Marcel Seniw
26. Mai 2020

Kann 96 den guten Lauf fortsetzen?

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den Karlsruher SC

Marvin Duksch

War beim Re-Start als Einwechselspieler der absolute Match-Winner: 96-Stürmer Marvin Duksch

Hannover 96 hat sein erstes Spiel nach der Corona-Zwangspause auswärts gegen den VfL Osnabrück siegreich gestalten können und nach zuletzt zwei Siegen über Kiel (3:1) und Nürnberg (3:0) seinen Lauf in eine kleine Siegesserie ausgebaut. Beim 4:2 in Osnabrück brauchte das Team von Kenan Kocak allerdings eine gute Stunde, um wieder in den Wettkampfmodus umzuschalten. Doch am Ende drehten Marvin Ducksch mit seinem Doppelpack und Genki Haraguchi mit seinem feinen Solo die Partie zugunsten von 96. Rein rechnerisch ist Hannover noch nicht durch, doch sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, den derzeit der kommende 96-Gegner Karlsruher SC belegt, bei einem weniger ausgetragenen Spiel, sind schon ein ganz nettes Polster.

Kenan Kocak entwickelt das Team weiter

Es wäre vermessen, schon jetzt vom Klassenerhalt zu sprechen. Erst recht, weil man kurz vor der Winterpause noch mit akuten Abstiegssorgen zu kämpfen hatte. Doch seit Kenan Kocak das Ruder am Maschsee übernommen hat, geht es mit Hannover 96 peu à peu bergauf. Nicht nur das Spiel der Roten hat sich weiterentwickelt, sondern der Trainer hat auch die Entwicklung einiger Spieler maßgebend beeinflusst. Die Osnabrück-Matchwinner Ducksch und Haraguchi sind dafür der beste Beleg. Haraguchi war als vermeintlich teurer Fehleinkauf schon auf bestem Wege zur Transfermarkt-Reste-Rampe. Kein einziges Tor erzielte er zuvor für 96, doch unter Kocak blüht er auf, traf bereits fünfmal und legte zweimal vor. Und Marvin Ducksch schien ebenfalls schon wieder vor dem Abflug zu stehen, stand er zuletzt teilweise gar nicht mehr im Aufgebot. Kocak gefiel die Körpersprache seines Stürmers nicht – und Ducksch seine Situation nicht. Wirkte er in den Spielen vor der Corona-Pause oft anteilnahmslos und manchmal etwas verloren auf dem Platz, biss er sich gegen Osnabrück nach seiner Einwechslung von Anfang an in die Partie, erzielte nicht nur zwei Tore, sondern eroberte auch Bälle in der eigenen Hälfte. Die neue Präsenz und Leistungsbereitschaft seines Stürmers gefällt Kocak. Er freue sich, dass sich Ducksch für seine sehr gute Arbeit in den letzten Wochen belohnen konnte, sagte Kocak.

Siegermentalität entwickeln

Kocak führt 96 also in neue Fahrwasser. Er wolle mit seinem Team „da hinkommen, dass wir eine Siegermentalität entwickeln“. Und das heißt nichts anderes, als dem Anspruch gerecht zu werden, den man vor der Saison an 96 stellte. Wenn Hannover 96 seine Siegesserie ausbauen kann, dann könnte es – so wahnwitzig das auch klingen mag – sogar dem vor der Saison angepeilten Ziel Aufstieg wieder näher rücken. Dass 96 noch auf den oberen Relegationsplatz rutscht, ist aber schiere Fantasterei, doch am Saisonende könnte ein vierter oder fünfter schon noch herausspringen. Eine gute Endplatzierung nach starker Serie könnte eine Mannschaft zusammenschweißen – und vielleicht den einen oder Akteur doch von einem Verbleib in Liga zwei überzeugen. Zudem könnte 96 ein wenig von seiner „Strahlkraft“ zurückgewinnen, um auf dem Transfermarkt mit Perspektiven bezirzen zu können.

Karlsruhe war schon zweimal ein böser Gegner

Doch dazu müssen morgen dringend weitere Punkte auf das 96-Konto fließen. Und mit dem Karlsruher SC kommt am Mittwoch ein Gegner in die HDI-Arena, der Hannover in dieser Saison schon zweimal böse ärgern konnte. Da wäre zum einen das 0:2-Pokal-Aus in Karlsruhe, zum anderen das völlig kuriose 3:3 in der Hinrunde im Wildpark, als Hannover in der Nachspielzeit erst in Führung ging, dann aber postwendend noch das 3:3 kassierte – und Ron-Robert Zieler aufgrund eines Missgeschicks vom Platz musste. Zieler wollte seinem Ärger über das Gegentor durch Gordon Luft verschaffen und den Ball wegboxen. Doch genau in diesem Moment kreuzte der Torschütze seinen Weg so unglücklich, dass Zieler ihm in den Unterleib schlug. Der 96-Keeper hatte damals Glück, dass er seine zweite Gelbe Karte sah und nicht glatt Rot, so wurde er nur für ein Spiel gesperrt.

Der KSC will „in jedem Spiel in die Punkte kommen“

In beiden Partien erwies sich der KSC unter Alois Schwartz als unangenehmer Gegner. Doch viel Zeit ist vergangenen, und inzwischen man hat fast das Gefühl, dass es sich um mehr als eine ganze Saison handelt. Denn weder Mirko Slomka leitet noch die 96-Geschicke, noch Alois Schwartz die des KSC. Während die Roten unter Kocak langsam Tuchfühlung nach oben aufnehmen, rangiert Karlsruhe unter Interimstrainer Christian Eichner aber immer noch auf dem Relegationsplatz. In sieben Spiele unter Eichner holte der KSC zwei Siege, spielte zweimal Remis und unterlag in drei Partien. Nach der Pause sieht es derweil aber ganz gut aus für den KSC. Dem 2:0-Heimsieg über den SV Darmstadt (Platz fünf) folgte ein Remis daheim gegen Bochum. Ungeschlagen und „sehr positiv gestimmt“ geht es nun also für Eichner und sein Team nach Hannover. „Wir freuen uns auf einen sehr interessanten Gegner, in einem Spiel, in dem wir uns durchaus auch etwas ausrechnen“, verriet Eichner auf der Pressekonferenz vor dem Spiel. Der KSC sei in einer Situation, in der er gezwungen sei, „in jedem Spiel in die Punkte zu kommen“. Kenan Kocak weiß jedenfalls, was ihn und 96 erwartet: „eine sehr unbequeme, disziplinierte Mannschaft“. Mein Tipp: Hannover 96 wird die Siegesserie weiter ausbauen und dem KSC die erste Niederlage seit Wiederaufnahme des Spielbetriebs zufügen: 3:1 für die Roten.

Mittwoch, 27. Mai 2020, 18.30 Uhr:
Hannover 96 – Karlsruher SC

(Foto: Eastfrisian/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Sports

Kommentiere diesen Artikel