Susanne Viktoria Haupt
24. April 2020

Liebe für die Lichtspielhäuser

Ein Kino-Besuch ist derzeit nicht möglich, aber dennoch könnt ihr Euer Lieblingskino unterstützen

Das Apollo-Kino existiert bereits seit 1908 und zeigte in seiner Anfangszeit Stummfilme, die live am Klavier begleitet wurden

Der französisch-schweizerische Regisseur Jean-Luc Godard verfasste für seinen 1960 erschienenen Film „Der kleine Soldat“ folgende Zeilen: „Photographie, das ist die Wahrheit. Und der Film ist die Wahrheit 24 mal in der Sekunde.“ 1895 wurden in New York die ersten Filme vor zahlendem Publikum gezeigt. Die Kuriosität der bewegten Bilder sollte schnell ihren eigenartigen Charakter verlieren und kurz nach der Jahrhundertwende zur beliebten Unterhaltungsform werden. Die kleinen Vorführräume mauserten sich zu Lichtspielhäusern, in denen die Filme mit Pantomime-Vorstellungen eröffnet und von einem Kino-Orchester begleitet wurden. Eines der berühmtesten Kinos war das Roxy Theatre in New York, das um 1925 eröffnet wurde und über 5.000 Sitzplätze umfasste. Durch den direkten Zusammenhang mit dem Medium Film unterlag das Kino auch immer wieder der Kritik. Walter Benjamin, der mit seinem Essay „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ die Fotografie und auch den Film kritisch beäugte, sah im Charakter des Films vor allen die Aura der Kunst bedroht. Die Reproduktion, so Benjamin, sei ein grundlegender Bestandteil des Mediums. Der kanadische Medienwissenschaftler Marshall McLuhan kategorisierte den Film als sogenanntes „heißes Medium“, was bedeutet, dass das Medium eine besonders hohe Informationsdichte aufweist und daher nur wenig von der Zuschauerschaft ergänzt werden muss. Es erfordert weniger Beteiligung als beispielsweise die Nutzung des Telefons. Kritik von Seiten der Wissenschaften ist der Film, und somit auch das Kino als sein Darstellungsraum aber durchaus gewohnt.

In den vergangenen Jahren ist nicht nur die Film-Branche immer wieder in die Kritik geraten, zum Beispiel durch die fürchterlichen Taten von Harvey Weinstein, und auch das Kino war keinesfalls sicher vor Krisen. Während der stationäre Buchhandel vom Internet-Riesen Amazon bedroht ist, wird das Kino von Netflix, Amazon Prime, Sky und nun auch Disney+ bedroht. Alle vier Anbieter produzieren eigene Filme, die zum Teil von herausragender Qualität sind, aber eben nicht im Kino gezeigt werden. Zudem ist der Abstand zwischen den Kinovorführungen und der Verfügbarkeit von Blockbustern zum Leihen deutlich verkürzt worden. Momentan steht das Kino allerdings vor einer ganz anderen Herausforderung, die eine neue Tragweite mit sich bringt. Kinos sind geschlossen und niemand weiß, wann sie wieder öffnen können. Niemand weiß, ob geplante Film-Premieren nach hinten verschoben werden oder aber einfach direkt zu den großen Streaming-Diensten wandern werden. Welches Loch an dieser Stelle in die Film-Industrie gerissen wird, ist unklar. Aber dass vor allem kleine Kinos, wie die Filmkunst-Kinos in Hannover, erheblich darunter leiden, ist klar.

Auch, wenn wir derzeit nur wenig tun können, um die attraktive Kino-Landschaft unserer Stadt zu erhalten, sind uns nicht vollständig die Hände gebunden. Das Lodderbast ruft beispielsweise im Rahmen seines BasTalks bei speziellen Online-Vorführungen zu Spenden auf. Und genauso ist auch der Erwerb von Kino-Gutscheinen möglich. Ebenso bei den anderen Kinos: Für das Kino am Raschplatz gibt es eine einfache Online-Lösung, für die Hochhaus-Lichtspiele besteht ebenfalls eine Gutschein-Option und für das Kino im Künstlerhaus und das Apollo-Kino lohnt es sich, einfach direkt nach der Möglichkeit eines Gutscheinkaufs zu fragen. In jedem Falle unterstützt Ihr so nicht nur aktiv die Kinos, sondern setzt auch ein kleines Zeichen der Hoffnung auf eine bessere Zeit. Wer schon einen Gutschein gekauft hat, aber dennoch mehr machen möchte, kann aber auch einfach mal die Seite hilfdeinemkino.de besuchen. Dort könnt Ihr einfach euer Lieblingskino auswählen und entweder direkt spenden oder aber für ein paar Minuten klassische Kino-Werbung anschauen, deren Einnahmen dann anteilig dem ausgewählten Kino zu Gute kommen. Damit wir es uns auch nach Corona wieder in gemütlichen roten Kinosesseln bequem machen können.

Freitag, 24. April 2020:
Unterstütze Dein Kino!

(Foto: Susanne Viktoria Haupt)

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Kategorien: Film, Lokalitäten, Tagestipps

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