Jörg Smotlacha
24. Juni 2020

Ein Zeuge der Zeit

Christian Borchert ist einer der bedeutendsten Fotografen der deutschen Nachkriegszeit: Das Sprengel Museum widmet ihm die Ausstellung „Tektonik der Erinnerung“

Christian Borchert: "Tektonik der Erinnerung"

Christian Borchert: „Semperoper Dresden. Blick durchs Bühnenportal in den Zuschauerraum“, 1977, Silbergelatine-Abzug

Christian Borchert war einer der bedeutendsten Fotografen der DDR. Er arbeitete vorwiegend in seiner Geburtsstadt Dresden und in Berlin und starb tragischerweise im Jahr 2000 an einem Bade-Unfall. Mit seinen distanziert-analytischen Aufnahmen hat er eine so humane wie auch behutsame und eindringliche Bildsprache geprägt. Es war ihm wichtig, Respekt vor dem Aufgenommenen und vor den Mesnschen vor seiner Kamera zu bewahren: „Es wäre furchtbar, wenn alles Verbrüderung wäre; Distanzlosigkeit würde Flachheit bedeuten. Distanz heißt nicht Fremdheit, sondern Würde.“ Zu Borcherts bemerkenswertesten Arbeiten gehören Familien-Porträts, die er in den 1980er-Jahren in der DDR anfertigte, und die er nach der Wiedervereinigung spiegelte, in dem er die beteiligten Familien ein zweites Mal vor die Linse holte.

Das Sprengel Museum Hannover zeigt aktuell in Kooperation mit dem Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden die erste monografische Retrospektive seines umfangreichen Schaffens. Neben wichtigen Werk-Komplexen wie den Künstler- und Familien-Porträts, der Dokumentation des Wiederaufbaus der Semper-Oper oder den Bildern aus Dokumentarfilmen präsentiert die Ausstellung auch Exponate aus Borcherts Nachlass in der Deutschen Fotothek, die seine archivarische Leidenschaft vor Augen führen und Einblicke in fotografische Arbeitsprozesse gewähren.

Mittwoch, 24. Juni 2020:
Christian Borchert: „Tektonik der Erinnerung“, Sprengel Museum Hannover, Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover, geöffnet von 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 7 Euro, ermäßigt: 4 Euro

  • Die Ausstellung ist noch bis zum 20. September zu sehen
  • Öffnungszeiten: Di, Mi, Do und Sa von 13 bis 18 Uhr, Fr und So von 10 bis 18 Uhr, Sa von 10 bis 13 Uhr extra für Menschen, die zur Risikogruppe bezüglich des Corona-Virus gehören

(Foto: Pressefoto/Sprengel Museum Hannover/Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett,© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek Dresden)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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