchester City uns sagen – außer uns alle fürchterlich langweilen? Hamburg gegen Hannover dagegen verspricht alles, was das Fußball-Herz möchte. Und noch viel, viel mehr. Wegen der Fan-Freundschaft. Und natürlich vor allem, weil der Hamburger SV dem hannoverschen HSV schon immer gut lag. Auch wenn das einfach nur gefühlt so ist. Aber um Gefühle geht es ja – jedenfalls für wahre Fans – egal sind nur die Ergebnisse.

Endlich vereint

Und die Freude ist vor dem morgigen Spiel umso größer, zumal dieses Highlight von Nord-Derby im letzten Jahr ja nicht zustande kommen konnte, weil der HSV Hamburg 2019 aus Unfähigkeit in der Zweitklassigkeit versunken war. Ganz im Gegensatz zu den standhaften Hannoveranern, die sich unter ihrem Trainer André Breitenreiter zu Beginn des Jahres 2019 in der Bundesliga einen lauen Lenz machen konnten. Da war es fast zu erwarten, dass der HSV Hannover es dank eines pfiffigen Trainerwechsels, einer konsequenten Transferpolitik und dem immer kompetenten Mitwirken des Vereinspräsidenten Martin Kind sehr schnell geschafft hat, sich selbst sehr sicher auf Dauer in der Zweiten Liga zu verankern, um den Hamburger Brüdern möglichst nahe zu sein.

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Das Problem bei all diesem Gewandere zwischen den Fußball-Ligen ist natürlich, dass man sich schnell mal aus den Augen verliert. Hamburg? Hecking? Aufstieg? Stimmt da was nicht? Aber deswegen sollte man eben auch konsequent nur nach Hannover schauen und sich auf die eigenen Stärken besinnen. Wer war noch mal Jan Schlaudraff? Ach ja, Kopenhagen! Damit gewinnt man jeden Tablequiz. Gerhard Zuber? Wer ist das denn? Der Telefon-Joker? Wichtiger aber ist natürlich, dass die Wahrheit auf dem Platz liegt. Also da, wo die Spieler sind. Jetzt frag ich mich, wie die alle heißen. Hansson? Schon wieder weg! Hansen? Neuer Torwart. Aber verletzt. Michael Ratjczak. Auch Torwart. Ach ja. John Guidetti. Was für ein Name. Was für ein cooler Dude! Was für ein Kader! Ausftieg 2022! Meistertitel 2023! Weltmeister 2024!

Im Delirium

Es ist unglaublich. Niemand kennt den Kader, aber der Verein ist im Aufwind. Aufbruchstimmung überall, denn nach Europapokal und Vierschanzentournee klingelt nicht nur in Kopenhagen, sondern auch in Hannover das Telefon. Der dran ist, sagt, Martin Kind bitte gehen Sie! Falsch verbunden? Nein, hier ist die Auskunft, die Nummer stimmt. Bitte gehen Sie! Keine Nummer unter diesem Anschluss. Ich wiederhole: Keine Nummer unter diesem Anschluss. Der HSV trennt sich von sich selbst unentschieden. Manchmal ist das besser so.

Samstag, 15. Februar 2020, 13 Uhr:
Hannover 96 – Hamburger SV

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Sports, Unrat

Kommentiere diesen Artikel