Cosma Jo Gagelmann
10. April 2020

Schaltet ein!

Auch das Kulturzentrum Faust ist seit einigen Wochen dicht. Heute startet Faust-TV, das es nun jeden Freitag von 19 bis 22 Uhr zu sehen gibt

Faust TV - Logo

Das Kulturzentrum Faust ruft coronabedingt ein neues Format ins Leben: Faust-TV

Seit einigen Wochen ist das Kulturzentrum Faust für Besucher*innen komplett geschlossen und wird dies auch noch länger bleiben, solange nicht plötzlich ein Corona-Impfstoff gefunden wird und der normale Alltag wieder einkehrt. Keine Veranstaltungen, keine Partys, keine Konzerte, keine Lesungen, keine Poetry Slams und auch das hauseigene Café hat geschlossen. Die Mitarbeiter*innen und Mithelfenden, genau wie ich, mussten zwangsweise ins Home-Office umziehen. „Tja, was jetzt?“, haben sich alle gefragt. Für die ganzen Künstler*innen und Veranstalter*innen ist dies eine sehr schwierige Zeit. Aber irgendwas muss man doch tun können, oder? Faust wäre schließlich nicht Faust, wenn jetzt keine kreative Idee entstehen würde, um auch in Corona-Zeiten Kultur zu vermitteln und unter die Menschen zu bringen, um diesen zu helfen und somit ein Lichtblick in dieser schwierigen Zeit zu sein. Schließlich ist ein Leben ohne Kultur zwar möglich, aber sehr langweilig – und für manche ist Kultur sogar ein echtes lebensnotwendiges Bedürfnis.

Für die Faust-Mitarbeiter*innen sowie alle helfenden Händen ist die Hauptsache, dass es weitergeht. Seit ein paar Wochen wurde an der neuen Idee gearbeitet. Dafür traf man sich, oft per Video-Konferenz, plante und organisierte alle Arbeitsabläufe um. Nun passierte in den letzten Tagen besonders in der 60er-Jahre-Halle auf dem Faust-Gelände, in der normalerweise Bands gastieren oder Partys stattfinden, sehr viel. Die Halle wurde in ein großes Fernseh-Studio verwandelt. Die Größe der Halle ist natürlich super für das Vorhaben, weil alle Corona-Regeln eingehalten werden können: einen Abstand von 1,5 Metern zueinander halten, verschiedene Gruppen arbeiten zu verschiedenen Zeiten und auch alle Hygiene-Standards können eingehalten werden.

Faust-TV - Studiobild

Paula Merx und Cosimo Orth, die bei Faust arbeiten, unterhalten sich über das neue Format

Woraus Faust-TV besteht? Aus vielen bunten Requisiten, interessanten Gesprächen mit bekannten Menschen und vor allem aus Kultur in allen Formen. Eingeladene Künstler*innen haben hier die Chance, sich im Live-Stream zu präsentieren. Und man kann sogar noch selbst aktiv werden, denn es gibt DJs, die Musik für das Tanzen in den eigenen vier Wänden liefern. Obendrein ist Faust-TV ein Format, bei dem auch die Betroffenen der Corona-Krise zu Wort kommen. Sie erzählen von ihren eigenen Problemen, aber informieren auch über Hilfsangebote. Gerade auf dem Faust-Gelände gibt es viele Vereine, die nun alle erstmal schließen mussten. Denn auch die Freiberufler*innen, die studentischen Hilfskräfte und die Auszubildenen der Faust sind betroffen und können nun von ihrer jetzigen Situation berichten. Das Corona-Virus betrifft uns schließlich alle und so ist es vielleicht auch tröstlich, zu sehen, dass wir damit nicht alleine sind und Besucher*innen und Veranstalter*innen gleichermaßen den normalen Kultur-Betrieb vermissen.

Heute ist die Premiere von Faust-TV und in den kommenden Wochen gibt es nun jeden Freitag ein buntes Programm. Zu Gast heute sind der hannoversche HipHop-Künstler Yunus, der erst im Januar im Mephisto im Rahmen seiner Tour ein Konzert gab. DJ Selendi und DJ Haywan vom House und Techno-Kollektiv Oeuvre wollen mit einem DJ-Live-Set die Zuschauer*innen zum Tanzen bringen. Der Lindener Autor Kersten Flenter spricht via Video-Übertragung über die Notwendigkeit des Engagements gegen Rassismus. Und Dimitrij Czepurnyi von der Redaktion Welt in Hannover berichtet über das neue Projekt „Corona Hilfe Hannover“. Die Performance-Künstlerin Ilka Theurich und Juana Steberl von der Flüchtlingsberatung Kargah. e.V. erzählen vom eingefrorenen Vereinsleben und ihrem neuen Alltag. Paula Merx, eine Auszubildene bei Faust, berichtet von der jetzigen Situation. Poetry Slammer Tobias Kunze ist als Moderator mit dabei, genau wie Jörg Smotlacha, der Pressesprecher der Faust. Und selbstverständlich meldet sich auch noch Geschäftsführer Hans-Michael Krüger zu Wort.

Freitag, 10. April 2020:
Faust-TV, 19 bis 22 Uhr, ab heute jeden Freitag auf der Website des Kulturzentrums Faust

(Fotos: Pressefotos/Kulturzentrum Faust)

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Kategorien: Bühne, Medien, Tagestipps

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