Sebastian Albrecht
13. April 2020

Online im Museum

Auch auf Museumsbesuche muss momentan verzichtet werden. Deswegen stellen viele Einrichtungen ihre Sammlungen online aus, so auch das Sprengel Museum

Von den etwa 50.000 Exponaten und Archivalien aus der Sammlung des Sprengel Museums können inzwischen über 15.000 auch digital betrachtet werden, wie etwa „Merzz. 101. Dorf“ (1920) von Kurt Schwitters

Wem über Ostern Verwandtschaftsbesuch und Ostereier-Suche im Garten oder Wohnung zu anstrengend fand, das Wetter zu ungemütlich oder zu kalt für einen Park-Besuch oder eine Fahrrad-Tour war, konnte bisher wunderbar aufs Museum ausweichen. Dieses Jahr, das dürfte inzwischen jeder mitbekommen haben, ist alles anders. Zwar sind, abhängig vom Bundesland, weder Besuche der Verwandten noch Ausflüge zu Ostern zwangsläufig verboten, doch die große Familienzusammenkunft ist durch das Corona-Virus momentan nicht möglich. Ebenso der Museumsbesuch. Doch die lange Phase des Lockdowns ist nicht nur finanziell eine Herausforderung für Künstlerinnen und Künstler und Kultureinrichtungen, denn Kunstwerke wollen in der Regel wahrgenommen werden, ob Buch, Film, Sonate, Skulptur oder Siebdruck. Wann das wieder der Fall sein wird? Ende April? Ende Mai? Im Sommer? Oder noch später? Das ist weiterhin Spekulation. Solange setzen Ausstellungs- und Archiv-Stücke in den Museen nun langsam Staub an, im übertragenen Sinne jedenfalls. Und so sind auch die Museen dabei, Alternativen zu entwickeln und die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, um den Gang ins Museum doch irgendwie zu realisieren.

Was bei Musik, Film und Literatur funktioniert, sollte doch auch bei Bildender Kunst funktionieren? Jein. Denn auch bei den drei erstgenannten Kunst-Gattungen funktioniert das nicht immer eins zu eins, etwa beim Konzert-Erlebnis. Und beim virtuellen Museumsgang? Der innere Purist hat hier eine klare Meinung: Nein, natürlich nicht: Gemälde, Skulpturen, Installationen und all das muss man im Original erfahren! Die Aura! Wie soll die auf dem Bildschirm denn reproduziert werden, Herrschaftszeiten?! Auf der anderen Seite – hier meldet sich der Kunst-Banause zu Wort –, was hat es noch mit Aura zu tun, sich vor einem französischen Museum Stunden die Beine in den Bauch zu stehen, um danach in einer riesigen Menschenmenge kurz aus größerer Entfernung auf ein berühmtes Bild in Briefmarkengröße zu stieren, noch schnell ein Beweis-Selfie zu schießen und dann zum nächsten Werk zu hetzen? Dann doch lieber der Blick in einen hochwertigen Kunstband. Oder eben ins Internet. Sicher, den Museumsbesuch ersetzt die digitale Sammlung nicht, denn auch vor Corona ließen sich die zahlreiche Werke auch im Internet finden. Dennoch beweisen die digitalen Sammlungen der Museen in der gegenwärtigen Zeit einen eindeutigen Mehrwert.

Auch das Sprengel Museum Hannover ist mit seiner Sammlung im Internet zu finden. Immerhin über 15.000 der insgesamt etwa 50.000 Exponate und Archivalien des Sprengel Museums können digital betrachtet werden. Die Sammlung wird kontinuierlich erweitert. Eine umfangreiche Suche hilft bei der Orientierung: Wer eine bestimmte Künstlerin oder einen bestimmten Künstler sucht, findet ebenso schnell das, was er sucht, wie jemand, der sich lieber mit einer bestimmten Epoche beschäftigen möchte, oder jemand, der sich beispielsweise für Fotografie, aber nicht für Skulpturen interessiert. Außerdem gibt es zu den Werken Basis-Daten und häufig auch einordnende Texte und/oder wissenschaftliche Hinweise. Wer sich also nicht nur Kunstwerke anschauen, sondern auch mehr darüber erfahren möchte, ist im Online-Angebot genau richtig. Einen Überblick über die Sammlung verschafft sich aber jeder kunstinteressierte Mensch selbst, denn besonders Lohnenswertes aus dem umfassenden Angebot herauszufiltern, ist fast unmöglich. Denn um all die interessanten Werke angemessenen zu würdigen, reicht auch der ganze Ostermontag nicht aus. Wer es nicht erwarten kann, endlich wieder auch analog ins Sprengel Museum zu kommen, kann sich seine favorisierten Werke übrigens auch in einer Merkliste aufnehmen und so seine eigene kleine Museumsführung zusammenstellen.

Montag, 13. April 2020:
Online-Besuch im Sprengel Museum, über 15.000 Werke sind auf der Homepage des Museums zu finden, Eintritt frei

(Foto: Michael Herling/Aline Gwose, Sprengel Museum Hannover)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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