Susanne Viktoria Haupt
23. Juni 2020

Wichtiger denn je

Bereits zum 19. Mal verleiht der Kunstverein Hannover Stipendien. Die Ausstellung „Preis des Kunstvereins“ zeigt, was im Rahmen dieser Arbeit alles entstehen kann

Weil Förderung funktioniert: Die Preisträger*innen Isabel Nuño De Buen, Lukas Zerbst und Julian Öffler präsentieren ihre Ergebnisse

Tausende Solo-Künstler*innen beklagen derzeit in Deutschland, dass sie trotz angekündigter Förderungen keinen Cent zu sehen bekommen. Viele mussten sogar auf Arbeitslosengeld ausweichen, um den eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Auch wenn die Absagen von Veranstaltungen einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung des Virus geleistet haben, dürfen die Künstler*innen, die dadurch de facto ihre Lebensgrundlage verloren haben, nicht im Regen stehen gelassen werden. In diesen Zeiten werden Förderungen durch Kunstvereine und Stiftungen umso wichtiger. Auch der Kunstverein Hannover bleibt daher bei seiner Linie und verleiht nicht nur zum 19. Mal in Folge seinen Preis, sondern stattet gleichermaßen vielversprechende Künstler*innen mit einem Atelier-Stipendium für die Villa Minimo aus. Überzeugen konnten in diesem Jahr Pablo Schlumberger aus Aachen (Nationales Nachwuchs-Stipendium), Lena Marie Emrich aus Göttingen (Förder-Stipendium Niedersachsen) und Sven-Julien Kanclerski aus Langenhagen (Nachwuchs-Stipendium Niedersachsen).

Parallel zu diesem Ereignis zeigt der Kunstverein Hannover Arbeiten derzeitiger und ehemaliger Stipendiat*innen der Villa Minimo. Mit dabei sind Isabel Nuño De Buen, Julian Öffler und Lukas Zerbst. Die Mexikanerin Isabel Nuño De Buen erhielt 2017 ein zweijähriges Förder-Stipendium vom Land Niedersachsen, nun präsentiert die Künstlerin im Rahmen ihres Ausstellungszweiges „in fugue“ völlig neue Arbeiten, die alle in den letzten Jahren entstanden sind, darunter Zeichnungen, Skulpturen und Installationen. Das Hauptaugenmerk der Wahl-Hannoveranerin liegt dabei auf der Konfrontation von Mikro- und Makro-Welten, die nicht nur Bewegungen verdeutlichen, sondern auch weitere Entwicklungsmöglichkeiten suggerieren.

Julian Öffler hat 2018 ein einjähriges Förder-Stipendium erhalten und präsentiert unter dem Titel „insert title here“ einen Mix aus rationaler Gegenwartsbetrachtung und kritischer Auseinandersetzung mit seinem eigenen künstlerischen Schaffen und dazugehörigen Institutionen. Eine Besonderheit von Öfflers Arbeiten liegt darin, dass er sich gerne selbst als Protagonist seiner Arbeiten einsetzt.

Lukas Zerbst wiederum hat erst im vergangenen Jahr das einjährige Förder-Stipendium des Kunstvereins erhalten und präsentiert seine Arbeiten unter dem Titel „Space Invader“. Wie der Titel schon vermuten lässt, bewegt sich der technik-affine Künstler an einer multimedialen Schnittstelle. Installationen und ausgeklügelte Performances sind in diesem Falle nicht nur als langfristiges Projekt angelegt, sondern wurden allesamt bereits innerhalb der Räume des Kunstvereins entwickelt und an diese angepasst.

Die Ausstellung „Preis des Kunstvereins“ zeigt deutlich, wie wichtig Förderung für Solo-Künstler*innen ist und was mittels dieser möglich gemacht werden kann. Zu sehen ist die Ausstellung der Ehemaligen noch bis zum 2. August. Dank des Engagements des Kunstvereins können wir uns aber sicherlich auch schon mal auf die Präsentation der Arbeiten der aktuellen Preisträger*innen im nächsten Jahr freuen.

Dienstag, 23. Juni 2020:
„Preis des Kunstvereins“, Ausstellung von Isabel Nuño De Buen, Lukas Zerbst und Julian Öffler, Kunstverein Hannover, Sophienstraße 2, 30159 Hannover, geöffnet: 12 bis 19 Uhr, Eintritt: 6 Euro, ermäßigt: 4 Euro

  • Die Ausstellung ist noch bis zum 2. August zu sehen
  • Öffnungszeiten: Di bis Sa 12-19 Uhr, So und feiertags 11-19 Uhr

(Foto: Pressefoto/Kunstverein Hannover/Dirk Meußling)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Kunst, Tagestipps

Kommentiere diesen Artikel