Susanne Viktoria Haupt
3. März 2020

Deutschlands berühmteste Anna

101 Jahre Anna Blume: Das Theatermuseum Hannover lädt heute zu Peter Strucks Vortrag „Alles über Anna Blume. Eine bunte bebilderte Lesung rund um das Merzgedicht 1“

Hing einst in Hannover an den Litfaßsäulen: „An Anna Blume“ von Kurt Schwitters

In Langenhagen stand einst ein Gymnasium, das über einen Gang mit der dortigen IGS verbunden war. Ich sage war, weil es das Gymnasium Langenhagen in seiner damaligen Form, wie ich es kannte und liebte, nicht mehr gibt. Auf Grund mangelhaft umgesetzter Brandschutz-Vorschriften werden die Kids nun schon länger in Containern unterrichtet, bis irgendwann in Richtung der Langenhagener Pferderennbahn ein neues Gymnasium aus dem Boden gestampft wird. Warum ich davon erzähle? Weil genau auf diesem Verbindungsgang zwischen Gymnasium und IGS an der Wand eingerahmt ein großer Druck von Kurt Schwitters hing: „An Anna Blume“. Ich weiß nicht, wie viele Male ich an diesem Merzgedicht vorbeigelaufen bin, aber ich bin mir absolut sicher, dass ich, als ich 1999 auf der Party zum 13. Geburtstag meines guten Freundes Tim das Lied „A-N-N-A“ von Freundeskreis hörte, es definitiv nicht mit Kurt Schwitters in Verbindung brachte. Das lag vornehmlich daran, dass ich zu dieser Zeit nicht an Kurt Schwitters, sondern mehr an Kurt Tucholsky interessiert war.

Anna ist aber Deutschlands beliebtestes und wahrscheinlich auch berühmtestes Palindrom – und das haben wir auf jeden Fall Kurt Schwitters zu verdanken. „An Anna Blume“ ist eines der bekanntesten und erfolgreichsten Dada-Gedichte. Aber was verhalf diesem Gedicht, das mit krummen Sprachbildern und einem melancholischen Seufzer als Unterton aufwartet, eigentlich zum Erfolg? Literaturwissenschaftler sind sich mittlerweile darüber einig, dass es nicht nur am eingängigen Poesie-Material lag, sondern auch an Schwitters Werbe-Maßnahmen zu Zeiten der Veröffentlichung. „An Anna Blume“ hing nämlich einst an zahlreichen hannoverschen Litfaßsäulen. Eine einzigartige Werbe-Aktion im damaligen Literaturbetrieb. Zuletzt kannte man das von der Ankündigung von Michele Obamas Biographie, die uns dank der Initiative der Buchhandlung Decius überall in der Stadt anlächelte. Anna Blume, die fiktive Tochter von Kurt Schwitters, ist seitdem weder aus dem Deutsch-Unterricht, noch aus der Pop-Kultur wegzudenken. Und in Hannover kann man sogar ins Café Anna Blume gehen.

Im Theatermuseum gibt es zwar derzeit keine aktuelle Ausstellung zu sehen, aber das bedeutet nicht, dass dort alle Räder still stehen. Ganz im Gegenteil. Regelmäßig lädt das Museum zu vielfältigen Vorträgen. Heute dreht sich bei Peter Strucks Vortrag eben alles um Kurt Schwitters‘ geliebte Anna. Nun darf man sich keinesfalls sorgen, dass heute Abend einfach jemand stur vor dem Publikum steht und über das Leben Schwitters und die Entstehung von Anna Blume referiert. Angekündigt ist eine „bunt bebilderte Lesung rund um das Merzgedicht 1“, die einem Anna Blume sicherlich auf sehr lebendige Weise näherbringen wird. Für schmale sieben Euro ist das unser Highlight des Tages.

Dienstag, 3. März 2020:
„Alles über Anna Blume. Eine bunte bebilderte Lesung rund um das Merzgedicht 1“, Vortrag von Dr. Peter Struck, Theatermuseum Hannover, Prinzenstraße 9, 30159 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt: 7 Euro

(Foto: wikipedia/gemeinfrei)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

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