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Kein Platz nirgendwo

Das Raschplatz-Kino zeigt die sehr sehenswerte Neuverfilmung von Alfred Döblins grandiosem Roman „Berlin Alexanderplatz“

"Berlin Alexanderplatz", Filmposter

Verstörend nah an Fassbinder Version: „Berlin Alexanderplatz“ von Burhan Qurbani, Filmposter

Sich an einen Jahrhundert-Roman wie „Berlin Alexanderplatz“ zu wagen, um dem historischen Stoff über 90 Jahre nach seinem Erscheinen einen neue Note zu verpassen, erfordert einigen Mut. Immerhin gilt der erfolgreichste Roman des deutschen Schriftstellers Alfred Döblin als eines der Hauptwerke der deutschen Moderne. „Berlin Alexanderplatz“ wurde schließlich bereits 1931 mit Heinrich George in der Hauptrolle verfilmt und erhielt viel Lob.

Als geradezu bahnbrechendes Meisterwerk bundesdeutschen Film und Fernsehens gilt aber die 1979 und 1980 gedrehte Version von Rainer Werner Fassbinder, die aus 13 Episoden und einem Epilog und insgesamt 930 Minuten Sendezeit bestand und Günter Lamprecht in der Hauptrolle des Franz Biberknecht zeigte. Beiden Verfimlmungen war gemeinsam, dass sie durch exakte und sozialkritische Milieu-Beschreibungen glänzten.

Und nun das: eine Neuverfilmung! In der Version von Burhan Qurbani ist Francis (Welket Bungué) ein Einwanderer, der die Flucht aus Westafrika überlebt hat und nun ein geregeltes, anständiges Leben führen möchte. Doch in dem Berlin, in dem er landet, wird mit Staatenlosen wie ihm genauso erbarmungslos umgegangen, wie es der Lohnarbeiter Franz Biberkopf in Döblins Klassiker erlebt hat. Und so bleibt die Neuverfilmung erstaunlich nah an Fassbinders Interpretation von vor vierzig Jahren: verstörend, gesellschaftskritisch und bezeichnend real.

Montag, 27. Juli 2020:
„Berlin Alexanderplatz“, Spielfilm von Burhan Qurbani, D 2020, 183 min., Kino am Raschplatz, Raschplatz 5, 30161 Hannover, Beginn: 16.15 und 20.00 Uhr, Eintritt: 9 Euro, ermäßigt: 8,50 Euro

(Foto: Filmplakat)

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