Jörg Smotlacha
7. Juli 2020

Der Fluch

Christian Petzold hat mit „Undine“ erneut einen faszinierenden Film gedreht, der nun endlich in die Kinos kommt

"Undine", Filmplakat

Ein 800 Jahre alter Wassergeist: „Undine“, Filmplakat

Die Figur des Wassergeistes „Undine“ ist exakt 800 Jahre alt und tauchte erstmals 1320 in einem Gedicht auf. Sie spielte dann in der Mythologie eine große Rolle und hielt ihren Einzug auch in viele Werke der moderneren Literatur, angefangen bei Goethes „Faust I“, als in der Szene „Im Studierzimmer“ bei der Beschwörung der vier Elemente von einer „Undene“ als Symbol für das Wasser die Rede ist. Es folgen Hans Christian Andersens Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ von 1836 und Oscar Wilde, der in „Der Fischer und seine Seele“ von der Liebe eines jungen Mannes zu einer Nixe berichtet.

Doch das ist lange nicht alles: E.T.A. Hoffmann schrieb seine „Undine“ 1816 als „romantische Zauberoper“ (1816), Richard Wagner ließ im „Ring des Nibelungen“ mit den Rheintöchtern Flussnixen vorkommen, die zweifellos auf der Figur der unverwüstlichen „Undine“ aufbauten, und die Komponisten Maurice Ravel und Claude Debussy widmeten „Ondine“ eigene klassische Werke. Ganz zu schweigen vom Konzept der „Meerjungfrau“ im Unterhaltungskino: „Splash – Eine Jungfrau am Haken“ mit Tom Hanks und Daryl Hannah war wohl der bekannteste Film, der sich im Mainstream mit dem populären Thema befasste.

Nun aber Christian Petzold: Der Autor so großartiger deutscher Spielfilme wie „Die innere Sicherheit“ oder „Wolfsburg“, „Yella“ und „Barbara“, jeweils mit Nina Hoss in der Hauptrolle, hat nun zum zweiten Mal nach 2018 und dem Film „Transit“ mit Paula Beer gedreht – und „Undine“ zum Thema gemacht. Die Story: Die Historikerin Undine (Paula Beer) hat ein kleines Appartment am Alexanderplatz und arbeitet als Stadtführerin in Berlin. Als ihr Freund Johannes (Rafael Stachowiak) sie verlässt, bricht ihr Leben zusammen, es ist wie ein alter Fluch.

Doch dann begegnet Undine dem Industrie-Taucher Christoph (Franz Rogowski), der ebenfalls im Wasser zu Hause ist und verliebt sich in ihn. Es ist für Undine eine neue, glückliche Art, zu leben, voller Neugier und Vertrauen. Atemlos verfolgt Christoph ihre Vorträge über die auf den Sümpfen gebaute Stadt Berlin, mühelos begleitet Undine ihn bei seinen Tauchgängen in der versunkenen Welt eines Stausees. Doch Christoph spürt, dass Undine vor etwas davonläuft. Und Undine muss alle Männer töten, die sie verraten…

Dienstag, 7. Juli 2020:
„Undine“, Spielfilm von Christian Petzold, D 2020, 90 min., Kino am Raschplatz, Raschplatz 5, 30161 Hannover, Beginn: 16 Uhr, 18 Uhr und 20.30 Uhr, Eintritt: 9 Euro, ermäßigt: 8,50 Euro

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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