Jörg Smotlacha
22. April 2020

Von Isolation und Einsamkeit

Im BasTalk, dem neuen digitalen Format des Lodderbast-Kinos, steht heute eine Debatte zu Steve McQueens Film „Shame“ auf dem Programm

"Shame", Filmplakat

Kühle Bilder, manisch und verschlossen: „Shame“ von Steve McQueen

Der alleinlebende Brandon (Michael Fassbender) ist Mitte 30 und hat ein gutes Standing in seinem Job in der Werbebranche, doch er ist schwer sexsüchtig, trifft sich unentwegt mit Prostituierten und kann sogar an seinem Arbeitsplatz nicht davon lassen, Pornos anzuschauen. Gleichzeitig aber hat er eine Riesenangst, Menschen in sein Leben zu lassen und Intimität zu gewähren.

Als sich seine jüngre, labile Schwester Sissy (Carey Mulligan) meldet, gerät bei Brandon alles in die Schieflage. Er lässt Sissy einige Tage in seinem Appartement auf dem Sofa übernachten, unter der Bedingung, dass sie sich nicht in sein Leben einmischt – wohl wissend, dass beide mehr verbindet, als Brandon zugeben möchte. Doch dann interpretiert die bisher gescheiterte Sängerin Frank-Sinatras „New York, New York“ in einem Nachtclub auf eine so traurige Weise, dass Brandon die Tränen kommen. Anschließend verbringt sie mit Brandons Chef David (James Badge Dale) eine Nacht. Brandon ist verärgert und lässt sich auf ein Techtelmechtel mit seiner Arbeitskollegin Marianne (Nicole Beharie) ein. Vollends aus den Fugen gerät Brandons Leben, als Sissy ihn beim Masturbieren überrascht und Cybersex-Kontakte auf seinem Laptop findet. Während Brandon sich nun in einen wilden Exzess stürzt, sieht Sissy keinen Ausweg mehr und schneidet sich die Pulsadern auf…

Der britische Regisseur Steve McQueen, der zunächst als Künstler unterwegs war und in Deutschland durch seine Teilnahme an der documenta X und der dokumenta 11 bekannt wurde, erhielt 2013 bereits für seinen dritten Spielfilm „12 Years A Slave“ den Oscar für den besten Film, 2018 folgte das ausschließlich mit weiblichen Hauptrollen besetzte Heist-Movie „Widows“. Doch auch seine ersten beiden Filme „Hunger“ und „Shame“ sorgten schon für Furore. Für „Hunger“ gab es die „Caméra d’Or“ und für „Shame“ wurde McQueen zu den 68. Internationalen Filmfestspielen von Venedig eingeladen.

Gelegenheit, „Shame“ neu zu entdecken oder noch einmal zu sehen, gibt es heute – zumindest digital. Während der Film zurzeit auf Netflix zu sehen ist, überbrückt das flauschige Wohnzimmer-Kino Lodderbast die veranstaltungslose Zeit gerade durch das neue Format BasTalk, über das meine Kollegin Susanne Haupt an dieser Stelle bereits berichtet hat. Um 22 Uhr ist hier Silvia Bahl zu Gast, die Jury-Mitglied bei der Berlinale und in Cannes war und für Filmmagazine schreibt und mit dem Lodderbast-Team über kalte Bilder und Steve McQueens Film „Shame“ sprechen wird.

Mittwoch, 22. April 2020:
„Shame“, Filmdrama von Steve McQueen, USA 2011, 100 min., mit anschließendem BasTalk mit Silvia Bahl, BasTalk-Beginn: 22 Uhr, Eintritt frei

Website zum BasTalk: bastalk.de

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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