Susanne Viktoria Haupt
4. August 2020

So long, Marianne

Ein filmischer Liebesbrief an eine ganz besondere Muse: Das Apollo-Kino zeigt heute den Dokumentarfilm „Marianne & Leonard: Words of Love“

Ohne sie hätte es den Singer/Songwriter Leonard Cohen wahrscheinlich nie gegeben: Marianne Ihlen in Nick Broomfields Doku, Filmplakat

Es gibt wohl nur wenige Dokumentationen, in die so viel Liebe hineingelegt wurde, wie in „Marianne & Leonard: Words of Love“ von Nick Broomfield. Wir alle kennen vielleicht den Song „So long, Marianne“ von Leonard Cohen. Genauso, wie wir alle den 2016 leider verstorbenen Sänger Leonard Cohen gekannt haben. Es waren aber diese Tage und Wochen in den 1960er-Jahren auf der griechischen Insel Hydra, die den kanadischen Ausnahme-Künstler erst dazu gebracht haben, sich überhaupt hauptberuflich der Musik zu widmen. Zuvor war er als Schriftsteller gescheitert und kam wie viele andere nach Hydra, um sich von der Muse küssen zu lassen. In seinem, und auch in Regisseur Nick Broomsflieds Falle hieß diese Muse Marianne, eine alleinerziehende Mutter, die auf Hydra dem bürgerlichen Leben entsagt hatte.

Marianne Ihlen, eine blonde Naturschönheit mit einem Lachen, das alles einnehmen konnte. Das erkennt man sofort auf den Aufzeichnungen, die Broomsfield auf dem Dachboden anderer ehemaliger Hydra-Lebenskünstler*innen entdeckt hat. Eine ernsthafte Beziehung war es nicht zwischen Leonard und Marianne. Es galt das Credo der freien Liebe, offen und ohne jeden Zwang. Aber auch, wenn die freie Liebe zwischen Leonard Cohen und Marianne Ihlen nur von begrenzter Dauer war, behielt sie lebenslang ihren Platz in seinem Herzen. Kurz vor ihrem Tode, so heißt es, habe er ihr noch eine E-Mail geschrieben und darin bekundet, dass es bis zu einem Wiedersehen nicht lange dauern wird.

Broomsfield hingegen wurde von Marianne dazu ermutigt, Filmregisseur zu werden. Er kam, als die Liebesbanden zwischen Cohen und Marianne sich langsam aufzulösen begannen. In „Marianne & Leonard: Words of Love“ steckt also mehr als eine Liebeserklärung an dieses inspirierende Paar, sondern eine Hommage an eine Zeit, die sich offenbar völlig frei anfühlte und von jeder Menge Inspiration durchzogen war. Gleichermaßen schaut Broomsfield aber auch, was aus dieser Zeit wurde, was davon übrig blieb. Marianne Ihlen beispielsweise kehrte irgendwann ihrem alternativen Lebenskonzept den Rücken und heiratete erneut. Das Apollo-Kino versetzt uns mit diesem Dokumentarfilm heute auf jeden Fall sanft in andere Zeiten. So long, Marianne…

Dienstag, 4. August 2020:
„Marianne & Leonard: Words of Love“, Dokumentarfilm von Nick Broomfield, USA 2019, 97 min., Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover, Beginn: 18 Uhr, Eintritt: 8 Euro, ermäßigt: 7 Euro

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Musik, Tagestipps

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