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Wenn Ehre zwischen Mülleimern endet

von Anne C. Böhler      Donnerstag, 29. Juli 2010

Das Apollo-Kino zeigt heute “Die Fremde”, ein vielschichtiges Drama um das Schicksal einer in Deutschland lebenden jungen Türkin, die ihrer Familie die Ehre kostet und deshalb von ihren Brüdern aus der Welt geschafft werden soll

Nirgends willkommen: Die 25-jährige Mutter Umay (Sibel Kekilli)

Oberflächlich betrachtet ist die in Berlin-Kreuzberg lebende Familie von Umay (Sibel Kekilli) gut in das deutsche Alltagsleben integriert. Keiner wagt auch nur daran zu denken, dieser Familie einen Hang zum Islamismus vorzuwerfen, doch hinter geschlossenen Türen muss Umay mit den gnadenlosen Ehrvorstellungen ihres Herkunftslandes kämpfen. Schließlich ist Umay vor ihrem unliebsamen Ehemann in der Türkei geflohen, um mit ihrem kleinen Sohn Cem (Nizam Schiller) in Deutschland zu leben. Als sie in ein Frauenhaus flieht und sich auch noch in einen Arbeitskollegen verliebt, gerät sie endgültig in einen unlösbaren Konflikt mit ihrer von konservativen Konventionen dominierten Familie – und diese sieht sich gezwungen, ihre Ehre durch den Mord an Umay zu retten. Doch so leicht gibt die junge Frau ihre Hoffnung auf Selbstbestimmung nicht auf. Bei der Hochzeit ihrer jüngeren Schwester Rana (Almila Bağriaçik) erscheint sie ungeladen und fleht ihre Familie ein letztes Mal an, Gnade walten zu lassen und ihr trotz der Verstöße gegen Tradition und Religion Respekt zu zollen. Aber ihr Schicksal endet zwischen Mülleimern. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Die 38-jährige Schauspielerin Feo Aladag wagt sich mit ihrem Regie-Debüt “Die Fremde” nicht nur an ein heikles Thema, indem sie den Mikrokosmos einer traditionellen, aber dennoch in Deutschland gut integrierten türkischen Familie durch die Augen der verstoßenen Tochter betrachtet, sondern beleuchtet auch die Problematiken der anderen Familienmitglieder. Denn tief im Inneren möchte der Vater, herausragend gespielt von Settar Tanriögen, seine Tochter keinesfalls aus dem Leben verbannen. Aber durch sein Umfeld und seinen Glauben sieht er sich dazu gezwungen, die Ehre seiner Familie durch die Tötung der eigenen Tochter aufrecht zu halten - obwohl er dafür seine Söhne wegen Mordes ein Leben lang hinter Gitter bringt. Das Familiendrama, das bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin Uraufführung feierte und auf diversen Filmfestivals großes Lob erntete, aber auch harsche Kritik einstecken musste, nimmt das türkische Immigrantenmilieu auf eine bisher selten gesehene und tiefgehende Weise unter die Lupe. Heute ist “Die Fremde” im Lindener Apollo-Kino zu sehen.

Donnerstag, 29. Juli 2010:
“Die Fremde”, Drama von Feo Aladag, Deutschland 2009, 123 min., Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover, Beginn: 17.45 Uhr, Eintritt: 6,50 Euro, ermäßigt: 5,50 Euro

  • weitere Vorstellungen:
  • Freitag, 30. Juli, 17.45 Uhr
  • Mittwoch, 4. August, 20.15 Uhr

(Foto: Pressefoto)

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