Susanne Viktoria Haupt
2. April 2020

Deutschlands beliebtester Virologe

Er ist der Serge Gainsbourg der Virologie: Christian Drosten überzeugt mit seinem Podcast und zeigt, wie wichtig guter Wissenschaftsjournalismus ist

Heute heißt es: Kopfhörer auf und Podcast an

Die sozialen Medien spielen unfassbar gerne mit Verschwörungstheorien und das ist in der aktuellen Krise um das Corona-Virus natürlich auch nicht anders. Ich habe beispielsweise schon gelesen, dass die Bundesregierung den Virus absichtlich auf die Menschen „losgelassen“ hat, um den Mittelstand und den Kulturbetrieb zu zerstören. Dann gibt es natürlich auch die Theorien, die besagen, dass das Corona-Virus aus einem chinesischen Labor kommt und eigentlich eine Geheimwaffe sei. Dann gibt es natürlich auch jene Theorie, dass der Virus eigentlich nichts weiter als eine profane Grippe sei, die Todeszahlen gefaked wären – und das alles nur, um endlich mal im demokratischen Rahmen die Freiheit „zu beschneiden“. Die großen Medien haben sich zwar nicht auf solche Verschwörungen gestürzt, aber zu Beginn der Krise bekam man auch nicht die Idee, gut informiert zu werden, sondern leicht das Gefühl, dass die wichtigste Frage jene war, ob nun weiter Bundesligaspiele stattfinden können oder eben nicht.

Zwischen all diesem Desaster hörte man aber immer wieder eine beruhigende Stimme der Vernunft, die uns unaufhörlich mit Fakten füttert. Diese Stimme gehört zu Christian Drosten, dem Leiter der Virologie der Charité Berlin, der offensichtlich so wenig von seinen Titeln hält, dass er das Prof. Dr. einfach weglässt. Titel, auf die sich die meisten anderen Träger*innen wahnsinnig viel einbilden. Und auch sonst agiert der gebürtige Niedersachse nicht wie die meisten Wissenschaftler. 2003 entwickelte er den Test für das damals neuartige SARS-CoV. Seine Erkenntnisse teilte er damals umgehend weltweit, damit auch andere Virolog*innen die Möglichkeit zur Herstellung und Weiterentwicklung bekommen. Im Rahmen der Corona-Pandemie konnte er bereits im Januar diesen Jahres jenen Test entwickeln, der nun weltweit eingesetzt wird. Und auch hier stellte er das Wissen von seinem Team der gesamten Gemeinschaft von Wissenschaftler*innen zur Verfügung. Seitdem arbeitet Drosten weiter unermüdlich mit seinem Team an der Charité Berlin mit dem neuartigen Virus. Und jede neue Information wird weiterhin geteilt.

Durch seine Errungenschaften und seine Fachkenntnisse stand er sehr schnell an der Seite von beispielsweise Gesundheitsminister Jens Spahn, wenn in Pressekonferenzen die Entwicklungen hinsichtlich der Forschung auf den Punkt gebracht werden sollten. Drosten tut dabei das, was er am besten kann: Er teil sein Wissen unermüdlich, klärt auf, sensibilisiert und verpackt es so, dass nahezu jede und jeder es verstehen kann. Auf Grund der zum Teil kuriosen Berichterstattung in den Medien entschied er sich in Kooperation mit dem NDR, einen eigenen Podcast auf die Beine zu stellen. Seit dem 26. Februar erläutert Drosten daher täglich von Montag bis Freitag alle neuen Entwicklungen und klärt darüber auf, was gerade Sinn ergibt und was nicht. Zum Beispiel darüber, ob man gerade noch bedenkenlos einkaufen gehen kann und warum die Absage von Großveranstaltungen richtig ist. Und auch, warum eigentlich jedes Virus mit der Zeit mutiert und weswegen man deswegen nicht unbedingt in Panik geraten muss. Drosten betreibt auf diese Art und Weise einen Wissenschaftsjournalismus, der so in Deutschland leider noch nicht existiert hat. So kann Drosten auch auf die Momente reagieren, in denen seine Aussagen von Journalist*innen aus dem Zusammenhang gerissen werden.

Der Podcast von Christian Drosten ist derzeit wahrscheinlich die beste Informationsquelle, wenn es um Basis-Informationen zum Virus geht. Mit ruhiger, aber dennoch starker Stimme macht er das, was eigentlich ein guter Wissenschaftsjournalist tun sollte. Mit klaren Fakten unermüdlich aufklären und sich dabei nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Und nebenbei wirkt Drosten auch noch so sympathisch, dass er schnell im Netz den Spitznamen „Der Serge Gainsbourg der Virologie“ bekam. Daher unser Tipp des Tages: Verzichtet auf Halbwahrheiten und Verschwörungstheorien und hört euch den NDR-Podcast mit Christian Drosten an.

Donnerstag, 2. April 2020:
Coronavirus-Update: Virologe Christian Drosten informiert in seinem NDR-Podcast

(Foto: Susanne Viktoria Haupt)

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Kategorien: Medien, Politik, Tagestipps

Ein Kommentar

  1. Ulrike Sommer sagt:

    Sehr gut geschrieben 👏👏
    Da bin ich ganz deiner Meinung.
    Viele Andere sehen es auch so.

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