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Heilige Kreativität

von Janine Klemmt      Dienstag, 27. Juli 2010

Sie kommen aus Hannover und erobern die Herzen im Sturm. Am nächsten Sonntag spielen Kadosh beim Fährmannsfest. Ein Portrait

Kadosh

Authentisch und rockig: Kadosh

“Wenn die Wellen gegen die Brandung schlagen, rufen die Engel: Kadosh, Kadosh, Kadosh!” Dieser Satz war es, der Kadosh zum Namen verhalf. Sängerin Simi hatte ihn auf einer “Engelskarte” entdeckt und sogleich für sich und die Band beansprucht. Der Wortklang überzeugte. Kadosh ist hebräisch und bedeutet “heilig”. “Am liebsten hätte ich uns ‘Gott’ genannt”, sagt die sympathische Sängerin mit einem Augenzwinkern. “Aber das gab’s schon.”

Seit gut drei Jahren musizieren Kadosh nun miteinander – was hält die Band zusammen? “Uns allen ist gemein, dass wir total verschieden sind”, sagt Schmuh, der Keyboarder der Band. Jeder von ihnen kommt aus einer anderen musikalischen Richtung, jeder ist musikalisch noch anderweitig tätig. Auf die Frage, was die Fünf tun, wenn sie nicht gerade mit Kadosh Musik machen, heißt es da natürlich: Musik machen! “Wir alle sind noch in anderen Projekten.” Bassist Eric beispielsweise spielt bei der Fusion-Jazz-Bossa-Nova-Union FossaJar. Simi ist bei der Live-Electronic-Band Open Synth aktiv. Schlagzeuger Flo absolviert zurzeit ein musikalisches Studium und spielt außerdem in der Heavy-Rock-Band Nikki Puppet. Jüngster Kadosh-Neuzuwachs ist Kemper, der Gitarrist. Er spielt sonst bei der Latin-Big-Band Labiba. Und Schmuh spielt solo balladigen Jazz. Unwahrscheinlich bei so vielen unterschiedlichen Einflüssen, dass die musikalische Kreativität mal stagniert oder die Musikmuse Kadosh das Küssen jemals verweigern wird.

Kadosh

Wollen ihre Live-Qualitäten auf dem Fährmannsfest unter Beweis stellen: Kadosh

Jeder Song hat eine eigene Geschichte

“Boomerang”, “Crazy” und “Marvel” sind einige der Titel, die bei den Gigs von Kadosh zu hören sind und sich auch auf dem Album “Blue Magic Light” finden. Emotionale, eingängige Songs. Das Zusammenspiel aus Melodik, rockig-starker und dabei authentisch-emotionaler Stimme und pointierten Instrumentals packt einen sofort. Die Akzentuierungen machen die Songs tanzbar. Und jedes Stück hat seine eigene Geschichte. “Marvel” beispielsweise ist der einzige Song, den alle gemeinsam getextet haben. Entstanden ist eine funkige Westernstory - der Song beinhaltet mehr Funk-Einflüsse als alle anderen Lieder von Kadosh. Vom Ohr zum Kopf ins Bein, das ist der typische Weg, den auch Pop-Songs gerne beschreiten. Kadosh ist mit Pop aber nicht mal ansatzweise zu vergleichen. Dafür sorgt neben der Musik auch die stets mitschwingende Authentizität. “Ich sorge immer für viel Chaos in meinem Privatleben, damit ich was zum Schreiben habe”, sagt Simi dazu lächelnd.

Veränderung tut gut

Ihren ersten Live-Auftritt hatte die Lindener Band ganz passend in der Glocksee, auch wenn die Glocksee streng genommen ja nicht mehr zu Linden gehört, da sie leider auf der falschen Seite der Ihme steht, aber über diese paar Meter sehen wir in dem Fall einfach mal hinweg… Der Auftritt war ein voller Erfolg. “Die Glocksee war randvoll und dem Publikum hat unsere Musik auf Anhieb sehr gut gefallen”, berichtet die Band. Kadosh ist eben eine dieser Bands, die sich nicht nur auf dem Tonträger gut anhören. Hört man heute einen Kadosh-Song, kann man sich kaum vorstellen, dass ihre Lieder noch vor nicht allzu langer Zeit ganz anders geklungen haben. “Die Strukturen unserer Songs waren früher sehr kompliziert aufgebaut. Außerdem war die Stimmung ziemlich düster.” Die neue Mischung aus emotionaler Tiefgründigkeit und positiver Stimmung steht Kadosh jedoch gut. Mal sehen, wo die Reise hingeht. So viel ist schon mal sicher: Am Sonntag, dem 1. August werden Kadosh zum Fährmannsfest fahren. Dort treten sie um 18 Uhr auf. Für alle, die eingängigen, authentischen Rock mögen, absolut zu empfehlen.

reinhören:
www.myspace.com/kadoshism

(Fotos: Simon Knösel)

Dieser Artikel erschien im Stadtkind, Ausgabe Juli 2010

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