Susanne Viktoria Haupt
20. Juli 2020

Hannovers grüner Trip

Rauf auf den Sattel: Hannovers Zentrum lässt sich ideal auf dem Julius-Trip-Ring umrunden

Der Julius-Trip-Ring führt begeisterte Radfahrer*innen an den grünen Lungen der Stadt entlang

Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber ich persönlich finde stets, dass Hannover eigentlich zu klein ist, als dass man wirklich öffentliche Verkehrsmittel nutzen müsste. Außer natürlich, man ist nicht gut zu Fuß. Ansonsten lässt sich alles via Rad oder aber zu Fuß erreichen. Ja, ich bin auch schon von Linden zu Fuß in die Südstadt gelaufen und das nicht gerade selten. Das macht den Charme von Hannover auch irgendwie aus, diese übersichtliche Note. Gerade mit dem Fahrrad bin ich immer auf der Suche nach neuen und guten Radwegen, die mich von einem Ort zum nächsten bringen. Vor allem, wenn ich zwischen den einzelnen Stadtteilen pendle. Aber obwohl ich nun schon so viele Jahre auf zwei Rädern in Hannover unterwegs bin, bin ich noch nie dem Julius-Trip-Ring gefolgt. Lediglich an der Leine sah ich immer das weiß-grüne Straßenschild, welches den Julius-Trip-Ring ankündigte. Warum also nicht endlich mal aufs Rad steigen und dem Schild folgen?

Der Julius-Trip-Ring verdankt seinen Namen dem gleichnamigen deutschen Garten-Architekten. Julius Trip (1857-1907) war zwar kein Hannoveraner, aber die niedersächsische Landeshauptstadt verdankt ihm einige Highlights hinsichtlich der städtischen Grünanlagen. Auf sein Konto gehen unter anderem die Gestaltung des Stadtfriedhofs Stöcken, der vordere Teil der Eilenriede sowie der Maschpark. Zudem war Trip Dozent für Garten-Kunst an der Technischen Hochschule Hannover. Auf dem Friedhof in Stöcken kann man bis heute sein Grab besuchen, und am Maschsee wurde ihm bereits 1910 ein Denkmal gewidmet, welches zwar den Krieg nicht unbeschadet überstanden hat, aber zumindest als kleinere Ausgabe wieder hergestellt wurde. Wenn man also davon spricht, dass Hannover eine der grünsten Städte Deutschlands ist, und vor allem durch einige phantastische Grün-Anlagen glänzt, dann sollte man auch immer an Julius Trip denken. Anlässlich seines 100. Todestag richtete man daher in Hannover den Julius-Trip-Ring ein. Ein Fahrrad-Rundweg, der ganz bewusst nicht nur an den Anlagen vorbeiführt, die Trip gestaltet hat, sondern auch anderweitig die grüne Seite von Hannover zeigt. Ein durch und durch grüner Trip eben.

Auf dem Weg trafen wir zahlreiche andere Radfahrer*innen, aber auch diese süße Schwanen-Familie

Im Gegensatz zur Außenschleife Ronnenberg-Gehrden, die uns fast 40 Kilometer durch die Sommer-Sonne getrieben hatte, ist der Julius-Trip-Ring nicht nur mit schmalen 24 Kilometer deutlich kürzer, sondern läuft zumindest bei mir auch fast direkt an der Haustür vorbei. Ein langer Anfahrtsweg fällt also weg. Wir starteten entsprechend mitten in Linden an der Leine und mussten schnell feststellen, dass wir tatsächlich nicht die einzigen sind, die an diesem Tag auf dem Trip entlang düsten. Zunächst ging es Richtung Herrenhausen durch die schönen Kleingarten-Kolonien. Rund 20.000 Kleingärten soll es in Hannover geben und gönnt man sich mal einen entspannten Spaziergang durch die Anlagen, lassen sich echte kleine Schätze finden. Vorbei am Großen Garten führte der Rundweg dann knapp durch Hainholz hinüber nach Vahrenwald. Und hier ist man einmal mehr erstaunt, wie locker und leicht, und vor allem sicher die einzelnen Stadtteile verbunden sind. Von Vahrenwald aus war es dann nur noch ein Katzensprung in die List. Von dort aus, mit einem Abstecher in die Eilenriede, ging es dann über Kleefeld in Richtung Maschsee, zum offiziellen Startpunkt des Rundwegs.

Das Angenehme am Julius-Trip-Ring ist, dass man im Gegensatz zur Strecke am Benther Berg natürlich nicht mit anstrengenden Steigungen zu rechnen hat. Der Rundweg präsentiert sich so flach, wie man es vom Großteil der niedersächsischen Landschaft gewohnt ist. Die 24 Kilometer fühlen sich dadurch deutlich kürzer an, auch bei höheren Temperaturen. Dadurch ist die Strecke ideal für Anfänger*innen und Familien mit kleinen Kindern, die auch mal richtig in die Pedalen treten wollen. Durch den niedrigen Schwierigkeitsgrad und die dadurch entstandene Zeit-Einsparung lassen sich auch die Highlights der GartenbauKunst eher genießen. Inklusive entspannter Pausen im Grünen. Man muss allerdings bedenken, dass der Julius-Trip-Ring trotz allem ein Rundweg ist, der durch die Stadt führt. Nicht alles ist grün und manchmal lässt der Straßenverkehr keine echte Radtour-Entspannung aufkommen. Er bleibt dennoch eine gute Idee, um Hannover mal etwas anders zu erkunden. Ich für meinen Teil kenne nun zumindest schnelle und teilweise angenehmere Wege, wenn ich mal wieder quer durch Hannover mit dem Rad flitze. Mit Helm natürlich, denn Safety first gilt immer.

Montag, 20. Juli 2020:
Julius-Trip-Ring, Beginn: jederzeit möglich, Eintritt frei

weitere Informationen:
Einen GPX-Track und eine Streckenübersicht findet ihr auf hannover.de

(Fotos: Susanne Viktoria Haupt)

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Kategorien: Lokalitäten, Sports, Tagestipps

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