Susanne Viktoria Haupt
1. September 2020

Keine Zeit für Krisen

Autorin Heike Koschyk alias Sophie Bonnet präsentiert heute in der Buchhandlung Leuenhagen & Paris den siebten Fall ihres Ermittlers Pierre Durand und lädt zum Urlaub zwischen den Seiten ein

Entführt heute Abend tief in die Camargue: „Provenzalischer Stolz“ von Sophie Bonnet

Denke ich an die Camargue, denke ich direkt an drei Dinge: Flamingos, weiße Pferde und Vincent van Gogh. Das verzaubernde Naturschutzgebiet im Süden Frankreichs, das zur Basse-Provence zählt, liegt friedlich eingebettet zwischen den beiden Armen der Rhône. Schaut man sich beispielsweise Van Goghs Gemälde „Blick auf Saintes-Maries-de-la-Mer“ an, erhält man einen ersten Eindruck der Gegend. Die Camargue bricht ein Stück weit mit der floralen Aura der Haute-Provence. Der Blick wird weitläufiger, die Umgebung ein Stück rauer. Würde man sich im Süden Frankreichs nach Einsamkeit sehnen, wäre die Camargue ein guter Rückzugsort. Das hat sich auch Ermittler Pierre Durand in Sophie Bonnets siebtem Streich ihrer provenzalischen Krimi-Reihe gedacht. Er wurde vom Polizeidienst suspendiert und seine Freundin möchte eine Familie gründen. Ein bisschen viel Input für Durand, den es nun mit seinem Hausboot auf die Rhône verschlägt. Was er zu Beginn seiner Selbstfindungsreise allerdings nicht wissen kann, ist Folgendes: Du kannst vor Deiner Bestimmung nicht fliehen.

Und so landet ein Mann mit angeblicher Amnesie auf dem Boot von Durand. Dieser Mann soll allerdings zeitgleich ein wichtiger Zeuge eines Mordes sein. Obgleich sich Durand doch erst einmal neu orientieren wollte, bittet ihn nun der lokale Präfekt um Unterstützung. Hinter den Morden soll ein dubioser Kettenbrief stecken und der aufgefundene Tote ist zudem ein Kriminalbeamter. Zuletzt hatte er innerhalb der „Gens du voyage“ ermittelt, also in jener Bevölkerungsgruppe, die ohne festen Wohnsitz, aber dafür häufig mit einem Wohnmobil unterwegs ist. Durand muss also seine kleine Lebenskrise notgedrungen verschieben und sich mitten in den nächsten Fall stürzen.

Mit „Provenzalischer Stolz“ liefert Sophie Bonnet, die eigentlich Heike Koschyk heißt, den siebten Teil ihrer Provence-Krimi-Reihe. Genau wie viele andere Krimiautor*innen, beispielsweise Jean-Luc Bannalec, der im echten Leben Jörg Bong heißt, benutzt Koschyk ein französisches Pseudonym, um zumindest ein Stück weit die Illusion einer authentischen einheimischen Autorin aufrecht zu erhalten. Das mag in Anbetracht dessen, dass die Klarnamen meist schnell enthüllt werden, nicht immer logisch erscheinen, aber Koschyk hat mit ihrer Reihe definitiv großen Erfolg. Das liegt zum einen natürlich am traumhaften Setting in der Provence, zum anderen aber auch daran, dass ihr Ermittler Pierre Durand durchaus eine persönliche Entwicklung durchlebt. Für Neulinge ist es auf Grund der jeweils abgeschlossenen Fälle kein Problem, im siebten Fall einzusteigen, aber für echte Fans, und dazu wird man schnell, lohnt es sich schlussendlich auch, die vorangegangenen sechs Bände nachzuholen. Erwarten kann man auf alle Fälle jede Menge Spannung, interessante Fälle, Lokalkolorit und Verweise auf die provenzalische Küche. Appetit inklusive. Heute ist Koschyk aka Bonnet mit „Provenzalischer Stolz“ in der Buchhandlung Leuenhagen & Paris zu Gast und man sollte durchaus schnell sein. Aufgrund der Pandemie sind die Plätze auf 55 Stück begrenzt.

Dienstag, 1. September 2020:
„Provenzalischer Stolz“, Lesung mit Sophie Bonnet, Buchhandlung Leuenhagen & Paris, Lister Meile 39, 30161 Hannover, Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: 10 Euro

(Foto: Pressefoto/Buchcover)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

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