Cosma Jo Gagelmann
16. Mai 2020

Fotos fangen alle Zeiten ein

In den Jahren 1980 bis 1995 passierte gesellschaftspolitisch viel in Deutschland. Ann-Christine Jansson hat dies eingefangen – ihre Ausstellung ist nun in der Eisfabrik zu sehen

Picknick an der Mauer 1986

„Picknick an der Mauer 1986“, von Ann-Christine Jansson: Das Bild erinnert vage an die geschlossenen Grenzen Deutschlands in der jetzigen Corona-Krise

Fotos sind schon lange perfekt dafür geeignet, besondere Momente einzufangen. Heutzutage machen wir zwar übertriebenermaßen auch von jedem Mittagessen ein Foto, aber trotzdem sind und bleiben Fotos für uns einzigartige Erinnerungsstücke, egal ob an schöne oder schlechte Zeiten. Sie halten Lebensabschnitte fest, die wir selbst nicht erlebt haben oder an die wir keine Erinnerung haben, da wir zu jung waren. Wir sehen unsere Eltern in jungen Jahren, uns als Baby und fragen uns nicht selten, warum uns unsere Eltern so komisch angezogen haben. Fotos halten ein Stück Geschichte fest. Bestimmte Fotos kennt die ganze Welt, da sie ein besonderes Ereignis zeigen, welches die ganze Welt bewegt hat oder auch heute noch betrifft. Außerdem bringen sie uns zum Lachen, Weinen oder auch Hoffen.

Die Fotografin Ann-Christine Jansson hat in den Jahren von 1980 bis 1995 viele Fotos gemacht, die teilweise große Ereignisse oder auch nur kleine, scheinbar unbedeutende Details dieser Zeit zeigen. Von der DDR bis zur Wiedervereinigung und bis zu den ersten Jahren danach. Die Schwedin lebte in diesen Jahren in Berlin, also direkt vor Ort. Ihr offener Blick für die damaligen Geschehnisse findet sich in den Fotos wieder. Besonders die Gesichter der fotografierten Menschen prägen einen großer Teil der Ausstellung. Von Freude über Hoffnungslosigkeit bis hin zu Trauer – diese Gefühle fing die Fotografin auf eine außergewöhnliche Weise in den menschlichen Gesichtern ein.

Vor allem von der damaligen Opposition in der DDR sind viele Aufnahmen zu begutachten. Diese Menschen haben die Gesellschaft komplett umgekrempelt und den Umbruch in der DDR mit der darauffolgenden Wiedervereinigung mitgestaltet. Jansson besuchte für ihre Fotos auch die Grenze zwischen West- und Ost-Berlin. So sah sie viele Zusammenkünfte und Demonstrationen der Opposition der DDR, sprach mit den einzelnen Oppositionellen und gab ihnen ein Gesicht. Die Fotografin hielt so viele verschiedene Momente fest und war immer hautnah dabei. Damals veröffentlichte sie ihre Fotos in der Zeitung „extra“, ohne ihren Namen, damit sie weiterhin zwischen BRD und DDR hin und her reisen konnte – so war ihre Arbeit nicht eingeschränkt. Diese Art von Reisefreiheit war nicht jedem gegeben, doch genau deswegen konnte Jansson alle Facetten der damaligen Zeit festhalten.

Letztes Jahr feierte Deutschland „30 Jahre Mauerfall“. Und nach wie vor ist es wichtig, die deutsche Geschichte im Gedächtnis zu behalten, damit auch unsere Gegenwart vor falschen politischen Einflüssen geschützt ist. Die Ausstellung in der Eisfabrik gibt insbesondere jungen Menschen die Gelegenheit, einen oder mehrere Blicke auf die Vergangenheit zu werfen und etwas aus den Fotos mitzunehmen. Die Fotos zeigen, dass man als Gesellschaft zusammenhalten muss, damit man Krisen überstehen kann. Wenn wir ähnlich agieren wie die Menschen damals, kommen wir auch gut aus der Corona-Krise raus.

Samstag, 16. Mai 2020:
„Umbrüche: Fotografien 1980-1995“, Galerie für Fotografie, Eisfabrik, Seilerstraße 15d, 30171 Hannover, geöffnet von 12 bis 18 Uhr, Eintritt frei

  • Die Ausstellung läuft noch bis zum 14. Juni 2020
  • Öffnungszeiten: Do bis So von 12 bis 18 Uhr
  • Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Eisfabrik/Ann-Christine Jansson)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

Ein Kommentar

  1. Beyza sagt:

    Sehr schön👏🏽

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