Susanne Viktoria Haupt
2. Juni 2020

Wie Katz und Maus

Von Auftragsmörderinnen und Psychopathinnen: Die britische Thriller-Serie „Killing Eve“ bricht gekonnt mit Stereotypen

Diese Serie zeigt, dass es auch anders geht: „Killing Eve“ mit Sandra Oh und Jodie Comer, DVD-Cover

Auf manche Serien ist man schon alleine wegen des Casts ganz scharf. Als großer Fan von Sandra Oh fieberte ich auf den Tag hin, dass die neue Serie BBC-Serie „Killing Eve“ auch in Deutschland irgendwo verfügbar sein würde. Den meisten Menschen ist Sandra Oh garantiert als Dr. Christina Yang aus „Grey’s Anatomy“ bekannt. Dort spielte sie neun Jahre lang die ehrgeizige und brillante Ärztin, die sich niemals die Butter auf dem Brot hatte wegnehmen lassen. Für „Killing Eve“ wurde ihr die Britin Jodie Comer an die Seite gestellt, die ich persönlich aus der Thriller/Drama-Serie „Doctor Foster“ kannte. Dort spielte sie die junge Geliebte von Doctor Fosters Ehemann, die (noch) kein Wässerchen trüben konnte. Ich war demnach doppelt gespannt, was mit diesem Duo passieren würde. Enttäuscht wurde ich nicht.

Im Zentrum von „Killing Eve“ steht die MI5-Beamtin Eve Polastri (Sandra Oh), eine waschechte Schreibtisch-Ermittlerin. Bis eines Tages ein Fall bei ihr landet, der sie an den gängigen Schemata zweifeln lässt. Während alle im Team klassisch von einem männlichen Mörder ausgehen, verdichten sich für Eve die Beweise, dass es sich in diesem besonderen Falle um einen weiblichen Auftragskiller handelt. Obgleich ihr zunächst niemand Glauben schenken möchte, ist Eve Feuer und Flamme, denn nach Weiblichkeit sucht man im Bereich der Killer und Psychopathen bisher vergeblich. Gemeinsam mit einem kleinen Team, dessen Leiterin sie wird, heftet sie sich fortan an die Fersen der Verdächtigen Villanelle (Jodie Comer), die eigentlich Oksana Astankova heißt.

Doch Villanelle ist alles andere als eine Auftragsmörderin im Stile von „Mr. und Mrs. Smith“. Villanelle ist kaltblütig, sarkastisch und rücksichtslos – und sie mordet mit großer Freude und Leidenschaft. In Kombination mit Eves steigender Besessenheit für die Killerin artet die Suche nicht nur in ein unterhaltsames Katz-und-Maus-Spiel aus, sondern auch in einer verqueren amourösen Beziehung zwischen Ermittlerin und Verbrecherin. Die Gewaltszenen kommen in so einer Serie zwar keinesfalls zu kurz, aber „Killing Eve“ lässt sich bei weitem nicht darauf reduzieren. Schwarzer Humor und kantige Charaktere, sowie die On-Screen-Chemie und ein knackiger Soundtrack bestimmen die Atmosphäre der Serie. Brillant sind beispielsweise auch Villanelles „Betreuer“ Konstantin Vasiliev (gespielt von Kim Bodnia) und Agentin Carolyn Martens (gespielt von Fiona Shaw), die nicht ganz konsequent ihrem eigentlichen Job nachzugehen scheint.

Lange Zeit waren Auftragsmörder*innen tatsächlich männlich. Psychopath*innen in Serien und Filmen waren auch meistens männlich. Und auch, wenn man sich die amerikanische Serie „Criminal Minds“ anschaut, die auf echten Fällen basiert, ist man erstaunt, wie wenig weibliche Täterinnen es gibt. Ist Mord also eher eine männliche Sache? Das kann dieser Tagestipp keinesfalls beantworten. Aber „Killing Eve“ zeigt eine andere Seite, die deutlich mehr Spaß macht, als das gängige Schema des männlichen Verbrechers. Das liegt nicht zuletzt an der Serien-Schöpferin Phoebe Waller-Bridge. Waller-Bridge gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten Drehbuchautor*innen Großbritanniens. Bekannt wurde sie vor allem durch „Fleabag“, eine Serie, bei der sie nicht nur die Idee für die Story hatte, sondern auch das Drehbuch verfasste und die Hauptrolle spielte. Mit „Killing Eve“ hat sich Waller-Bridge endgültig in den Olymp geschrieben – nun sitzt sie mit am Skript für den neuen „James Bond“.

Um „Killing Eve“ zu schauen, muss man allerdings derzeit noch ordentlich in die Tasche greifen. Entweder man kauft sich die ersten beiden verfügbaren Staffeln auf DVD, oder aber man holt sie sich über iTunes. Möglich ist es auch, über ein Amazon-Prime-Konto für 14 Tage kostenlos den Channel Starzplay auf Probe zu abonnieren und die ersten beiden Staffeln schnell durchzuschauen. Bei acht Folgen pro Staffel ist dies problemlos an zwei freien Wochenenden mit vielen Nachos möglich. Die dritte Staffel steht ebenfalls bereits in den Startlöchern, wenn auch auf Grund von Corona noch nicht synchronisiert. Eine vierte Staffel wurde ebenfalls bereits bestellt. Wer also nun Blut geleckt haben sollte, bekommt definitiv Nachschub.

Dienstag, 2. Juni 2020:
„Killing Eve“, Thriller-Serie nach einer Idee von Phoebe Waller-Bridge, GB 2018-2020
Killing Eve auf Amazon
Killing Eve auf iTunes

(Foto: DVD-Cover)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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