Cosma Jo Gagelmann
19. März 2020

Das blaue Auge von Hannover hat auch seine dunklen Seiten

Im Moment bietet es sich an, viel zu lesen: „Der Tote vom Maschsee“ von Susanne Mischke unterhält uns gut

Der Tote vom Maschsee

Der Maschsee ist sonst ein beliebter Ausflugsort der Hannoveraner*innen, diesmal wird er zum Tatort eines schaurigen Verbrechens

Hannover ist unsere Heimatstadt. Wir lieben sie, wir verbringen viel Zeit in Hannover und genießen das Stadtleben. Trotzdem hat unsere schöne Stadt auch ihre dunklen Seiten. Dies bemerkt man, wenn man die Obdachlosen sieht, einen Artikel über die Drogen-Clans in der Zeitung liest oder wenn auf einmal ein Polizeiwagen mit Sirene vorbeifährt. Natürlich hat auch Hannover keine weiße Weste. Spätestens seit Fritz Haarmann, Hannovers bekanntestem Mörder, der vierundzwanzig Jungen umbrachte, ist klar, dass manchmal auch in der eigenen Lieblingsstadt Verbrechen geschehen können. Und diese wären thematisiert worden, wenn demnächst vom 15. bis 18. April die Criminale in Hannover stattgefunden hätte, das größte Branchentreffen der deutschsprachigen Krimi-Autor*innen. Das kann nun leider nicht stattfinden, aber Susanne Mischkes Buch „Der Tote vom Maschsee“ bietet eine gute Alternative fürs Leben neben dem Home Office.

Zur Story: Hauptkomissar Bodo Völxen wird zu einem speziellen Tatort gerufen: dem Maschsee. Ein bekannter Psychiater und Gutachter von Sexualstraftätern liegt tot im Wasser. Seine Zunge fehlt. Die wurde Stunden früher auf dem Grabmal der Opfer von Fritz Haarmann auf dem Stöckener Friedhof gefunden. Der Mann war schon öfter wegen seiner rationalen Thesen über Sexualverbrechen angefeindet worden. Auch die abgeschnittene Zunge deutet daraufhin, dass jemand das Opfer symbolisch zum Schweigen bringen wollte, was ja auch geschehen ist. Die Kripo Hannover nimmt sich dem Fall an. Mit im Ermittlerteam rund um Bodo Völxen, der außerhalb von Hannover in einem kleinen Ort lebt und sich neben seiner Frau und Tochter noch Schafe zugelegt hat, gibt es Oda Kristensen, eine Psychologin die zur Polizei wechselte, sich als Rabenmutter fühlt, nun Hauptkomissarin ist und trotzdem in jeder Situation noch ihren Witz behält. Dann gibt es noch Fernando Rodriguez, einen Spanier, der früher mit Drogen dealte, bis seine Mutter, die in Hannover-Linden einen spanischen Laden betreibt, ihren Stammgast Völxen bat, Fernando zu zeigen, was mit Straftätern passiert. Rodriguez war geschockt und wechselte kurz darauf auf die richtige Seite des Gesetzes. Trotzdem lässt er keine Gelegenheit aus, hübsche Frauen anzubaggern. Außerdem gibt es Alexia Julia Wedekin, kurz Jule, die erst jetzt ins Dezernat für Todesermittlungen und Delikte am Menschen kam. Sie ist die Tochter eines Professoren und einer Pianistin und entstammt aus dem alten hannoverschen Geld-Adel und studierte erst ein paar Semester Medizin, bis sie zur Polizei wechselte. Auch, um ihre Eltern zu ärgern, aber am meisten, weil es ihr langersehnter Berufswunsch ist. Der Fall führt über viele Verdächtige auch in die Vergangenheit – und nur mit geballter Kraft kann das Team den Fall lösen.

Das Team ist sehr divers gestaltet, aber gerade das ist auch wichtig. Denn durch die verschiedenen Charaktere, deren Sicht auch jeweils im Buch aufgezeigt wird, kommt der Krimi erst richtig in Schwung. Man verfolgt gerne die Ermittlungen, rät mit, wer von den Verdächtigen der Täter sein könnte, und lacht mit, wenn Oda sich den x-ten Zigarillo anzündet, Fernando einen Korb von einer hübschen Frau bekommt, Jule mal wieder über die Stadtgeschichte Hannover referiert oder Völxen über seine Schafe ins Schwärmen gerät. Das Besondere an diesem Krimi ist, dass die Spurensuche an bekannten Orten Hannovers stattfindet: Man geht mit Oda in die Faust, befragt mit Jule einen Zeugen im Courtyard-Hotel, besucht mit Fernando die Wohnung des Opfers in Waldhausen und geht mit Völxen einer Spur in der Eilenriede nach. Wer am Ende den entscheidenen Treffer landet, wird dann eher zur Nebensache. Hauptsache, alle gehen glücklich und zufrieden in den Feierabend.

Das Buch erschien 2008. Nach dem großen Erfolg machte Susanne Mischke einen Krimi-Serie daraus. Es folgten 2009 „Tod an der Leine“, 2010 „Totenfeuer“ und 2011 „Todesspur“. Nach einer längeren Pause erschien 2014 der fünfte Band „Einen Tod musst du sterben“, 2016 „Warte nur ein Weilchen“, 2017 „Alte Sünden“ und 2019 „Zärtlich ist der Tod“. Mit „Hättest du geschwiegen“ kam im Januar 2020 bereits der neunte Teil auf den Büchermarkt. Also viel Lesestoff für Hannoveraner*innen mit Krimi-Vorliebe!

Donnerstga, 19. März 2020:
Susanne Mischke: „Der Tote vom Maschsee“, 304 Seiten, Piper Verlag, ISBN: 978-3-492051460, 11 Euro

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(Foto: Buchcover)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

Ein Kommentar

  1. Beyza sagt:

    Diese kleinen Buchrezensionen gefallen mir sehr gut. Gerne mehr davon!

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