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Home sweet home

von Jörg Smotlacha      Dienstag, 15. Juni 2010

Kontrastreich und verstörend: Larry Sultan und Olaf Nicolai in der Kestnergesellschaft

Larry Sultan: “Early Evening, Los Angeles”, aus der Serie “Pictures from Home”

Auf der Suche nach den Mythen von Heimat und Familie: Larry Sultans “Early Evening, Los Angeles”, aus der Serie “Pictures from Home”

Mit zwei grundlegend verschiedenen Ausstellungen wartet die Kestnergesellschaft seit vergangenem Freitag auf. Während die großformatigen Foto-Serien von Larry Sultan das kleinstädtische Leben in den US-amerikanischen Vorstädten reflektieren und mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen konfrontieren, stellt der in Berlin lebende Konzeptkünstler Olaf Nicolai mit seinen Installationen und Fotografien unsere gewohnten Wahrnehmungsmuster spielerisch in Frage und setzt sich mit der Beziehung zwischen Idee und Kunstwerk auseinander.

Die Unmoral von Vorstadt-Einbauküchen

Der kürzlich verstorbene amerikanische Fotograf Larry Sultan konnte die nun in der Kestnergesellschaft gezeigte Trilogie “Pictures from Home”, “The Valley” und “Homeland” noch konzipieren. Dennoch fällt der Zugang zu seinem Werk zunächst schwer. Zu amerikanisch, zu idyllisch und auch zu spießig wirken seine Bilder - zunächst. Dann beginnen sie zu irritieren und ihre eigene Aussagekraft zu hinterfragen: Die Serie “Pictures from Home” beispielsweise sprengt die Grenzen zwischen dokumentarischer und privater Fotografie, wenn Sultan etwa seine eigenen Eltern portraitiert und nicht mehr klar ist, ob die Bilder sehr intim sind oder sehr gestellt. “Homeland” wiederum zeigt Tagelöhner und setzt sich mit der sozialen Wirklichkeit auseinander - das aber vor dem Hintergrund von sehnsuchtsvoll inszenierten Landschaftsbildern. Und in “The Valley” hat Sultan gar Drehorte der kalifornischen Pornoindustrie aufgesucht, das Ergebnis aber verwirrt unseren Blick, denn die Fotos zeigen sehr gewöhnliche, saubere Kulissen - wo Unmoralisches erwartet werden dufte, sehen wir die Spießigkeit der Einbauküchen in Vorstadt-Privathäusern.

“Wie Sie sehen, sehen Sie nichts!”

Ganz anders Olaf Nicolai: Seine mehrteilige, begehbare Installation “Faites le travail qu’accomplit le soleil” konfroniert die Betrachter mit ihrem eigenem Verhältnis zum Kunstwerk. Um Nicolais Idee zu verifizieren, müssen wir das Werk von allen Seiten betrachten, es umrunden, anfassen und schließlich betreten. Doch sollen wir wirklich? Im aktuellen Fall sei zumindest vor den scharfen Kanten der Platikkonstruktion gewarnt!
Wer es etwas altmodischer mag, kann im kleinen Gang daneben die 80-teilige Fotoserie “Zabriskie Point” anschauen und sich den Satz “Wie Sie sehen, sehen Sie nichts!” durch den Kopf gehen lassen, zeigt Nicolais Fotoserie doch den gleichnamigen Aussichtspunkt im kalifornischen Death Valley Nationalpark, der aus dem 1970 von Michelangelo Antonioni gedrehten Spielfilm bekannt ist - zu sehen ist aber nur jeweils ein kleiner Ausschnitt des von einem Scheinwerfer angestrahlten Bodens. Im Nebenraum schließlich überrascht die Installation “Samani” (Some Proposals to Answer Important Questions), bei der ein Roboter-Scheinwerfer eine Stange umschlängelt und uns vorgaukeln möchte, er sei ein humanes Wesen. Sind das die Antworten? Eher nicht, und man möchte an dieser Stelle gerne einfach sagen “die ist 42″.

Dienstag, 15. Juni 2010:
Larry Sultan: “Katherine Avenue” / Olaf Nicolai: “Faites le travail qu’accomplit le soleil”, Ausstellung, Kestnergesellschaft, Goseriede 11, 30159 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt: 10 Euro

  • Die Ausstellung ist noch bis zum 22. August zu sehen
  • Di, Mi, Fr, Sa, So 11-18 Uhr, Do 11-20 Uhr, Mo geschlossen
  • Eintritt: 7 Euro, ermäßigt: 5 Euro
  • (Foto: The Estate of Larry Sultan, Courtesy: Galerie Thomas Zander, Köln)

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