Susanne Viktoria Haupt
20. Juni 2020

Der Fahrplan für eine bessere Zukunft

Aufgeben kommt nicht in Frage: Auch heute begeistert das Theater am Küchengarten wieder mit einem famosen Live-Stream-Programm. Zu Gast ist Stephanie Ristig-Bresser mit ihrem Buch „Make World Wonder“

Die Welt zum Positiven verändern: Stephanie Ristig-Bresser zeigt heute im TaK, wie das aussehen könnte

Seit März ist es ruhig geworden in der Kulturlandschaft Hannovers. Erst Stück für Stück lockern sich nun die Auflagen und einige Institutionen können unter Einhaltung eben dieser ihre Pforten wieder öffnen. In der Zwischenzeit jedoch galt es, den Kampf ums Überleben aufzunehmen. Was für den ein oder anderen absurd klingen mag, war und ist für Kultur-Institutionen und Solo-Künstler*innen sowie freie Kulturschaffende bittere Realität. So auch für das Theater am Küchengarten. „Wir erhalten glücklicherweise Unterstützung, auch zusätzlich zu unserer institutionellen Förderung. Insgesamt soviel, dass wir bis jetzt gerade so überleben können. Das ist derzeit aber auch alles, was wir wollen“, sagt Jan Schmitz, der das Theater seit Januar 2019 leitet. Auch der Spenden-Aufruf für die Bühne im Herzen Lindens traf auf Gehör: „Wir können wirklich sagen, dass die Spenden-Bereitschaft unsere Erwartungen weit übertroffen hat“. Für das Team vom TaK steht außer Frage, dass die Spenden-Gelder einzig und allein dafür eingesetzt werden, dass die Bühne die Krise möglichst unbeschadet übersteht und dem Publikum noch lange erhalten bleibt.

Um dem hungrigen Publikum dennoch etwas zu bieten, ist Schmitz mit seinem Team als einer der ersten in Hannover online gegangen. Dafür haben sie bisher schon zahlreiche Gäste aus Hannover und Umgebung eingeladen, die für unterhaltsame Abende am Monitor gesorgt haben. Die Reaktionen der angefragten Künstler*innen waren geteilt: „Die einen waren hellauf begeistert, den anderen war es zu riskant. Vor allem Künstler*innen mit einer weiten Anreise waren schwieriger zu begeistern. Die Künstler*innen, die dann gespielt haben, fanden es immer erst sehr merkwürdig und haben dann aber oft großen Spaß daran gefunden. Ein Ersatz kann und wird Streaming aber niemals sein. Das ist uns und mit Sicherheit auch unseren Gästen klar geworden“, berichtet Schmitz. Um allerdings wieder ein echtes Live-Erlebnis bieten zu können, braucht es bald ein klares Signal der Landesregierung. Nur mit Planungssicherheit kann das Theater am Küchengarten in den Vorverkauf gehen. Und das, so Schmitz, ist längst überfällig. Nur gut, dass hinter dem Theater am Küchengarten ganz offensichtlich ein Team und ein unterstützendes Publikum steht, dass die Bühne hoffentlich auch weiterhin sicher durch die Corona-Krise steuern wird.

Während sich das TaK wie viele andere Bühnen einen Fahrplan für die Zukunft wünscht, bietet die Kulturwissenschaftlerin Stephanie Ristig-Bresser heute tatsächlich einen konkreten an. Zwar keinen, der die Institutionen und Solo-Selbstständigen durch die Krise geleitet, aber einen, der unsere Welt durchaus besser machen könnte, wenn wir es nur zulassen. Denn eigentlich, so zeigt Ristig-Bresser, wäre es möglich, dass wir die Welt so gestalten, dass größtenteils alle Menschen gut leben können. Konzepte gibt es so viele und sie bedienen unterschiedliche Krisenherde, darunter Armut, der drohende Klima-Kollaps und allgemein nachhaltiges und menschliches Wirtschaften. Um aber wirklich in Bewegung zu kommen, muss man sehen, dass irgendwer irgendwo schon einmal erfolgreich war. Das mag platt klingen, aber wir Menschen müssen zumindest eine minimale Aussicht auf Gelingen haben, damit wir mit ausreichend Tatkraft starten.

Stephanie Ristig-Bresser hat dafür reichlich recherchiert und ist auf Entwicklungen gestoßen, die nicht nur motivieren können, sondern auch klare Bereiche zeigen, in denen dringend Engagement gebraucht wird. Das Mantra dabei: Es ist möglich, wenn wir wirklich anpacken. Einen Ausblick darauf, wie es sein könnte und wie wir gemeinsam dahin kommen, zeigt Stephanie Ristig-Bresser heute Abend im Online-Stream des Theater am Küchengartens. Wer sich anschließend noch mehr mit einer besseren Welt beschäftigen möchte, der kann sich nicht nur über die Webseite von „Make World Wonder“ informieren, sondern natürlich auch das Buch vorbestellen. Und vielleicht gibt es dann demnächst nicht nur einen Fahrplan für die Kultur aus der Corona-Krise, sondern auch einen gemeinschaftlichen Fahrplan in eine bessere Zukunft.

Samstag, 20. Juni 2020:
„Make World Wonder“, Buchvorstellung und Gespräch mit Stephanie Ristig-Bresser, Live-Stream im Theater am Küchengarten, Beginn: 20 Uhr, Live-Stream auf tak-hannover.de

(Foto: Pressefoto/Make World Wonder/Stephanie Ristig-Bresser)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

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