Susanne Viktoria Haupt
29. Juli 2020

In Wellen

Monumental: Das Kino am Raschplatz zeigt heute mit „Wave“ von Trey Edward Shults ein Liebesdrama der besonderen Art

Endlich auch in den deutschen Kinos zu sehen: „Waves“ von Trey Edward Shults, Filmplakat

Durch die Pandemie dauern einige Dinge länger, zum Beispiel brauchen neue Blockbuster länger, bis sie in die Kinos kommen. „Waves“ von Trey Edward Shults ist so ein Fall. Bereits im August vergangenen Jahres feierte das Romantik-Drama seine Premiere in Amerika. Aber erst jetzt ist der Film endlich auch in deutschen Kinos zu sehen. Ein Glück für alle, die bereits vorab durch die Wellen der Euphorie aus den Staaten ergriffen wurden und sich am Trailer nicht satt sehen konnten. Denn vor allem für seine eindrucksvollen Bilder erntete der Film jede Menge Beifall.

Im Zentrum des Geschehens steht das Geschwisterpaar Tyler (Kelvin Harrison Jr.) und Emily (Taylor Russell). Tyler ist eine echte Sportskanone, als Ringer-Star an seiner High School winkt ihm bereits jetzt ein Stipendium für eine gute Uni. Sein Vater Ronald (Sterling K. Brown, bekannt aus „This Is Us“) macht ihm auch immer wieder klar, dass Mittelmaß nicht geduldet wird. Die Welt blicke auf sie ohnehin schon herab, denn sie sind schwarz. Also müssen sie immer 500 Prozent geben, überall. Dann könnten auch sie es schaffen. Getrieben von den Worten seines Vaters, gibt Tyler also immer alles, bis seine Schulter nicht mehr mitmacht. Und dann steht auf einmal auch noch seine Freundin Alexis (Alexa Demie, bekannt durch die HBO-Serie „Euphoria“) bei ihm vor der Tür und beichtet ihm, dass sie nicht nur schwanger ist, sondern das Kind auch noch auf jeden Fall behalten will. Alles, wofür Tyler so hart gearbeitet hat, scheint auf einmal in sich zusammenzubrechen.

Und damit nimmt das Drama seinen großen Lauf. Doch was dann kommt, hat so vorher niemand erwartet und wir werden es Euch auch garantiert nicht verraten. Aber die gesamte Familie, auch Vater Ronald, müssen sich nun damit auseinandersetzen, ob der Weg, den sie bisher gegangen sind, wirklich der richtige war. Beispielsweise, ob eine liebevolle Beziehung zueinander weniger wertvoll ist, als der Erfolg. Und inwiefern auch einfach der tiefsitzende Rassismus der Gesellschaft seinen großen Anteil zum Druck beigetragen hat.

Hätte Ronald seine Kinder auch so unter Druck gesetzt, wenn sie weiß gewesen wären? Was wäre gewesen, wenn ihnen von Natur aus mehr Türen offengestanden hätten? „Waves“ zeigt zum einen, dass Glück und Unglück in Wellen kommen können. Dass das Leben ein wilder und irrer Ozean ist und in aller Tiefe nur ein paar Dinge wirklich zählen. „Waves“ erzählt aber auch ein gelungenes Jugend-Drama, das für Erwachsene genauso beeindruckend ist. Ergänzend zu den starken Bildern, die immer wieder sehr szenisch und häufig auch ohne große Worte die Entwicklungen der einzelnen Figuren zeigen, sind es auch die Aufnahmen von Miami, die den eigenen Kopf auf eine Reise schicken. Das Kino am Raschplatz zeigt heute für all jene, die einen Faible für Originale haben, den Film auf Englisch mit deutschen Untertiteln. Da hat sich das Warten mal gelohnt.

Mittwoch, 29. Juli 2020:
„Waves“, Liebesdrama von Trey Edward Shults, USA 2019, 135 min., OmU, Kino am Raschplatz, Raschplatz 5, 30161 Hannover, Beginn: 21 Uhr, Eintritt: 8,50 Euro, ermäßigt: 8 Euro

(Foto: Filmplakat)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Film, Tagestipps

Kommentiere diesen Artikel