Cosma Jo Gagelmann
19. Juli 2020

Der menschliche Lebensraum: das Wohnzimmer

Im Apollo-Kino läuft heute ein Film, der fremde Menschen an dem gemütlichsten Ort ihres Hauses zusammenbringt: auf der Couch

Couch_Connections

Christoph Pehofer durfte auf der Couch eines Nudisten aus Manhattan übernachten, so entstand dieses Foto

Jeder Mensch hat einen Lieblingsplatz. Für manchen befindet der sich außerhalb des Zuhauses, für viele aber auch innerhalb. Besonders das Wohnzimmer ist für die meisten Menschen der Mittelpunkt des eigenen Lebens. Dort wird geredet, ferngesehen, gelernt, gelesen, gestritten und sich vertragen. Und auch Feiertage werden dort gefeiert, wenn beispielsweise der Weihnachtsbaum mit den Geschenken darunter dort seinen Platz findet. Die Couch ist dabei das wichtigste Element im Wohnzimmer. Sie ist gemütlich und jede*r findet auf ihr Platz. Doch wie wäre es, wenn eine völlig fremde Person auf einmal diese Couch für sich beansprucht?

Neun Monate reiste Christoph Pehofer mit seinem Rucksack und seiner Kamera um die Welt. Seine Reise führte ihn durch Nordamerika und Asien. Doch er übernachtete nicht in Hotels oder kleinen Pensionen, sondern auf einer Couch in den Wohnzimmern von fremden Menschen. Verrückt? Ja, aber Pehofer ist nicht der einzige, der das sogenannte „Couchsurfing“ betreibt. Denn viele Menschen wollen ein bisschen anders reisen als sonst. Pehover sammelte viele neue Erinnerungen, Erfahrungen und vielleicht sogar auch Kompetenzen. Nicht nur er profitierte von seiner speziellen Reise, sondern auch die Menschen, in deren Zuhause er sein durfte. Es entstanden Freundschaften, bei denen es egal ist, wie lange man sich kennt oder aus welcher Kultur oder welchem Stand der Gesellschaft man stammt.

So übernachtete Pehofer illegal bei einer Studentin im Wohnheim, bei einem Nudisten in Manhattan und bei einem Transgender in Bangkok, die alle eins gemeinsam hatten: Ihre Couch ist ihr Mittelpunkt. Das Wohnzimmer ist schließlich der Ort, an dem man sich viel miteinander unterhält und sich auch richtig zuhört. Pehofer wollte zeigen, was dieses Erlebnis bedeutet, und so entstand dieser Film, in dessen Vordergrund die Vielfalt der Menschen steht. Denn eigentlich ist es gar nicht schwer, auf andere Menschen zuzugehen, persönliche Dinge zu teilen und über alles reden zu können.

Wie gut das am Ende ankam, merkte Christoph Pehover auch daran, dass alle seine Gastgeber*innen zustimmten, sich filmen zu lassen und in diesem Film die Botschaft über das Überwinden von Zweifeln gegenüber Menschen, die anders leben oder anders aufgewachsen sind, als man selbst, zu teilen.

Sonntag, 19. Juli 2020:
„Couch Connections“, Film von Christoph Pehofer, A 2020, 75 min., teilweise OmU, Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover, Beginn: 20.15 Uhr, Eintritt: 8 Euro

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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