Cosma Jo Gagelmann
9. September 2020

Der Grieche zum Abheben

Hannovers Leckerbissen: Am Flugzeug-Restaurant „Silbervogel“ in Ricklingen fahren viele nur vorbei, aber der Besuch lohnt sich

Flugzeugrestaurant

Kaum zu glauben, aber dieses Flugzeug ist tatsächlich mal geflogen

Viele Menschen fragen sich bestimmt, wie lange das Flugzeug an der B65 zwischen dem Tönniesberg-Kreisel und dem Ricklinger Kreisel dort schon steht. Dabei ist es sogar ein wichtiger Teil der Luftfahrtgeschichte. Die „Vickers 814 Viscount“ flog erstmals 1948 – und das nicht mit den damals üblichen Kolbenmotoren, sondern mit Turbinen. Somit ist es das erste Turbo-Prop-Flugzeug der Welt. Schon damals lobten die Passagiere den Komfort sowie das Flug-Gefühl und auch die ungewöhnlich großen Fenster des Flugzeugs. Es flog in der ganzen Welt und war besonders in Kanada und den USA sehr beliebt, zeitweise flogen dort mehr Flugzeuge dieser Art als in Europa. Die 48 bis 71 Sitzplätze waren stets gefüllt, und die Airlines, die diese Maschinen flogen, waren dementsprechend ausgelastet und gewannen kräftig an Kundschaft. Der „Silbervogel“ wurde 1959 in England erschaffen und nach seiner Erstzulassung an die Lufthansa übergeben, die ihn zwischen 1958 und 1971 einsetzte. Mit 10 Schwesterflugzeugen flog auch eine Maschine namens „Delta-Alpha-November-Alpha-Bravo“ Kurz- und Mittelstrecken. Ende des Jahres 1969 wurde sie dann in den Ruhestand geschickt. Der Rumpf wurde per Polizei-Eskorte bei einer 12-stündigen Fahrt von Hamburg zum Ith bei Eschershausen gebracht. Die Flügel und der Rest reisten per Güterzug nach Stadtoldendorf. Viereinhalb Monate dauerte die Aufbauaktion, bis am 6. März 1971 das Flugzeugcafé „Silbervogel“ eröffnete. Im Jahr 2002 gab es einen Besitzerwechsel und so trat die „Alpha-Bravo“ ihre Reise nach Hannover an. Dort wurde sie dann wieder zusammengebaut und restauriert, bis das Restaurant mit dem Namen „Silbervogel“ und seinen griechisch-internationalen Speisen am 14. Februar 2003 neueröffnet wurde.

Meine Begleitung und ich waren an einem Sonntag da. Schon von außen sah das Flugzeug sehr beeindruckend aus. Wir setzten unsere Masken auf und gingen „an Board“, also eine große Treppe hinauf. Unten rechts neben der Treppe befindet sich der zum Restaurant dazugehörige Biergarten. Links konnte man ins Cockpit gucken, dort saßen zwei nett aussehende Puppen-Piloten. Wir betraten den Flugzeug-Gang und der Kellner begrüßte uns sofort und führte uns zu unserem Tisch, da wir bereits online reserviert hatten. Es war wenig los, was wahrscheinlich mit Corona zusammenhängt. Das Restaurant ist fast so aufgebaut wie ein normales Flugzeug: In der Mitte ist ein Gang und links und rechts stehen die Tische mit jeweils vier Stühlen. Wir nahmen Platz und der Kellner gab uns die Karten. Es gibt eine riesige Auswahl an Speisen und Getränken. Man kann aus kalten und warmen Vorspeisen wählen. Es gibt verschiedene Suppen, Salatplatten und eine Auswahl an Beilagen wie Pommes oder Reis und Saucen. Außerdem gibt es die Kategorie „Für den kleinen Appetit“, die ich sehr passend finde, wenn man keinen großen Hunger hat. Eine kleine Auswahl an vegetarischen Gerichten gibt es auch, beispielsweise Gemüse-Auflauf. Außerdem gibt es viele verschiedene Fleischsorten vom Grill, manche von ihnen findet man auch in der Kategorie „Überbackenes aus dem Ofen“. Gerichte aus der Pfanne und Schnitzel gibt es obendrein. Zudem gibt es immer eine Kategorie mit den „Besonderen Empfehlungen des Hauses“. Wenn man das Restaurant zu zweit besucht, gibt es die Möglichkeit, die „Platte für 2“ zu bestellen. An Fischgerichten gibt es auch eine kleine Auswahl. Und natürlich gibt es auch eine Kinder-Karte und eine Dessert-Karte. Auch bei den Getränken bleiben keine Wünsche offen, von normalem Wasser über Säfte bis hin zu Bier und Wein. Wir sichteten die Karte in Ruhe und als wir damit fertig waren, war der Kellner schnell wieder bei uns, so dass wir bestellen konnten.

