Susanne Viktoria Haupt
8. März 2020

Together we will rise!

Gemeinsam geht es besser: Kargah e.V. lädt am Internationalen Frauentag zum Frauen-Fest ein. Dass dieses exklusiv für Frauen ist, versteht sich von selbst

Heute geht es vornehmlich um frauenpolitische Diskurse, aber auch Spaß und Tanz kommen beim Frauen-Fest nicht zu kurz

Ich bin es eigentlich leid, hier nun aufzählen zu müssen, an welchen Ecken es hinsichtlich der Gleichberechtigung noch hapert. Das fängt schon damit an, dass einem Mann applaudiert wird, wenn er zwei Monate in Elternzeit geht, eine Frau aber geächtet wird, wenn sie nach der Geburt ihres Kindes direkt wieder arbeiten geht. Das geht weiter, wenn wir über Pay Gap reden, oder aber darüber, dass immer noch Männer auf jene Gesetze beharren, die verdammt nochmal die Selbstbestimmung unserer Körper einschränken. Und klar, jede Frau, die nicht verheiratet ist, ist Freiwild, und jede Frau, die einen kurzen Rock anhat, legt es nur darauf an. Frauen sind natürlich für soziale Berufe besser geeignet und hey, da verdient man nun mal weniger.

Es gibt die offenen Gegner der Gleichberechtigung, und dann die versteckten Gegner. Diese „Ja, aber“-Menschen. Jene, die es schon gut finden, wenn man gendert, aber wenn man – Gott bewahre – als Frau dann die eigene Meinung sagt, dann ist man doch schon wieder „irgendwie zickig“. Oder aber jene, die Gleichberechtigung schon superwichtig finden, aber bitte so, dass man sich als Mann auch noch richtig männlich fühlen darf. Also bitte ab und an als Frau schwach sein, damit man archaisch gerettet werden kann. Ich weiß immer noch nicht, was ich schlimmer finde. Aber ich weiß glücklicherweise auch, dass es durchaus Männer gibt, denen die vermeintliche „Männlichkeit“ egal ist.

Bei all dem offenen und versteckten Gleichberechtigungskampf wird aber immer wieder vergessen, dass wir gleichwertig sind. Dass Frauen genauso laut, sanft, zickig, angenehm und stark sein können wie Männer. Es wird gerne vergessen, dass wir unterm Strich einfach Menschen sind, Individuen. Und dass jeder Mensch nun mal die gleichen Rechte und die gleichen Voraussetzungen erhalten sollte. Ohne dabei Testosteron-Drüsen streicheln zu müssen. Das bedeutet übrigens auch, dass eine Frau gerne zehn Jahre zur Kindeserziehung zu Hause bleiben darf, wenn sie will, und dass andere Frauen darüber nicht urteilen sollten. Sie ist damit keine Gegnerin der Gleichberechtigung. Sie ist dadurch nicht weniger Feministin als jene, die nach der Geburt direkt wieder arbeiten gehen. Und hier sind wir an einem wichtigen Punkt angekommen: Zusammenhalt. Wir Frauen müssen aufhören, uns gegenseitig in unseren Stärken zu schwächen. Wir müssen aufhören, zu lästern und uns immer wieder zu vergleichen. Wir sollten gemeinsam an einem Strang ziehen. Together we will rise. Das sollte unser Motto sein. Gemeinsam sind wir nämlich noch viel stärker.

Deswegen lädt Kargah e.V. heute am Internationalen Frauentag zu einem Frauen-Fest ein. Von Frauen nur für Frauen. Und das ohne störende „Ja, aber“-Mentalität. Heute geht es zum Beispiel um Frauen, die erst in Deutschland angekommen sind und sich orientieren müssen. Und es geht auch darum, wie Feminismus wirklich divers und inklusiv gestaltet werden kann. Im Vordergrund stehen selbstverständlich frauenpolitische Vorträge und Diskussionen, aber auch das Miteinander soll gestärkt werden. Und das geht bekanntermaßen am besten durch gemeinsame Aktivitäten. Daher wird im Anschluss bei der Frauen-Disco und dem Duo Einklang ordentlich gefeiert, getanzt und vielleicht die ein oder andere neue Freundschaft geschlossen. Damit am internationalen Frauentag der Zutritt auch für jede Frau unabhängig ihres Einkommens gewährleistet werden kann, wird das Frauenfest übrigens finanziell vom Referat für Frauen und Gleichstellung der Landeshauptstadt Hannover unterstützt. Ein bisschen Kleingeld für die eigene Verpflegung reicht also völlig aus. In diesem Sinne: Rise up!

Sonntag, 8. März 2020:
Internationales Frauenfest, Ausstellung, Diskussion, Vortrag, Musik, Tanz und Party zum Internationalen Frauentag, Kargah Haus und Kulturzentrum Faust, Warenannahme, Zur Bettfedernfabrik 1 und 3, 30451 Hannover, Einlass: 15.30 Uhr, Beginn: 16.15 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Kulturzentrum Faust)

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Kategorien: Politik, Tagestipps

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