Sebastian Albrecht
17. März 2020

Blick hinter die Mauer

Im Rahmen der „Filistina 2020“ war heute im Kommunalen Kino im Künstlerhaus die Aufführung der Animations-Doku „Wall“ geplant, die sehenswert ist

Leider ein Film-Abend im Konjunktiv: „Wall“ von Cam Christiansen entfällt wegen des Corona-Virus

2002 fand mit der „Filistina“ die erste Palästina-Woche in Hannover statt, die seit 2006 im zweijährigen Turnus veranstaltet wird. Sie wurde von der Palästina Initiative Region Hannover ins Leben gerufen, einer Organisation, die nach der EXPO 2000 als Zusammenschluss verschiedener anderer Organisationen und Einzelpersonen entstand. Zu ihren Zielsetzungen gehört neben der Förderung eines palästinensisch-israelischen Dialoges und der Unterstützung eines Selbstbestimmungsrechtes für Palästinenser auch, der deutschen Öffentlichkeit den Alltag und die Lebensbedingungen in den palästinensischen Gebieten – auch im Vergleich zu denen in Israel – näherzubringen und die unterschiedlichen Machtverhältnisse zwischen den Parteien zu verdeutlichen. Dafür bot die „Filistina“ auch dieses Jahr ein umfassendes Programm an Vorträgen, Diskussionen, Musik, Lesungen und Filmbeiträgen. Bot, da die inzwischen 9. „Filistina“ wie alle anderen Veranstaltungen in Hannover wegen des Corona-Virus vorzeitig abgebrochen werden musste.

Somit fällt auch die heutige Aufführung des Dokumentarfilms „Wall“ des kanadischen Regisseurs Cam Christiansen aus, die am frühen Abend im Kommunalen Kino im Künstlerhaus laufen sollte. Da es sich bei „Wall“ nicht nur um eine Dokumentation, sondern einen Animationsdokumentationsfilm handelt und er, wie der Titel verrät, die Mauer zwischen Palästina und Israel thematisiert, ist das gleich zweifach schade. Das Thema der Mauer, ob es nun die Chinesische ist, die von Trump zwischen den USA und Mexiko geplante, oder die Berliner Mauer, und vor allem die Geschichten dahinter sind eigentlich immer interessant. Geht es um Mauern, schwingt meist auch das Motiv der Abschottung mit. Mauern haben nicht den Zweck, zu verbinden – und das gilt auch für die israelischen Sperr-Anlangen, deren Bau 2002 begonnen wurden, zwischen Israel und dem Westjordanland verlaufen und insgesamt 759 Kilometer lang sind. Ziel war es, die Zahl der Selbstmordanschläge zu reduzieren, die vom Westjordanland ausgingen. „Wall“ folgt dem Drehbuchautor David Hare auf seiner Reise an der Grenze entlang und zeigt den Einfluss, den die Mauer und die damit verbundene Trennung haben.

Der Nahostkonflikt ist so langanhaltend wie komplex, ihm mit einem einzigen Film oder auch einer mehrtägigen Veranstaltung gänzlich gerecht zu werden, ist vermutlich schier unmöglich. Einen Eindruck zu vermitteln und bestimmte Aspekte zu beleuchten, hingegen nicht. Besonders die Thematik der trennenden Mauer wäre sicherlich spannend gewesen, da sie in verschiedenen Variationen in der Menschheitsgeschichte immer wieder auftaucht und als Lösung gepriesen wird. Doch löst eine Mauer überhaupt Probleme oder verschiebt sie sie nur beziehungsweise macht sie unsichtbar? Wer Cam Christiansens „Wall“ gerne sehen möchte, findet trotz der heutigen Absage entweder im Internet Möglichkeiten, den Film auf legalem Wege anzuschauen, oder bookmarkt ihn sich – vielleicht zeigt das Kommunale Kino im Künstlerhaus ihn ja noch einmal, wenn es wieder geöffnet wird.

Dienstag, 17. Februar 2020:
„Wall“, Dokumentarfilm von Cam Christiansen, CDN 2017, 82 min., Kommunales Kino im Künstlerhaus, Sophienstraße 2, 30159 Hannover

Die öffentliche Vorstellung fällt wegen des Corona-Virus leider aus.

(Foto: Pressefoto/Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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