Susanne Viktoria Haupt
1. Juli 2020

Nichts, wie es scheint

Unstet, wie das Leben selbst: Die Galerie Robert Drees zeigt derzeit die Ausstellung „A Deep Breath Of Life“ von Tine Benz

Zeigt, wie nah Traum und Alptraum beieinander liegen können: „A Deep Breath Of Life“, Papier-Collage auf Acryl von Tine Benz

Einmal tief einatmen und alles rauslassen. Seit Wochen, nein, sogar seit Monaten stehen wir Menschen unter einer extremen und dazu auch noch neuen Belastung. Eine weltweite Pandemie hat uns im Griff und auch, wenn der ein oder andere die Auflagen und Beschränkungen gänzlich leid ist, ändert es nichts an dem allgemeinen Umstand. Aber einfach mal ein und wieder ausatmen. Das, was uns normalerweise in stressigen Momenten so beseelt, ist nun ein Risiko. Zumindest, wenn wir unter Menschen sind und keine Maske tragen. Dem Leben ist aber auch stets Risiko und Unsicherheit immanent. Kleine und größere Ausläufer nach unten auf der Glücks- oder Katastrophen-Kurve gehören dazu. Der russische Schriftsteller und Dramatiker Anton Pawlowitsch Tschechow lies daher folgendes verlauten: „Es gibt keine Sicherheit, nur verschiedene Grade der Unsicherheit“. Wir müssen damit leben. Einatmen und ausatmen und dies momentan mit Maske.

Wie schnell das vermeintlich farbenfrohe und fröhlich Erscheinende in Unsicherheit und alptraumhafte Welten kippen kann, zeigt derzeit die deutsche Künstlerin Tine Benz mit ihrer Ausstellung „A Deep Breath Of Life“. Aus der Literatur wissen wir sehr genau, wie schnell sich eine Wunderwelt in einen Alptraum entwickeln kann und sich damit jegliche Sicherheit verabschiedet. Alice muss bei Lewis Carroll um ihr Leben zittern und Richard Mayhew verstrickt sich in Neil Gaimans „Niemalsland“ in der größtenteils gefährlichen Parallelwelt Unter-London. Das also, was das Leben ausmacht, verläuft hier nur zu gerne auf eng verzahnten Parallel-Ebenen, wo das eine in das andere greift und Sicherheit obsolet wird. Diese Schnittpunkte der Unsicherheit bildet Tine Benz gekonnt mittels ihrer Papier-Collagen auf Acryl ab. Hier wird beeindruckend mit dem Schein und der Illusion von traumhaften Welten und idyllischen Szenerien gespielt, die stets durch irritierende oder alptraumhafte Elemente durchbrochen werden. Ruhe und Anspannung liegen nahe beieinander. Wenn wir also einen tiefen Atemzug geballtes Leben nehmen wollen, fließt genauso viel Furchteinflößendes wie auch Unsicheres mit hinein.

Tine Benz ist bereits zum zweiten Mal solo in der Galerie Robert Drees zu sehen. Die gebürtig aus Neuss stammende Künstlerin war nicht nur Schülerin von Georg Baselitz, sondern konnte ihre Werke schon weltweit in zahlreichen Ausstellungen präsentieren. Von Berlin bis New York und Istanbul konnte sie ihr Publikum bereits begeistern. Zu sehen ist „A Deep Breath Of Life“ noch bis zum 19. September. Aus bekannten Gründen wird weiterhin um das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes gebeten. Ansonsten steht einem entspannten Besuch der Ausstellung aber nichts im Wege.

Mittwoch, 1. Juli 2020:
Tine Benz: „A Deep Breath Of Life“, Ausstellung, Galerie Robert Drees, Weidendamm 15, 30167 Hannover, geöffnet von 10 bis 18.30 Uhr, Eintritt frei

  • Die Ausstellung ist noch bis zum 19. September zu sehen
  • Öffnungszeiten: Mi bis Fr 10-18.30 Uhr, Sa 11-14 Uhr

(Foto: Pressefoto/Galerie Robert Drees/Courtesy of the Artist: Tine Benz)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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