Salat und Käseröllchen

Der Salat hat sich mit den Käse-Röllchen gut ergänzt

Unsere Getränke – für mich einen großen KiBa und für meine Begleitung eine große Cola Light – wurden sehr schnell serviert. Und auch auf die Vorspeise – wir hatten Käse-Röllchen gewählt – mussten wir nicht lange warten. Zu ihr wurde uns gleichzeitig der Salat gebracht, der zu unseren beiden Hauptgerichten gehörte sowie ein Körbchen mit etwas Brot. Die Käse-Röllchen waren sehr lecker, sie wurden mit etwas Preiselbeer-Sauce serviert, die hervorragend dazu gepasst hat. Im Salat war alles drin, was man sich wünschen kann. Es war genau die richtige Menge und durch die Sauce spielte alles wunderbar zusammen. Während des Essens hat mich vor allem die Atmosphäre des Restaurants beeindruckt. Es war schon ein bisschen komisch, in einem Flugzeug zu sitzen und wie in einem Restaurant zu speisen, doch gleichzeitig löste es Urlaubs-Gefühle aus. Man konnte im Hintergrund griechische Musik hören und hatte das Gefühl, in einer ganz anderen, schönen Welt zu sein.

Hauptgerichte

Fleischig und cremig, das beschreibt die beiden Gerichte passend

Wir waren gerade mit dem Salat fertig, da wurden auch schon unsere Hauptgerichte serviert. Währrenddessen hatte es eine Wespe geschafft, in das Flugzeug zu fliegen und schwirrte umher. Das machte meine Begleitung und mich ein wenig nervös. Doch auf meine Bitte hin jagte der Kellner die Wespe mit einem Glas, fing sie und ließ sie anschließend draußen wieder frei. Nun konnten wir ungestört essen. Meine Begleitung hatte sich für Gyros mit Fleischspieß, Putenspieß, Pommes und Reis entschieden. Ich aß zwei Putensteaks mit Championcreme-Sauce, Pommes und Reis. Meine Begleitung fand das Fleisch köstlich und auch der Reis schmeckte sehr gut. Nur die Pommes wirkten ein bisschen labbrig, wie bei mir auch, was mich aber sonst nicht weiter störte, da meine Putenstecks lecker waren und die cremige Champignon-Sauce diesen Genuss perfekt ergänzte. Die Portionen waren gut, man war sehr satt danach, aber nicht zu voll. Als wir bezahlten, füllten wir nebenbei noch das Corona-Kontaktformular aus. Der Kellner hatte uns bereits zwei Uso hingestellt, mit denen wir dann angestoßen haben.

Mein Tipp: Wer momentan wegen Corona nicht indoor essen gehen möchte, kann im „Silbervogel“ auch Geschenkgutscheine erwerben oder telefonisch beim Restaurant anrufen, bestellen und die Speisen dann abholen.

Mein Fazit: Der Besuch hat sich für mich wie ein Kurzurlaub angefühlt. Allein das Flugzeug macht schon den Charme des Restaurants aus, ebenso wie die netten Mitarbeiter, die rundum dafür sorgen, dass man sich wohlfühlt. Die Speisen sind sehr vielfältig, die Auswahl ist riesig und besonders das Fleisch hat überzeugt.

Flugzeug-Restaurant Silbervogel
Mercedesstraße 1
30453 Hannover

Öffnungszeiten: Mo geschlossen, Di bis Fr 17-23 Uhr, Sa 12-14 und 17-23 Uhr, So 12-23 Uhr

www.restaurant-silbervogel.de

(Fotos: Cosma Jo Gagelmann)

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Kategorien: Lokalitäten

Ein Kommentar

  1. Beyza sagt:

    Sehr guter Artikel! Ich bin etliche Male an dem Flugzeug vorbeigefahren, aber Essen gehen war ich da noch nie😄

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