Susanne Viktoria Haupt
4. März 2020

You can’t touch this

In der Alten Tankstelle ist heute mit „Nowhere – Die Unberührbaren“ der dritte und letzte Teil der Theater-Reihe „Inside – Outside – Nowhere“ zu sehen

Menschliche Berührungen sind nicht ersetzbar. Oder etwa doch? Dieser Entwicklung geht „Nowhere – Die Unberührbaren“ vom Theater fensterzurstadt auf den Grund

Das Wort Smombie ist irriterenderweise eigentlich schon wieder aus der Mode gekommen. Oder besser gesagt: Es hat vor allem sein kritisches Element verloren. Viel zu sehr haben wir uns daran gewöhnt, dass wir und auch jeder andere andauernd aufs Smartphone starrt. Selbst Schülerinnen und Schüler in Klasse 5 und 6 haben es bereits schwer, wenn sie kein Smartphone und damit auch keinen gängigen Messenger besitzen. Informationen, die dann in Klassengruppen bei WhatsApp und Co. geteilt werden, kommen bei ihnen nicht an. Und ja, wir sind verliebt in unsere kleinen Rechtecke. Wir tippen durchschnittlich 2500 Mal am Tag auf ihnen herum. Rund 100 verschiedene Bakterien tanzen dabei auf dem Display. Häufig liegen wir morgens noch im Bett, wenn wir das erste Mal auf dem mobilen Endgerät die E-Mails checken. Und ebenso häufig gilt abends unser letzter Blick der sehnsuchtserfüllten Welt in unserem Smartphone. Denn eigentlich glauben wir, dass wir genau in diesem Gerät alles finden können. Neben unseren Bankdaten auch den Zugang zu Online-Bestellungen, Reisebuchungen, Erinnerungen und ja, auch Liebe und Lust. Einmal wischen bitte. Ihr wisst, was ich meine.

Das Theater-Kollektiv Theater fensterzustadt hat sich im dritten Teil der Theaterreihe „Inside-Outside-Nowhere“ unter dem Titel „Die Unberührbaren“ genau mit jenen Berührungen und der Verbindung zur Lust auseinandergesetzt. Auf der einen Seite stehen die Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen keinen körperlichen Kontakt zu anderen Menschen haben wollen. Das kann an diversen Phobien liegen, zum Beispiel an Traumata, oder auch einfach daran, dass sich Menschen im Spektrum der Asexualität bewegen. Auf der anderen Seite stehen jene Menschen, die die Sehnsucht nach körperlicher Berührung gegen einen technischen Ersatz eingetauscht haben. Das Begehren wird auf das mobile Endgerät konzentriert, alles andere kann sogar als störend empfunden werden. Das kann, so wird in diesem Theater-Experiment gezeigt, sogar so weit gehen, dass jeglicher echter sozialer Kontakt überflüssig wird. Warum aus den eigenen vier Wänden heraustreten, wenn sich das zwischenmenschliche Leben voll und ganz auf dem Display abspielen kann?

Mit „Nowhere – Die Unberührbaren“ unternimmt das Theater fensterzustadt, wie es selbst sagt, einen weiteren und abschließenden Ausflug in die Intim-Zone der Menschen. Alle drei Teile wurden an teilweise unkonventionellen Orten präsentiert, wie zum Beispiel „Das Pornoding“, das im Ihmezentrum gezeigt wurde. Und alle drei Teile beschäftigen sich mit Sex, Intimität und den Einfluss auf die Identitätsbildung. Heute sind die „Unberührbaren“ zum vorletzten Mal in der Alten Tankstelle zu sehen. Auf der Bühne stehen heute und übermorgen noch einmal Alexandra Faruga, Elisabeth Frank, Carsten Hentrich, Horst Meister, Sascha Schmidt, Heino Sellhorn, Ruth Rutkowski und Gäste.

Mittwoch, 4. März 2020:
„Nowhere – Die Unberührbaren“, Theaterstück von Ruth Ruthowski, Theater fensterzurstadt, Alte Tankstelle, Striehlstraße 14, 30451 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 15 Euro, ermäßigt: 10 Euro

  • weitere Vorstellung:
  • Freitag, 6. März, 20 Uhr

(Foto: Pressefoto/Theater fensterzurstadt/Isabel Winarsch)

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Kategorien: Bühne, Tagestipps

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