Jörg Smotlacha
10. März 2020

Das Unfassbare beschreiben

Feinkost Comix hat Tina Brenneisen zu Gast, die den Tod ihres ungeborenen Sohnes mit einer Graphic Novel verarbeitet hat

"Das Licht, das Schatten leert"

Wurde mit dem höchstdotierten deutschsprachigen Comic-Preis prämiert: Tina Brenneisen und „Das Licht, das Schatten leert“, Cover

Über die kulturelle Bedeutung von Graphic Novels muss ich an dieser Stelle hoffentlich kein Wort mehr verlieren. Seit der Künstler Art Spiegelman die Geschichte seines Vaters, eines Auschwitz-Überlebenden, im Stil eines Underground-Comics erzählt hat und dafür 1992 einen Pullitzer-Preis erhalten hat, können wir mit Fug und Recht von einer literarischen Gattung reden, die nicht nur für sich steht, sondern manchmal sogar ein paar Vorzüge gegenüber dem reinen Wort hat, die sich dann auch mal in der Darstellung des Undenkbaren äußern.

Meine Kollegin Susanne Haupt hat an dieser Stelle in den Seitenansichten erst vor ein paar Tagen die augezeichnete Graphic Novel „Haarmann“ von Peer Meter und Isabel Kreitz rezensiert, die es schafft, die beklemmende Atmosphäre in Hannovers Zwischenkriegszeit zu Beginn der 1920er-Jahre zu skizzieren – und das auf eine Art und Weise, die möglicherweise in einem herkömmlichen Roman schwer zu fassen gewesen wäre. Die Unglaublichkeit der Geschehnisse fand ja dann auch in der Weise „Warte, warte nur ein Weilchen“ ihren Eingang in die Popkultur.

Aber zurück zur Kraft der gezeichneten Bilder: In ihrer autobiografischen Graphic Novel „Das Licht, das Schatten leert“ hat die Autorin Tina Brenneisen so etwas Unfassbares wie die Totgeburt ihres Kindes verarbeitet – und das auf so quälende wie großartige Art und Weise: Eine Rückkehr ins „normale“ Leben scheint der Protagonistin plötzlich unmöglich, der eigene Körper wird zum Feind. Es wartet ein Leben im Konjunktiv, Fragen nach Schicksal und Schuld, nach Strafe und Gerechtigkeit.

Tina Brenneisen wurde für ihr so ergreifendes wie bildgewaltiges Werk 2017 mit dem Berthold-Leibinger-Comicbuchpreis, der höchstdotierten deutschen Comic-Auszeichnung prämiert. Heute ist sie im Rahmen der Feinkost Comix bei Feinkost Lampe zu Gast.

Dienstag, 10. März 2020:
Tina Brenneisen: „Das Licht, das Schatten leert“, Feinkost Comix, Feinkost Lampe, Eleonorenstraße 18, 30449 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 5 Euro

(Foto: Comic-Cover)

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Kategorien: Kunst, Literatur, Tagestipps

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