Susanne Viktoria Haupt
21. Juni 2020

Tourist*in in der eigenen Stadt

Bloß nicht den „Roten Faden“ verlieren: Wie wäre es mal mit einem Rundgang durch Hannover? Ein Muss, nicht nur für Auswärtige

Ein Städtetrip der besonderen Art: mit dem „Roten Faden“ durch Hannover

Als ich in der dritten Klasse war, unternahmen wir mit der gesamten Klasse den traditionellen Spaziergang entlang des „Roten Fadens“. Bis heute ist mir dieser Tag sehr gut im Gedächtnis geblieben, empfand ich doch das Konzept eines Stadtrundgangs entlang eines sichtbaren Fadens schon damals als irgendwie cool. Mit meiner Heimatstadt Hannover verbindet mich sehr viel und bis auf eine Zeit in Paris habe ich hier auch immer gewohnt. Jede Ecke, nahezu jedes Stadtviertel ist mir vertraut. Das kann ein schönes Gefühl sein, aber manchmal kann diese Vertrautheit auch in Langeweile umschlagen. Dann ist es gut, wenn man die Beziehung zur Heimat auffrischt und einen anderen Blickwinkel einnimmt. Warum also nicht einmal für einen Tag Tourist*in in der eigenen Stadt sein?

Seit 1943 stehen nur noch die Außenmauern und der Turm, doch es werden noch viermal am Tag die Glocken geschwungen: die Aegidienkirche

Der berühmte „Rote Faden“ ist knappe fünf Kilometer lang und startet direkt vor dem Tourismus-Center am Hauptbahnhof. In 36 Stationen führt der Faden interessierte Menschen durch die Innenstadt und die Altstadt. Das Haupt-Augenmerk liegt dabei selbstverständlich auf den zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die zugleich auch die Geschichte der niedersächsischen Landeshauptstadt erzählen. Dazu gehört beispielsweise die Aegidienkirche. Von der mittelalterlichen Kirche stehen heute nur noch die Außenmauern und der Glockenturm, alles andere wurde bei einem Bombenangriff 1943 zerstört. An die Opfer von Gewalt, vor allem der beiden Weltkriege, erinnert heute die Kirche als Mahnmal. Aber auch die Einkaufsmöglichkeiten und Flanier-Meilen der Stadt stehen im Fokus des Rundgangs. Die Galerie Luise gehört definitiv zu den schönsten Einkaufspassagen der Stadt und ist einer der ersten Stationen. Die Georgstraße, die man auf dem Weg zur Aegidienkirche passiert, ist derzeit zwar mit Baustellen gepflastert, aber gemeinsam mit der Front der Staatsoper verleiht sie Hannover stets etwas Kosmopolitisches.

Eindeutig nicht aus dem Stadtbild Hannovers wegzudenken und zudem sehr gelungene Kunst im öffentlichen Raum: die „Nanas“ von Nikki de Saint-Phalle

Das ist natürlich ein stark verkürzter Abriss der Stationen, die sich auf dem Weg des Roten Fadens entdecken lassen, aber ganz so viel möchten ich auch gar nicht vorab verraten. Denn selbst für eine waschechte Hannoveranerin gibt es bei diesem besonderen Spaziergang einiges Neues zu entdecken. Wer die volle Ladung Hannover-Bildung haben möchte, der sollte dem Tourismus-Center am Hauptbahnhof montags bis samstags mal einen Besuch abstatten. Für schmale drei Euro lässt sich dort ein kompakter Stadtführer erwerben, der vor allem knappe Erläuterungen zu den Stationen bietet. Für die ganz Mobilen lässt sich die Broschüre zum „Roten Faden“ aber natürlich auch herunterladen. Allerdings ist der Rundgang auch ohne Hintergrundwissen ein Highlight, wenn die ganze Hannovertrautheit zu viel wird und man sich mal wieder richtig hannoverliebt fühlen möchte.

Sonntag, 21. Juni 2020:
Spaziergang entlang des „Roten Fadens“, Beginn jederzeit möglich, Eintritt frei

mehr Informationen: Der Rote Faden Hannover

(Fotos: Susanne Haupt (1,2), Eike Kastner (3))

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Kategorien: Lokalitäten, Tagestipps

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