Susanne Viktoria Haupt
11. August 2020

Ein bisschen Anarchie

Zeitvertreib mit hohem Unterhaltungswert: Beim Minigolf liegen Spaß und Verzweiflung nahe beieinander, und gerade das macht es so interessant

Man sollte viele Dinge im Leben ernst nehmen. Minigolf gehört glücklicherweise nicht dazu

In der Serie „Gilmore Girls“ sagt Hauptfigur Lorelai Gilmore über Golf, dass es nur ein unterbrochener Spaziergang sei. Irgendwie stimmt das auch, zumindest, wenn man es sich in Filmen und Serien anschaut. Golf spielen Anwält*innen, Banker*innen und Menschen aus der Wirtschaft. Eigentlich werden auch fast nur Männer gezeigt, abgesehen von der Serie „New Girl“, in der Jessica Day (Zooey Deschanel) an einem freien Golf-Turnier teilnimmt, um Politiker*innen davon zu überzeugen, ihre Schule mit neuen Computern zu unterstützen. Ansonsten sind es Männer, die mal konzentriert mit ihren teuren Schlägern über das Grün spazieren und nebenbei Deals abschließen, oder aber in Rente gegangene Chefs, die sich nun im Country Club die Zeit vertreiben. Golf sieht daher selten spaßig aus. Bei uns an der Schule war es damals als „Bonzen-Sport“ verschrien. Da konnte man auch gleich ein „Lacoste“-Polohemd anziehen.

Minigolf hingegen ist eine Präzisionsballsportart, die sich durch sämtliche Schichten zieht. Egal ob kleine Familie, Jugendliche, ältere Menschen, After Work-Gruppen oder einfach eine bunt zusammengewürfelte Gruppe – Minigolf ist für alle da. Dabei gibt es die lustige Schwester vom Golf erst seit 1954. In diesem Jahr wurde nämlich in Italien, am Lago Maggiore, die erste Minigolf-Anlage eröffnet. Seitdem ist der Spaß-Sport aber immer weiter auf dem Vormarsch – und an sonnigen Tagen bekommt man bei den meisten Anlagen kaum noch einen Fuß auf den Boden. Das Schöne an Minigolf ist, dass man diese Sportart eigentlich nicht ernst nehmen darf. Wer meint, dass er seinen Partner oder seine Partnerin unbedingt auf der Bahn ausstechen müsste, der will auch unbedingt auf Biegen und Brechen bei Mario Kart gewinnen. Die meisten Minigolf-Anlagen sind so konzipiert, dass man nur bei den ersten Bahnen problemlos voranschreiten kann. Alles, was nach Loch 6 kommt, unterliegt in den meisten Fällen anderen Gesetzen. Schwerkraft? Tja, die musst du spätestens bei Loch 11 überwinden.

Während man also voller Verzweiflung versucht, den Ball erst gegen einen Hamsterzahn, dann über ein Netz, durch ein Nadelöhr und anschließend auf den Rücken eines feuerspeienden Drachens zu schlagen, dürfen alle anderen hinter einem ordentlich lachen. Wohl wissend, dass sie die nächsten sein werden. Aber genau das ist es, was Minigolf ausmacht. Wer nicht regelmäßig spielt, bleibt einfach schlecht. Und da wenige Menschen regelmäßig spielen, sind eigentlich alle irgendwie gleich schlecht. Also trickst man hier und da, und wenn der Ball nach 14 Versuchen (erlaubt sind eigentlich nur sechs) immer noch nicht im besagten Loch gelandet ist, muss auch mal der Fuß oder die Hand nachhelfen. Regeln gibt es genug im Leben, Minigolf ist immer auch ein kleines bisschen Anarchie. In diesem Sinne: Probiert doch beispielsweise einfach mal die Minigolf-Anlage an der Steintormasch aus. Ihr werdet nicht enttäuscht sein.

Dienstag, 11. August 2020:
Minigolf Steintormasch, In der Steintormasch 5A, 30167 Hannover, Öffnunsgzeit: täglich von 11 bis 20 Uhr, Preis: 3,50 Euro für Erwachsene, 3 Euro für Schüler*innen und Studierende, 2,50 für Kinder unter 12 Jahren

(Foto: Susanne Viktoria Haupt)

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Kategorien: Lokalitäten, Sports, Tagestipps

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