Sebastian Albrecht
12. Juni 2020

Digitale Literatur-Hochburg

Alle drei Jahre findet in Hildesheim das Literatur-Festival „Prosanova“ statt, so auch 2020 – durch Corona jedoch zum ersten Mal nicht vor Ort, sondern im digitalen Raum

PROSANOVA 2020, Literaturfestival

In diesem Jahr nur digital, aber dennoch mit einem umfang- und abwechslungsreichen Programm: das „Prosanova“-Festival

Von den Studentinnen und Studenten der kulturwissenschaftlichen Studiengänge der Universität Hildesheim wurde 2005 das erste „Prosanova“-Festival ins Leben gerufen – seither wird die kleine, beschauliche Gerade-eben-noch-Großstadt Hildesheim im Dreijahres-Rhythmus zur Literaturhauptstadt und bietet einen Einblick in die Szene der deutschen Gegenwartsliteratur. Während das studentische Leben sich größtenteils am Kulturcampus Domäne Marienburg und damit etwas am Rande Hildesheims abspielt, wurde das „Prosanova“-Festival von Anfang an an sichtbaren Orten der Stadt veranstaltet: 2005 war das Festivalzentrum das frühere Möbelhaus Schwetje, 2008 waren die alten Phoenix-Werkhallen im Stadtteil Moritzberg Veranstaltungsort, drei Jahre später die Mackensen-Kaserne. 2014 wurde das Festival in der Hauptschule am Alten Markt und 2017 in einer alten Eisenhalle und einem leerstehenden Supermarkt in der Nordstadt durchgeführt. Und auch dieses Jahr lädt „Prosanova“ seit ein paar Tagen zur großen Literatur-Feierei – allerdings nicht vor Ort, sondern im Internet. Corona sei Dank.

Ohne Frage wird dem sechsten „Prosanova“-Festival etwas fehlen, denn neben Literatur, Diskussion, Musik, Tanz und Party waren es auch der Austausch untereinander und das engagierte Drumherum, die Zeit und Mühen, die in die Organisation des Festivals gesteckt wurden, die die Atmosphäre des Festivals mitprägten. Das Festival nicht analog ausrichten zu können, ist zwar ärgerlich, und die Vorlaufzeit, das erarbeitete Programm ins Digitale zu übertragen, war relativ knapp bemessen, dennoch haben sich die Arbeit und die Anstrengungen des Teams aber gelohnt.

Denn neben den obligatorischen Lesungen finden auch dieses Mal viele weitere Veranstaltungen wie Diskussionen, Workshops, Tutorials und das schreibende Publikum statt – aber eben digital. Es wird Podcasts, Instagram-Challenges, ein Pen & Paper-Role-Playing-Game und Morgen-Meditationen geben. Das ist natürlich längst nicht alles. Und um nicht gänzlich auf das Festival-Feeling verzichten zu müssen, gab es dazu die Möglichkeit, sich im Vorfeld ein Festival-Paket für zu Hause zu bestellen. Nicht zu vergessen natürlich die Gäste: Über 40 Künstlerinnen und Künstler – manche von ihnen bereits etabliert, andere noch bei ihren ersten Schritten – legen in über 30 Veranstaltungen ihr literarisches Schaffen dar, diskutieren, inszenieren, schreiben neu, erklären.

Tickets gibt es auch zu kaufen. Ein Ticket berechtigt den Zugang zu allen 50 „Prosanova“-Lesungen und Online-Veranstaltungen. Der Preis kann hierbei individuell gewählt werden und liegt zwischen 10,70 Euro und 37,45 Euro. So können auch diejenigen, die gerade nicht so viel zahlen können, an dem Festival teilhaben. Wer mehr geben kann, kann sich hingegen für eine höhere Preisstufe entscheiden. Wer „Prosanova“ über den Eintritt hinaus noch unterstützen möchte, hat dazu die Möglichkeit, zu spenden.

Freitag, 12. Juni (bis Sonntag, 14. Juni) 2020:
„Prosanova“, Festival für junge Literatur, dieses Jahr digital auf der Prosanova-Website, Beginn: 11 Uhr, Eintritt: 10,70 bis 37,45 Euro (Preis kann individuell gewählt werden)

(Foto: Pressefoto/Logo Prosanova)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

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