Jörg Smotlacha
18. August 2020

Avantgarde Ost

Das Sprengel Museum würdigt die in Moskau geborene Malerin und Grafikerin Elena Liessner-Blomberg

Elena Liessner-Blomberg: "Stillleben Berliner Zeit", 1921, Collage

Elena Liessner-Blomberg: „Stillleben Berliner Zeit“, 1921, Collage

Elena Liessner-Blomberg ist eine Malerin und Grafikerin, die hierzulande leider noch viel zu unbekannt ist und amit ihr Schicksal mit einer Vielzahl künstlerisch aktiver junger Ost-Europäerinnen teilt. 1897 in Moskau geboren, übernahm sie nicht etwa das florierende Korsett-Atelier ihrer Mutter, sondern beschloss, Künstlerin zu werden. Die Revolution von 1917 begrüßte sie als „Erlösung“, schnell arbeitete sie als Zeichnerin und Sekretärin in den neugegründeten Künstlerverbänden. Bald begann Liessner zu studieren, doch die Entwicklung in der Sowjetunion hin zum Reaktionären enttäuschte die junge Künstlerin, sie verließ die Sowjetunion und ging nach Berlin.

In Deutschland angekommen, stellte Elena Liessner alsbald mit der Berliner „Novembergruppe“ aus, zu der auch Lionel Feininger, George Grosz, Max Pechstein und Walter Gropius gehörten. Sie verbrachte schließlich den Großteil ihres Lebens in Berlin und schuf unzählige Berliner Stadtansichten, in denen sie die Atmosphäre ihrer Zeit eingefangen hat. 1923 stellte Sie in der Galerie von Garvens in Hannover aus, 1924 heiratete sie den russischen Innenarchitekten Albrecht Blomberg. Lange Zeit war sie künstlerisch nicht mehr sehr aktiv, und während der Nazi-Diktatur unterstützte sie ihren Mann bei Aufträgen aus dem In- und Ausland. Erst in den späten 1960er-Jahren wurde Elena Liessner-Blomberg in der DDR wiederentdeckt. Sie gehört zur zweiten Generation der russischen Avantgarde-Bewegung. Endlich widmet ihr auch das Sprengel-Museum ein Ausstellung: Elena Liessner-Blombergs „Zeichnungen einer Moskauer Berlinerin“ sind noch bis zum 15. November in Hannover zu sehen.

Dienstag, 18. August 2020:
Elena Liessner-Blomberg: „Zeichnungen einer Moskauer Berlinerin“, Sprengel Museum Hannover, Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover, geöffnet von 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 7 Euro, ermäßigt: 4 Euro

  • Die Ausstellung ist noch bis zum 15. November zu sehen
  • Öffnungszeiten: Di 10 bis 20 Uhr, Mi bis So 10 bis 18 Uhr, Mo geschlossen

(Foto: Pressefoto/Sprengel Museum Hannover/Privatbesitz,© Ursula Blomberg)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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