Roman Kansy
25. Mai 2020

Endlich Zeit für gute Filme

Das koranische Meisterwerk „Parasite“ ist einer der spannendsten Filme der vergangenen Jahre

Unheimlich, komisch, erschreckend und bizarr: Bong Joon-hos Film „Parasite“ sprengt die Genre-Grenzen

Mit dem Covid-19-Ausbruch ist die Welt eine langsamere geworden. Nach Jahrzehnten kapitalistischer Effizienz-Logik hat der ein oder andere endlich etwas mehr Zeit für Dinge zur Verfügung, die sonst links liegen blieben. Zeit, die man beispielsweise guten Gewissens dafür nutzen kann, Filme zu schauen, die etwas mehr Aufmerksamkeit benötigen. Denn seien wir mal ehrlich, trotz aller Diversity- und Geschlechtergleichheits-Bestrebungen hat das sich ewig selbstbeweihräuchernde Hollywood mittlerweile eine dicke Staubschicht angesetzt und verbreitet einen latenten Muff nach Mottenkugeln. In den vergangenen Jahren kam nicht mehr viel Neues oder gar Brauchbares heraus bei der allzusehr mit der eigenen Industrie verwobenen Oscar-Verleihung. Jedes Jahr dieselbe Leier, dieselben Gesichter, von denen ein paar immer oben stehen dürfen, und wenn nicht, dann von unten applaudieren müssen. Während man aus den USA vermehrt nur noch seelenlose CGI-Werke zu erwarten hatte, die nun wirklich keiner Aufmerksamkeit bedürfen, hat sich in Asien, vor allem in Südkorea in den letzten 15 Jahren ein kleines Idyll des guten Kinos entwickelt. Das koreanische Kino wuchs lange verborgen vor den Augen des westlichen Mainstreams heran, bis es in diesem erfolgreich Einzug fand.

Und so wundert es nicht, dass „Parasite“ vom südkoreanischen Regisseur Bong Joon-ho insgesamt vier völlig verdiente Oscars abräumte. Unter anderem für den besten Film des Jahres – und das als erste fremdsprachige Produktion in der Geschichte der Oscar-Verleihung überhaupt. Zu recht, wie man sagen muss, denn „Parasite“ ist das, was dem westlichen Kino zuletzt fehlte. Ein kluger, vielschichtiger Film, der sich abseits allzu plattgetretener Pfade bewegt. Mit Leichtigkeit stellte das Werk Boon Joon-hos vielgelobte Filme der jüngsten Zeit wie „Joker“ oder Tarantinos „Once Opon A Time In Hollywood“ in den Schatten. Es dominiert eine symbolschwangere Bildsprache, intensive Szenenbilder und ein großer Detailreichtum, der sich auch beim dritten Schauen lange nicht erschöpft. Außerdem ist es eine Wonne zu sehen, wie Bong Joon-ho immer wieder alltägliche Gegenstände mit Kardinalfunktionen versehen hat.

„Parasite“ ist eine düstere Gesellschaftssatire, die an die Grenzen des Humors geht. Hauptprotagonist des Films ist Kim Ki-woo (Choi Woo-shik), der Sohn einer armen vierköpfigen Familie, der sich die Stelle eines Privatlehrers in einer Familie der südkoreanischen Oberschicht erschleicht und nach und nach durch findiges intrigantes Handeln seiner ganze Familie Stellen in der reichen Familie verschafft. Bald ist die ganze Familie Kim zu unverzichtbaren Hausangestellten für ihre Herrschaften aufgestiegen. Bis es zu einem unerwarteten Zwischenfall kommt, der nicht nur das Setting des Films ändert, sondern auch eine Kette an Ereignissen nach sich zieht, die so unvorhersehbar wie unfassbar sind…

„Parasite“ läuft passend für diese Zeit zu Hause bei Amazon Prime, Sky, iTunes und Google Play. Ansonsten lässt sich der Film aber auch ganz traditionell auf BluRay oder der guten alten DVD erstehen. Viel Spaß!

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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