Susanne Viktoria Haupt
16. August 2010

Von der poetischen Klaviatur der Detektivarbeit

Seitenansicht: „Der Fall Neruda“ von Roberto Ampuero

Buchcover “Der Fall Neruda”

Roberto Ampuero: „Der Fall Neruda“, Kriminalroman, 377 Seiten, Bloomsbury Berlin, ISBN-13: 978-3827008664, 22 Euro

In Zeiten von DNA-Analyse und High-Tech-Spurensuche betritt Roberto Ampuero mit seinem Kriminalroman „Der Fall Neruda“ die Literaturbühne mit einer klassischen Ermittlung à la George Simenon. Nur eben poetischer und fernab von großen Metropolen. Dem Tode nahe, alt und geschwächt, quält den legendären, in Chile lebenden Dichter Pablo Neruda ein altes privates Geheimnis. So beauftragt er im Jahre 1973 den gebürtigen Kubaner Cayeton Brulé, in Zeiten brennender politischer Szenarien auf die Suche nach einer mysteriösen Frau zu gehen. Das treibt den Nachwuchsdetektiv erst zurück nach Kuba und dann in die DDR.

Zwischen realem Sozialismus und faschistischen Putschversuchen in Chile lernt Brulé nicht nur das traditionelle Detektivspiel schätzen, sondern auch die dichterische Leidenschaft – und erfährt, dass der Auftrag von Neruda schwieriger ist, als gedacht. Denn nicht nur Neruda macht ein Geheimnis um sein eigentliches Anliegen. Auch die gesuchte Frau tut alles daran, durch wechselnde Identitäten ihr Auffinden erheblich zu erschweren. Eine spektakuläre und zugleich poetisch-sanfte Reise quer über den Erdball beginnt – immer im Wettlauf gegen die voranschreitende Krankheit Don Pablos und mit der politischen Gefahr im Nacken. In Chile bereits ein Bestseller, wartet „Der Fall Neruda“ nun hierzulande auf begierige Leser. Verdient hat sie dieser außergewöhnliche Roman allemal.

„Seitenansicht – die Kritik zum Einstecken“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius, wo sie als Postkarte erhältlich ist.

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Kategorien: Literatur

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