Roman Kansy
19. Februar 2020

Das dunkle Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte

Vom Stillen Leiden der Betroffenen: „Spuren – Die Opfer des NSU“ im Künstlerhaus

Regisseurin Aysun Bademsoy gibt den bisher nahezu unsichtbaren Angehörigen der Opfer eine Stimme: „Spuren – Die Opfer der NSU“, Filmplakat

Schlecht verheilte Narben und unzählige Fragen müssen Schmerz bei den Angehörigen der Opfer des rechtsterroristischen NSU hinterlassen haben. Im November 2011 stand das Land still. Kaum einer wollte und konnte glauben, dass rechte Terroristen über zehn Jahre lang in Deutschland unbehelligt morden konnten. Bis Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe aufgedeckt wurden, tappte die Polizei bei ihren jahrelangen Ermittlungen aber nicht einfach nur im Dunkeln. Sie behauptete offenbar wider besseren Wissens, dass die Opfer selbst in kriminellen und mafiösen Kreisen verkehrten und suchte die Täter im Dunst der türkischen Mafia. Dabei zerpflückte und zerpflügte sie auf der Suche nach Beweisen die Leben der Opfer-Familien, verhörte die traumatisierten Angehörigen und beschädigte auf lange Sicht den guten Ruf der Getöteten.

Es ist auf vielen Ebenen nachvollziehbar, dass Regisseurin Aysun Bademsoy das stille Leiden der Angehörigen ins mediale Licht rücken will, um ihnen endlich Gehör zu verschaffen. In ihrer Dokumentation „Spuren – die Opfer des NSU“ lässt sie zum ersten Mal die jahrelang von der Exekutive schikanierten Hinterbliebenen zu Wort kommen. Denn Spuren sind in diesem Kontext nicht als Indizien bei Verbrechen zu verstehen. Spuren sind auch Verletzungen und Narben, die die unvorstellbare Zeit bei den Angehörigen der Opfer und ihren Communities hinterlassen hat. Denn das Ende des langen Prozesses ließ nicht nur viele Fragen offen. Der vielfach kritisierte Ausgang sorgte nicht nur in der Öffentlichkeit für Kopfschütteln, sondern gerade die, die unschuldig in den Polizei-Apparat gerieten, standen dem Prozess-Ende sprachlos gegenüber und haben letzten Endes das Vertrauen in den deutschen Rechtsstaat verloren. Jetzt kommen sie in Aysun Bademsoys Film endlich zu Wort.

Mittwoch, 19. Februar 2020:
„Spuren – Die Opfer des NSU“, Dokumentarfilm von Aysun Bademsoy, D 2019, 81 min., Kino im Künstlerhaus, Sophienstraße 2, 30159 Hannover, Beginn: 16 Uhr, Eintritt: 6,50 Euro, ermäßigt: 4,50 Euro

(Foto: Pressefoto/Filmplakat)

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Kategorien: Film, Politik, Tagestipps

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