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Kein Festival ist vor dem nächsten Festival!

Dieses Wochenende hätte das Fährmannsfest 2020 stattgefunden. Stattdessen schwelgen wir in Erinnerungen

Fährmannsfest

Doof, aber vernünftig: Wegen Corona musste dieses Jahr auch das Fährmannsfest abgesagt werden

So etwas hatten wir auch noch nicht. Pandemie hin oder her, aber dass der Fährmann, unser Fährmann, dieses Jahr nicht über die Ihme schippern wird, ist schon eine Hausnummer. So vernünftig und daher richtig diese Entscheidung ist, blutet allen kulturverliebten und weltoffenen Hannoveraner*innen ein bisschen das Herz. Aber es hilft ja nicht, also warten wir auf nächstes Jahr.

Nach dem traurigen Ende des BootBooHook-Festivals, bildet das Fährmannsfest die letzte alternative Musikfestival-Bastion in Hannover. Seit 1983 versorgt der Fährmann alle festivalhungrigen Pilger*innen verlässlich mit einem wohlkuratierten Programm aus den besten Welten von Musik bis Kultur. Mal rau, mal sanft, aber immer mit Herz. Es ist tatsächlich bemerkenswert und heute lange keine Selbstverständlichkeit mehr, dass das Fährmannsfest über all die Jahre seinem Ur-Konzept treu geblieben ist. Da wo andere der Gewinnmaximierung verfallen sind, geht es am Ufer von Ihme und Leine wie bekannt weiter. Umsonst und draußen, ein Festival für Jedermann und Neugierige. Damals noch vollkommen umsonst und nur über Speisen und Getränke finanziert, wurde später trotz steigender Kosten ein vorbildlicher Kompromiss gefunden. Zahlen ja, aber nur Freitag und Samstag und auch nur für die große Bühne auf der Fährmannsinsel. Der Rest ist weiterhin gratis zu sehen und sonntags gibt es sogar das gesamte Gelände für lau. Wo gibt es das noch? Es wird wohl kaum eine*n Lindener*in geben, der oder die mit dem Fährmannsfest nicht ein paar wunderbare Erinnerungen verbindet. So geht gelebte Stadtteilkultur!

Der namensgebende Fährmann fußt dabei tatsächlich in der Historie Lindens. So wurde von 1877 bis 1947 eine Seilfähre genutzt, um das auf der Landzunge zwischen Ihme und Leine gelegene Gartenlokal mit Linden zu verbinden. Das Lokal wurde im Verlauf des Zweiten Weltkrieges komplett zerstört. Heute erinnert nur der Veranstaltungsort des Festivals, der auf dem ehemaligen Grundstück des Lokals liegt, an das, was früher einmal war.

Das Fährmannsfest hat es im Laufe der Jahre zu einer beeindruckenden Größe geschafft. Der offiziell-inoffizielle Name „Das kleine Woodstock an der Leine“ kommt eben nicht von ungefähr. Es ist nicht nur das lockere und weltoffene Miteinander, welches den Namen prägt. Denn mittlerweile sind es über 15.000 Besucher*innen, die das Festival jedes Jahr stemmen kann und Menschen zusammenbringt. Damit ist es das größte Open-Air-Festival in der gesamten Region Hannover und weit über dessen Grenzen hinaus bekannt.

Auch wenn es in den vergangenen Jahren stets ein paar von den „großen“ Bands auf die Hauptbühne geschafft haben, schlägt das Herz des Festivals doch für die unbekannten und jungen Bands, die noch nicht jeder auf dem Schirm hat. Es geht um die Förderung kleiner Bands, um ihnen die Gelegenheit zu bieten, auch vor großem Publikum aufzutreten. Eben ganz sozial. Und auch wenn wir 2020 – in dem Jahr, in dem die Welt verrückt spielt – auf unser Fährmannsfest verzichten müssen, bleiben nicht nur schöne Erinnerungen an die vergangenen Jahre, sondern auch die Gewissheit, dass es nächstes Jahr wieder los- und weitergehen wird. Mit der gelebten Stadtteilkultur und dem, was Linden so besonders macht. Wir freuen uns!

Freitag, 31. Juli 2020:
Fährmannsfest 2020, in Gedanken, wir hoffen auf eine fröhliche Neuauflahge in 2021!

(Foto: Pressefoto/Fährmannsfest)

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