Susanne Viktoria Haupt
7. Juni 2020

Kultur im Fluss

Doppelte Wiedereröffnung: Nach den Corona-Beschränkungen und dem Umbau lädt die Städtische Galerie Kubus zur neuen Ausstellung „Das Eigene im Anderen und das Andere im Eigenen“

Wie sich der Cowboy zum Tafelbild verhält, zeigt die Künstlerin Inka Nowoitnick mit ihrem „Oriental Cowboy“

Lange war es still um die Galerie Kubus und das lag nicht nur an der Pandemie. Aus Brandschutzgründen musste die Städtische Galerie bereits vor fast einem Jahr schließen. Nun feiert sie doppelte Eröffnung. Nicht nur dürfen seit Mai die Museen dank der Lockerungen wieder öffnen, auch das Brandschutz-Problem wurde erfolgreich mit dem Bau einer Treppe beseitigt. Seit dem 15. Mai läuft nun bereits die Ausstellung „Das Eigene im Anderen und das Andere im Eigenen“ und besticht vor allem durch ihre kulturwissenschaftliche Relevanz. Wenn beispielsweise bestimmte Parteien wieder proklamieren, dass man die deutsche Kultur schützen und vornehmlich in deutschen Museen und Schulen vermitteln sollte, dann frage ich mich stets, ob diese Menschen Kultur überhaupt begriffen haben. Denn Kultur ist kein festes Gebilde, dass sich durch von Menschen gezogene Staatsgrenzen bestimmen lässt. Viel mehr ist Kultur wie ein Fluss, der sich wild um die ganze Welt zieht und neue Eindrücke sammelt. Genau dieser dynamische Charakter stellt die Basis von Kultur dar und erhält sie am Leben. Unsere „deutsche Kultur“ wird also genauso geprägt von den Einflüssen anderer Kulturen, wie alle anderen. Wer sich also auf die vermeintlich „deutsche Kultur“ stützt, würde bei genauerer Betrachtung schnell erkennen, dass wir stets im Eigenen das Andere finden können. Und umgekehrt genauso.

Vier Künstler*innen haben sich genau diesem Thema gewidmet. Inka Nowoitnick, die bei dieser Ausstellung nicht nur als Künstlerin, sondern auch als Kuratorin in Erscheinung tritt, beschäftigt sich vornehmlich mit der Transformation christlicher Rituale. Der Fokus liegt vor allem auf dem Ritual des Anzündens von Kerzen, das Nowoitnick in eine zeitgenössische „Wunschmaschine“ verwandelt, und damit auch gleich ein soziologisches Experiment konzipiert. In anderen Arbeiten in diesem Rahmen setzt sich Nowoitnick mit der Figur des Cowboys auseinander, findet aber auch hier einen Weg zur christlichen Kultur und lässt den weißen Hut-Träger als christliches Tafelbild in Erscheinung treten. Rolf Bier hingegen widmet sich nicht nur dem transkulturellen Austausch, sondern auch René Magritte. Mittels verschiedener Materialien erzeugt Bier Abbildungen von Afrika, die je nach Betrachungwinkel hinsichtlich des subjektiven Wahrheitsgehalts variieren können. Unter dem Slogan „Ceci n’est pas l’Afrique“ zeigt Bier auf diese Weise, dass unser Bild vom afrikanischen Kontinent stark eurozentrisch geprägt ist. Christian Dootz, der auch bereits im Kunstverein Hannover zu Gast war, nähert sich dem Thema fotografisch und zeigt mittels gezieltem Einsatzes von Licht, wie sich unbekannte Orte in vermeintlich vertraute Umgebungen verwandeln können. Matthew Cowan setzt sich ebenso wie Inka Nowoitnick mit Ritualen und Bräuchen auseinander, nähert sich diesen aber natürlich auf eine eigene Art. Sein Fokus liegt auf der kulturellen Aneignung und Transformation von Ritualen und Bräuchen. Um diese zu verdeutlichen, erschafft er Kultobjekte, die die Aneignung auf interessante Weise veranschaulichen. Deutlich wird bei allen vier Künstler*innen, dass wir uns glücklicherweise weder gegen den Einfluss anderer Kulturen, noch gegen die eigene Transformation wehren können. Kuratiert wurde die Ausstellung neben Inka Nowoitnick auch von Anne Prenzler vom Kulturbüro Hannover.

Sonntag, 7. Juni 2020:
„Das Eigene im Anderen und das Andere im Eigenen“, Gruppenausstellung mit Werken von Inka Nowoitnick, Rolf Bier, Matthiew Cowan und Christian Dootz, Städtische Galerie Kubus, Theodor-Lessing-Platz 2, 30159 Hannover, geöffnet von 11 bis 18 Uhr, Eintritt frei

  • Die Ausstellung ist noch bis zum 19. Juli zu sehen
  • Öffnungszeiten: Di bis So 11-18 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Städtische Galerie Kubus/Courtesy: Inka Nowoitnick)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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