Sebastian Albrecht
19. Juli 2010

Mit der Mafia im Krankenhaus

Seitenansicht: „Schneller als der Tod“ von Josh Bazell

Buchcover Bazell

Josh Bazell: „Schneller als der Tod“, Kriminalroman, 300 Seiten, Fischer, ISBN-13: 978-3100039125, 18,95 Euro

„Nicht schon wieder ein Roman über die Mafia“, könnte man denken. Nachdem das Thema über Jahrzehnte hinweg in Literatur und Film bis auf den Grund eines mitternächtlichen Hafenbeckens ausgelutscht wurde, fügt zwar auch Josh Bazell mit seinem Debütroman „Schneller als der Tod“ dem arg strapazierten Genre Mafia nichts spektakulär Neues hinzu, bereichert es aber trotzdem mit einer spannenden Mischung aus Wahnsinn und trockenem Humor – und schafft es so, das Genre künstlerisch am Leben zu erhalten.

Das Ergebnis ist eine coole, kompromisslose Story, in der Dr. Brown, ein ehemaliger Mafia-Killer, mit neuer Identität als Arzt in einer New Yorker Klinik arbeitet, die nicht weniger irrsinnig ist als Big Apple selbst. Zwischen überfordertem Pflegepersonal und inkompetenten Ärzten führt Brown uns durch die pure Idiotie des Krankenhauses und muss nicht nur um die Leben seiner Patienten, sondern auch um sein eigenes fürchten, als ein alter Mafioso mit Krebs eingeliefert wird und droht, ihn zu verpfeifen, falls er ihm nicht helfen kann. Mit „Schneller als der Tod“ ist Josh Bazell ein spannender, aber auch brutaler Debütroman gelungen, der sich flott liest und auf jeden Fall Unterhaltung verspricht. Durchaus lesenswert.

„Seitenansicht – die Kritik zum Einstecken“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius, wo sie als Postkarte erhältlich ist.

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Kategorien: Literatur

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