Susanne Viktoria Haupt
29. August 2020

Ein Künstlerleben

Happy Birthday, Ronald Searle: Zum 100. Geburtstag widmet das Museum Wilhelm Busch dem britischen Karikaturisten eine außergewöhnlich facettenreiche Solo-Ausstellung

Es gab viele Dinge, die Ronald Searle nicht mochte. Katzen gehörten nicht dazu: „Ronald Searle: Ein Künstlerleben“, Ausstellungsplakat

Das Museum Wilhelm Busch fühlt sich nicht nur seinem Namensgeber eng verbunden, sondern auch den anderen zahlreichen Künstler*innen, die mit ihren Werken die Sammlung oder aber die Ausstellungen im Museum bereichert haben und bereichern. Gerne wird auch der persönliche Kontakt gepflegt, um den Künstler*innen das sichere Gefühl zu vermitteln, dass ihre Werke nicht nur ausgestellt, sondern ihre Arbeit auch fachlich und persönlich geschätzt wird. Besucht man das kleine, aber feine Museum inmitten des Georgengartens, wird man daher nicht zwangsweise die größten Hallen, aber dafür etliche der größten Meister*innen der Karikaturgeschichte antreffen. Ganz gleich, ob aus dem goldenen Zeitalter der britischen Karikatur oder der Gegenwart, die sich irgendwo zwischen Brexit, Trump und Merkel festgebissen hat – der Querschnitt, der hier oft präsentiert wird, ist in jedem Fall einen Besuch wert.

Zu manch einer Künstlerin oder einem Künstler werden ganz besondere freundschaftliche Bande geknüpft, so auch zum britischen Karikaturisten und Cartoonisten Ronald Searle (1920-2011). Searle wurde in England vor allem für seine knapp 50 Blätter umfassende Reihe rund um das fiktive Mädchen-Internat St. Trinian berühmt. Aber sein Schaffen umfasste bei weitem mehr als nur die aufmüpfigen Mädchen mit den Schlangen als Haustiere. Dass er zeichnen wollte, war ihm schon immer bewusst, weswegen er ab 1937 auch eine Kunstschule besuchte. 1939 wurde er jedoch aus seinem bisherigen Leben herausgerissen und als Soldat einberufen. Eine tragische Erfahrung, die in mehrjähriger japanischer Gefangenschaft mündete und den jungen Künstler schlussendlich zu dem formte, der er dann war: ein unerschrockener, kritischer, aber dennoch die schönen Dinge des Lebens liebender Künstler. Und so zeichnete sich Searle durch sämtliche großen Zeitungen und Magazine der Welt, darunter Le Monde, New Yorker, der Punch und der Spiegel.

Ronald Searle zog nach Paris, wo er die Liebe seines Lebens fand und später, in den 1970er-Jahren, in die Provence, wo die Zikaden die schönsten Lieder surren. Aber Searl zeichnete nicht nur weiter, sondern steckte vor allem viel Geld in seine persönliche Sammlung, die sogar Werke von Hogarth und Picasso beinhaltete. Ronald Searle war einer, der die Kunst verstand und den Sinn in ihr selbst sah. Und auch seine Werke, die tausenden Blätter, die er in all den Jahren mit Feder und Tusche angefertigt hatte, sollten einst einen wohlig warmen und vor allem geschätzten Platz irgendwo unter der Museums-Sonne finden. Nur gut, dass es eben das Museum Wilhelm Busch war, dass schnell und zeitig einen Finger auf Searls Erbe hatte und keine Mühen scheute, ihm diese Zuwendung so gut wie möglich zu vergüten. Mit diesem Schritt kann sich der 2011 verstorbene Künstler nicht nur sicher sein, dass seine Arbeit in den besten Händen ist, sondern das Museum zudem auch, dass sie einen echten Schatz der Karikaturgeschichte nun ihr eigen nennen darf.

Nun hätte Ronald Searle schon am 8. März diesen Jahres seinen 100. Geburtstag gefeiert und das Museum damit auch ihm zu Ehren die große Solo-Ausstellung eröffnet. Aber Corona hat auch die Ausstellungspläne des Museums ordentlich durcheinander gewirbelt. Das bricht dem Ganzen allerdings keinen Zacken aus der Krone: Es hat eben ein wenig gedauert, seit heute öffnet das Georgen-Palais seine Pforten zur Ausstellung „Ronald Searle – Ein Künstlerleben“. Facettenreich, beeindruckend und vor allem lebendig. Das Warten auf dieses Highlight hat sich allemal gelohnt.

Samstag, 29. August 2020:
„Ronald Searle: Ein Künstlerleben“, Ausstellung, Museum Wilhelm Busch, Georgengarten, 30167 Hannover, geöffnet: 11 bis 16 Uhr, Eintritt: 6 Euro, ermäßigt: 4 Euro

  • Die Ausstellung läuft noch bis zum 22. November
  • Öffnungszeiten: Di bis So 11-16 Uhr

(Foto: Pressefoto/Ausstellungsplakat/Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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