Jörg Smotlacha
13. August 2020

Ein Leben zwischen Moskau und Hannover

Ein großer Vorreiter der avantgardistischen Kunst: Das Sprengel Museum zeigt eine neue Ausstellung rund um das Multi-Talent El Lissitzky

El Lissitzky und eine Rolle Plakate

Georgij und Vladimir Stenberg, Filmplakat zu Nunzio Malasommas „Jagd auf Menschen“, 1927, Farb-Lithografie

Der russische Künstler El Lissitzky war einer der bedeutendsten Avantgardisten seiner Zeit. Das 1890 geborene Allround-Genie, das in Malerei, Architektur, Grafik-Design, Typografie und Fotografie seine Spuren hinterlassen hat, sah in der Oktober-Revolution „einen künstlerischen und sozialen Neubeginn für die Menschheit“, denn Lissitzky war ein extrem politischer Mensch. Künstlerisch kam er sehr bald mit Marc Chagall in Kontakt, der seinerzeit Dirketor der Kunsthochschule in Witebsk war, und war Mitbegründer des Konstruktivismus sowie stark beeinflusst durch den Suprematismus.

El Lisssitzky war mit vielen deutschen und russischen Künstlerinnen und Künstlern befreundet, zum Beispiel mit Hans Arp, Kasimir Malewitsch, Jan Tschichold und Willi Baumeister. Er pendelte zwischen beiden Ländern. Vor allem aber verliebte er sich 1922 in die deutsche Kunsthistorikerin Sophie Küppers, durch die seine ganz besondere Beziehung zu Hannover geprägt wurde. 1927–1928 bekam er den Auftrag zur Gestaltung des Abstrakten Kabinetts in der Niedersächsischen Landesgalerie Hannover. 1928 war er künstlerischer Leiter bei der Gestaltung des Sowjet-Pavillons auf der internationalen Presseausstellung Pressa in Köln. Inzwischen aber hatte er Sophie geheiratet und mit ihr ein gemeinsames Leben in Moskau begonnen.

Im Oktober 2013 wurde bekannt, dass der private Nachlass El Lissitzkys und seiner Frau Sophie Lissitzky-Küppers von ihrem Sohn Jen Lissitzky dem Sprengel Museum überlassen wurde. Und so kommt es, dass El Lissitzkys Kunst immer wieder im Museum am Maschsee ein Thema ist: Die neue Ausstellung „El Lissitzky und eine Rolle Plakate – Filmplakate der russischen Avantgarde“ präsentiert nun zum ersten Mal „ein spektakuläres Konvolut von russischen Filmplakaten aus den Jahren von 1924 bis 1928“. Die auch heute noch höchst modern wirkenden Plakate von Künstlern wie Aleksandr Rodcenko, Aleksej Gan, den Steinberg-Brüdern, Aleksandr Naumov, Anton Lavinskij oder Nikolaj Prusakov und Grigorij Borisov zählen zu den Höhepunkten der sowjetischen Plakat-Kunst. Und El Lissitzky und seine Frau Sophie Küppers waren mittendrin.

Donnerstag, 13. August 2020:
„El Lissitzky und eine Rolle Plakate – Filmplakate der russischen Avantgarde“, Sprengel Museum Hannover, Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover, geöffnet von 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 7 Euro, ermäßigt: 4 Euro

  • Die Ausstellung ist noch bis zum 15. November zu sehen
  • Öffnungszeiten: Di 10 bis 20 Uhr, Mi bis So 10 bis 18 Uhr, Mo geschlossen

(Foto: Pressefoto/Sprengel Museum Hannover/Copyright: Herling/Herling/Werner)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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