Sebastian Albrecht
5. Juli 2020

Starke Affinität zu Porzellan

Im Museum August Kestner ist momentan die Ausstellung „Prunk! August der Starke und das Porzellan“ zu sehen

Kurfürst Friedrich August I.

Hatte zwar angeblich mindestens die Kraft eines Bären, doch Porzellan fasste er immer übervorsichtig an: der sächsische Kurfürst und König von Polen-Litauen, Friedrich August I.

„Es ist nicht immer einfach als Nummer zwei, einfach mal bei Buzz Aldrin nachfragen“ wäre sicherlich nicht der schlechteste Einstieg in einen Artikel, der von einer Ausstellung über August den Starken handelt, der nicht nur der zweitgeborene Sohn von Johann Georg III. Herzog von Sachsen war, sondern, so viel sei vorweggenommen, später auch als König August II. über Polen-Litauen regierte. Allerdings wurde dieser Einstieg vom Autoren fast wortgleich vor fast einem Jahr verwendet, eine zu kurze Zeitspanne, um ihn klammheimlich zweitverwerten zu können. Schade, stand doch auch Buzz Aldrin lange im Schatten eines anderen, nämlich dem seines Kollegen Neil Armstrong. Beide waren die ersten Menschen, die den Mond betraten, Armstrong machte seine Schritte auf dem Erd-Trabanten jedoch ungefähr zwanzig Minuten vor Aldrin. Und so ist es naheliegend, dass häufig angenommen wird, auf dem berühmten Foto der Mondlandung sei Armstrong selbst zu sehen, obwohl es eigentlich Buzz Aldrin zeigt. Fotograf übrigens: Neil Armstrong.

Obwohl Aldrins Bild ebenso wie sein Name in den Geschichtsbüchern zu finden ist, haftete ihm das Etikett „Der ewige Zweite“ in der Öffentlichkeit lange Zeit an. Dabei warf Aldrins bisheriges Leben durchaus einen eigenen großen Schatten. Inzwischen ist er nicht mehr nur der zweite Mensch auf dem Mond, sondern seit 2016 auch der älteste Mensch, der den Südpol erreichte: mit 86 Jahren.

Als August der Starke 1670 als Friedrich August I. von Sachsen in Dresden geboren wurde, trug er die Eins zwar im Namen, als Zweitgeborener war es ihm jedoch nicht beschienen, die Thronfolge des Vaters zu übernehmen. Als dieser 1691 starb, übernahm dann Augusts älterer Bruder Johann Georg IV. den Thron, der ihn wiederum irgendwann an seinen Erstgeborenen übergeben sollte. Doch dazu kam es nicht, denn Johann Georg IV. starb bereits im Alter von sechsundzwanzig Jahren und hatte keinen legitimen Thronfolger gezeugt. Schneller als Buzz Aldrin – und unter anderen Umständen – trat August der Starke unverhofft aus dem fremden Schatten und wurde 1694 Kurfürst von Sachsen.

Drei Jahre später folgte der nächste Aufstieg: Als König August II. regierte er nun neben seinem Amt als sächsischer Kurfürst auch die Republik Polen-Litauen. Die beiden Ämter – seine Regierungszeit als König mit einer fünfjährigen Unterbrechung – übte er bis zu seinem Tod im Jahre 1733 aus. Beide waren nicht seine einzigen Titel, wie es auch über sein Leben noch weit mehr zu sagen gäbe. Da wäre beispielsweise sein Beiname „der Starke“: Für damalige Verhältnisse war er überdurchschnittlich groß und mit seiner Kraft soll er gar Hufeisen zerbrochen haben.

Das Museum August Kestner widmet seinem Namensvetter nun eine Ausstellung, jedoch steht statt dessen Kraft eine andere Facette aus seinem Leben im Mittelpunkt. „Prunk! August der Starke und das Porzellan“ lautet der Titel der Ausstellung, denn der Herrscher hatte nicht nur eine Vorliebe für Kunst und eine ausgeprägte Sammel-Leidenschaft, in seine Regierungszeit fiel auch die Erfindung des europäischen Porzellans. 1710 wurde die Meißen Manufaktur gegründet, die seitdem das Meißner Porzellan herstellt. Der 350. Geburtstag des Regenten war Anlass, nun den eigenen Bestand Meißner Porzellans auszustellen.

Wer noch mehr über August den Starken erfahren möchte, als die umfangreiche Ausstellung präsentiert, hat heute Nachmittag die Gelegenheit dazu: Begleitend zur Ausstellung findet eine Lesung statt, bei der die Komponistin und Rezitatorin Marie Dettmer Einblicke in literarische Zeugnisse zu August dem Starken und dessen Epoche gibt und aufzeigt, welche Spuren der Kurfürst und König auch in Hannover hinterlassen hat. Die Lesung findet um 15 Uhr statt, wegen der Corona-Pandemie muss sich vorher angemeldet werden, die Teilnehmerzahl ist auf fünfzehn begrenzt.

Sonntag, 5. Juli 2020:
„Prunk! August der Starke und das Porzellan“, Ausstellung, Museum August Kestner, Trammplatz 3, 30159 Hannover, geöffnet von 11 bis 18 Uhr, Eintritt: 5 Euro, ermäßigt: 4 Euro

„Museum trifft Literatur: August der Starke“, Lesung, Museum August Kestner, 15 bis 16:30 Uhr, Anmeldung nötig

  • Die Ausstellung läuft noch bis zum 24. Januar 2021
  • Öffnungszeiten: Di und Do bis So 11-18 Uhr, Mi 11-20 Uhr, Mo geschlossen
  • geschlossen am 31. Oktober, Heiligabend, dem 1. Weihnachtstag und Silvester. Öffnungszeiten Neujahrstag: 13-18 Uhr
  • freitags Eintritt frei
  • Weitere Termine für die Lesung „Museum trifft Literatur: August der Starke“:
  • Sonntag, 2. August, 15 bis 16:30 Uhr
  • Samstag, 19. September, 15 bis 16:30 Uhr
  • (Foto: Pressefoto/Museum August Kestner)

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Kategorien: Kunst, Literatur, Tagestipps

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