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Die Seuche nach dem Seuchen-Jahr

Abseits – Hannover 96 vor dem Saison-Abbruch?

Toller Rahmen für ein Topspiel: die HDI Arena unter Flutlicht

Niemals allein: Hannover 96

Irgendwie eigenartig, wie die Gemütslage eines Menschen durch eine simple Nachrichtenmeldung umschlagen kann. Wirkte dieses dämliche Coronavirus vor ein paar Tagen noch so verdammt weit weg, war es spätestens nach der Meldung des positiv getesteten 96-Spielers Timo Hübers auf einmal ganz nah, schließlich teile ich mir mit einem Angestellten des Vereins die vier Wände. Nun verfallen wir deswegen nicht in Panik, werden uns keinen Klopapier-Vorrat anlegen, der noch viele Generationen Bestand haben wird, sondern gehen die Situation so nüchtern wie möglich an – wir sitzen ja nicht in Quarantäne fest. Dennoch kann ich für meinen Teil eine kleine Verunsicherung nicht gänzlich von der Hand weisen, da ich mir mit Blick auf ältere Familienmitglieder, Freunde und Bekannte dann doch so meine Gedanken mache.

Der Virus bei Hannover 96

Nüchtern geht auch Hannover 96 die Situation rund um das Coronavirus an. Die Roten haben nach der Infektion Hübers‘ die gesamte Mannschaft sowie auch den Staff auf Corona testen lassen. Hübers hatte zwar keinen Kontakt mehr zur Mannschaft nach seiner Infektion, trotzdem wurde wenig später auch beim nächsten 96-Verteidiger, Jannes Horn, das Virus nachgewiesen. Nun stehen alle Spieler und auch die Physiotherapeuten von Hannover 96 unter 14-tägiger häuslicher Quarantäne. Die kommenden Spiele gegen Dynamo Dresden und den VfL Osnabrück wollte 96 daher absagen beziehungsweise verschieben. Doch letztlich kam es, wie es kommen musste: der Ligabetrieb wurde komplett unterbrochen.

Der Fußball reagiert spät

Von der 1. Bundesliga bis hinunter in die untersten Kreisklassen wurde der gesamte Spielbetrieb vorläufig eingestellt. Bei anderen Sportarten, wie zum Beispiel beim Eishockey, wurde der Ligabetrieb um einiges früher abgesagt, erstmals werden die DEL-Play-offs nicht ausgetragen und somit kein Meister ermittelt. Doch der Fußball brauchte natürlich mal wieder eine Extra-Einladung. Hier geht es ja auch um die ganz fette Kohle. Geisterspiele ohne Zuschauer sollten als Lösung herhalten. Doch da das Virus dummerweise auch vor gut bezahlten und fitten Fußball-Profis keinen Halt macht, ist es längst auch auf den Plätzen angekommen. Scherze verbieten sich bei der aktuellen Lage eigentlich, doch dass das Virus ausgerechnet den nach langer Verletzungspause so furios zurückgekehrten Timo Hübers als ersten Fußball-Profi überhaupt erwischt hat, passt dann doch eher in das hannoversche Seuchenjahr 2019.

Schwere Verluste

Ob es beim Pausieren mit Verschiebung der ausgefallenen Spiele bleibt oder auch die Fußballsaison 2019/20 komplett abgebrochen wird, steht noch in den Sternen. Doch der Abbruch rückt näher und der gesunde Menschenverstand würde ihn wohl – wenn auch schmerzlich – verkraften können, schließlich sitzen wir alle im selben Boot und sind dazu angehalten, die Ausbreitung so gering wie halt irgendwie möglich zu halten. Doch der Fußball hat mit gesundem Menschenverstand schon lange nichts mehr zu tun, wirtschaftliche Interessen gehen in aller Regel vor. Die DFL bangt um einen dreistelligen Millionenbetrag, nach Informationen des SID soll sich die Verlust-Summe aus TV-Geldern, Sponsoring und Kartenverkauf auf 770 Millionen Euro belaufen. Irgendwie kaum vorstellbar, dass die Granden des deutschen Fußballs einen derartigen Verlust einfach so hinnehmen werden. Die europäischen Vereinswettbewerbe wurden verschoben, sollen wohl, wenn nicht anders möglich, im Sommer nachgeholt werden. Dafür soll die diesjährige Europameisterschaft in den Sommer 2021 verschoben werden, heute hieß es wiederum, dass die EM auch schon im Winter stattfinden könnte. Abbrechen beziehungsweise absagen will man diese Wettbewerbe aber nicht.

Unklar, wie es weitergeht

Leider, so muss man sagen, wiegen diese finanziellen Aspekte schwer. Einen FC Bayern München wird ein etwaiger Einnahmeverlust nicht gefährden, einen Verein wie beispielsweise den VfL Bochum hingegen könnte ein solcher in gehörige Schieflage versetzen. Hier werden DFB und DFL gefordert sein, wenn es zum Abbruch der diesjährigen Fußball-Saison kommen sollte. Ich kann es mir bei den genannten Summen nicht vorstellen, dass die DFL diesen Schritt gehen wird, doch noch vor wenigen Tagen machte ich Witze und wollte ein nicht wirklich gut schmeckendes Corona-Bier trinken. Mein Tipp: Die Lage wird sich entspannen, trotz diverser Abbruchpläne wird die Saison irgendwann zu Ende gespielt, und wir Fans von Hannover 96 werden uns fragen, warum uns jetzt schon höhere Mächte ausbremsen wollten, als wir gerade dabei waren, eine Siegesserie zu starten.

(Foto: Marcel Seniw)

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